Nikolaus Schweickart ist Vorstandschef der Altana AG
Schweickart: Der unbequeme Patriarch

Er ist dafür bekannt, dass er gerne die Auswüchse des "American Way of Business" kritisiert. Mit deutlichen Worten pflegt Nikolaus Schweickart dann gegen die Tendenz angelsächsischer Fonds zu wettern, "wirtschaftliches Denken ausschließlich auf renditeorientierte Ziele zu reduzieren".

NEW YORK. Jetzt wagt sich der Chef der Altana AG selbst in die Höhle des Löwen. Ab diesem Mittwoch werden die Aktien des Bad Homburger Pharma- und Chemiekonzerns auch an der New York Stock Exchange gehandelt. Schweickart muss sich auf dem berühmten Börsenparkett keineswegs verstecken. Er hat die richtigen Zahlen im Gepäck und kann sich durchaus sicher sein, dass nicht nur das symbolträchtige Börsenkürzel AAA der Altana-Aktie die nötige Aufmerksamkeit sichern wird.

Dem 58-jährigen Vorstandschef ist es gelungen, Altana zu einem der rentabelsten und am schnellsten wachsenden Unternehmen der europäischen Pharmaindustrie zu formen. Anders als viele Konkurrenten kämpfen die Bad Homburger weder mit Patentproblemen noch mit Flops in der Forschung. Mit relativ bescheidenen Investitionen ist dem Konzern das Kunststück gelungen, einen "Blockbuster" auf den Pharmamarkt und zwei weitere potenzielle Milliarden-Produkte schon an die Schwelle zur Zulassung zu bringen.

Mit der Notierung in New York will Schweickart seinem Unternehmen nun vor allem die nötige Attraktivität für gute Manager und Mitarbeiter auf dem US-Markt sichern. So will er die Grundlage für den Wandel vom regionalen zum global aufgestellten Pharma- und Chemiekonzern schaffen.

Wie ein britischer Gentleman

Diese Dynamik scheint auf den ersten Blick nicht so recht zu Schweickart zu passen. Der gelernte Jurist wirkt mitunter ein wenig steif und förmlich, eher wie ein britischer Gentleman, ein kunstbeflissener, feinsinniger und etwas distanzierter Herr, der großen Wert auf Tradition und gepflegten Umgangston legt.

Entsprechend zurückhaltend und langatmig kommen seine Sätze daher, wenn er die Geschäftspolitik von Altana erläutert. Das gewellte Haar stets korrekt frisiert und ein feiner Stolz um die Lippen, erinnert Schweickart dann schon mal an die Gründerväter und deren Weitsicht. Das hat nicht nur damit zu tun, dass er seine unternehmerische Laufbahn in den siebziger Jahren als Referent des Industriellen Herbert Quandt, dem damaligen Altana-Hauptaktionär, begann. Schweickart schätzt eine langfristig orientierte Strategie.

Das Kurzfrist-Denken der angelsächsischen Finanzwelt ist dem Patriarchen mit den unbequemen Ansichten so suspekt wie die Modewellen der Investment-Banker. "Wir sind souverän genug, unsere eigene Strategie zu verfolgen", entgegnet er auf Forderungen, das Geschäft auf Pharma zu konzentrieren. Den Mut zur Souveränität verleiht ihm sein starker Mehrheitsaktionär, die Quandt-Erbin Susanne Klatten.

Kulturelles und gesellschaftliches Engagement

Auch sonst macht er aus seiner Abneigung gegenüber einer ausschließlich dem "Shareholder-Value" verpflichteten Firmenpolitik keinen Hehl. Immer wieder bekräftigt er das Bekenntnis zum kulturellen und gesellschaftlichen Engagement. So hat er der gemeinnützigen Herbert-Quandt-Stiftung aus dem Rekordgewinn des vergangenen Jahres einen zweistelligen Millionenbetrag überwiesen. "Aufwendungen für Kunst und Kultur, für Bildung und Zukunftsgestaltung sind Investitionen in die Qualität des Gemeinwohls", verkündet der Kunstliebhaber auf der Hauptversammlung.

Dennoch ist "Shareholder-Value" in den flachen Gebäuden der Konzernzentrale am Bad Homburger Stadtrand kein Fremdwort. Kritik am Gebaren der Finanzwelt und großzügige Gaben für Kunst und Kultur kann sich Schweickart, der zu seinem Privatleben wenig nach außen dringen lässt, vor allem deshalb leisten, weil er in Sachen "wertorientierte Unternehmensführung" als vorbildlich gilt. Altana zählt zu den erfolgreichsten Kandidaten an der deutschen Börse. Seit die Firma vor 25 Jahren durch Realteilung aus dem Varta-Konzern hervorging, hat sich der Gewinn um mehr als das Vierzigfache und der Börsenwert um den Faktor 36 erhöht.

So hat Schweickart beste Chancen, dass der New Yorker Börsengang nicht der letzte Höhepunkt seiner Karriere wird. Die nächste Feier könnte steigen, wenn Altana - wie viele erwarten - den Aufstieg in den Dax 30 schafft.

Quelle: Handelsblatt

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