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Nikolaus auf dem Lerchenberg

Am heutigen Nikolaustag steht beim ZDF die wichtigste Personalentscheidung der vergangenen 20 Jahre an. Nach monatelangem Gezänk soll ein neuer Intendant gewählt werden.

Aber daraus dürfte wohl nichts werden. Zwar ist der defizitäre Sender mit seinen 3 600 Mitarbeitern unbestritten reformbedürftig, ist das Durchschnittsalter der ZDF-Zuschauer mit knapp 57 Jahren doch das höchste unter den großen Sendern. Aber die großen Parteien in Deutschland haben sich nach monatelangem Gerangel nicht auf einen Kandidaten für den Intendantenstuhl der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt einigen können.

Wenn die 77 Mitglieder des Fernsehrates heute Abend abstimmen, dürfte die nötige Drei-Fünftel-Mehrheit für keinen der beiden Kandidaten zustande kommen: nicht für den stellvertretenden ZDF-Chefredakteur Helmut Reitze, den die Union ins Rennen geschickt hat, und auch nicht für die Chefin des Hamburger Landesfunkhauses des NDR, Dagmar Reim, Kandidatin der SPD. Keiner von beiden ist der politischen Gegenseite vermittelbar.

Das Gezänk um den Chefsessel auf dem Mainzer Lerchenberg ist schon peinlich. Die SPD wirft der Union Stimmenkauf vor. Der Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrates und rheinland-pfälzische Ministerpräsident, Kurt Beck (SPD), sieht wieder verkrustete ZDF-Strukturen aufbrechen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) droht mit der Aufkündigung des ZDF-Staatsvertrages.

An Kompromisskandidaten für den zweiten Wahlgang ist eigentlich kein Mangel. Dennoch zieht Fritz Pleitgen, amtierender ARD-Vorsitzender, passend zum 6. Dezember einen neuen Namen aus dem vorweihnachtlichen Sack. Der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender soll oberster Mainzelmann werden. Zugegeben, am heutigen Nikolaus, an dem das ZDF den Fernsehfilm "Verwirrspiel" sendet, ist der Nikolaus kein schlechter Vorschlag.

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