Nina Kraft überrascht beim Ironman mit Rang zwei – Lothar Leder hinter der Siegerin
Titelverteidiger erreichen den Kailua-Pier als Erste

Frust, Enttäuschung, körperliche Leiden - die internationale Presse rätselte im Konferenzraum des King Kamehameha-Hotels über Thomas Hellriegel und Alex Taubert.

KONA. Auf dem Podium sollten die Top fünf der Männer und Frauen sitzen. Doch hinter den Namensschildern der beiden deutschen Triathleten blieben die Stühle leer. Sicherlich schmerzte die Tatsache, dass bei der 26. Auflage des berühmtesten Langstrecken-Triathlon der Welt im paradiesischen Hawaii aus der deutschen Männer-Garde niemand einen Medaillenplatz errang.

Hellriegel Vierter, Taubert Fünfter - die Ehre der deutschen Ausdauerspezialisten rettete diesmal eine Frau. Nina Kraft saß beim Frage- und Antwortspiel neben der unantastbaren Ironman-Königin Natascha Badmann aus der Schweiz am Mikrofon und freute sich über ihren zweiten Platz und die damit verbundenen 30 000 Dollar Preisgeld. "Ich werde wohl erst später realisieren, dass dies der größte Erfolg einer deutschen Triathletin beim Ironman ist", meinte Kraft, "aber natürlich bin ich sehr stolz."

Was am Morgen beim Massenstart im Schwimmen mit dem U2-Song "Beautiful Day" und untypischem hawaiianischen Wetter (Nieselregen und dunkle Wolken) begonnen hatte, endete 8:29:56 Stunden später bei Sonnenschein, extremer Luftfeuchtigkeit und Donnergrollen mit dem Sieg des Amerikaners Tim DeBoom, der vor dem Kanadier Peter Reid (8:33:06) und dem Neuseeländer Cameron Brown (8:35:34) das Ziel an der Kailua-Pier erreichte. Nach 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen wurde dem alten wie neuen König der obligatorische Lei-Blumenkranz dabei von seiner Mutter überreicht.

Der favorisierte DeBoom verteidigte seine Ironman-Krone ebenso wie Natascha Badmann (9:07:54), die nur einen Rückstand von 37:58 Minuten auf den besten Mann hatte und ihren dritten Titel in Folge in Kona gewann. Dieses Kunststück war zuvor nur der legendären Paula Newby-Fraser (Zimbabwe) gelungen, die insgesamt sogar acht Siege auf Hawaii feierte. Mit der stets lächelnden Badmann stieg eine neue Lichtgestalt im Ironman-Mekka empor. "Sie ist in einer anderen Klasse und momentan unantastbar", meinte Nina Kraft, die das mörderische Rennen in 9:14:24 Stunden beendete und damit 6:32 Minuten hinter der dominierenden Schweizerin lag

.

Den dritten Platz erkämpfte die Kanadierin Lori Bowden (9:22:27). Die beiden Sieger erhielten je 100 000 Dollar Preisgeld. Zumindest Tim DeBoom gab zu, "die letzten Meilen an die Summe gedacht zu haben". Für den Champion aus Lyons im US-Bundesstaat Colorado lief der Wettkampf jedoch zunächst gar nicht nach Wunsch. DeBoom gab zu, im Schwimmen bei starker Strömung und Wellengang "fast die Orientierung" verloren zu haben. Danach sei er beim Radrennen gegen das Tempo der Spitzengruppe chancenlos gewesen: "Da macht man sich schon Sorgen."

Nach der zweiten Disziplin - diesmal wurden die Triathleten beim Radfahren in den Lavafeldern von den heimtückischen Seitenwinden verschont - hatte DeBoom auf dem neunten Rang, Peter Reid auf Rang zehn gelegen. Während der Darmstädter Lothar Leder nur als 38. und damit sogar noch hinter Natascha Badmann ins Ziel kam, demonstrierten deutsche Eisenmänner wie Hellriegel, Normann Stadler sowie Jürgen Zäck eine eindrucksvolle Stärke auf dem Rad.

Die einzige Chance, um mit einem Zeitpolster gegen die stärkeren Läufer bestehen zu können. "Den Topleuten wegzufahren war die richtige Taktik", erklärte Thomas Hellriegel später, "und fünf Stunden vorn zu sein, war auch etwas wert." Dass es für den Bruchsaler nicht zum zweiten Titelgewinn nach 1997 reichte, lag an den läuferischen Qualitäten der Konkurrenz, die beim letzten Ironman-Akt Morgenluft witterte. Reid grinste: "Wir wussten vorher, dass das Rennen im Marathon entschieden wird. Als wir schließlich die Grimassen der Führenden sahen, war uns klar, dass wir richtig gepokert hatten."

Quelle: Handelsblatt

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