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Nippon kämpft gegen das Internet

Das Internet ändert doch alles. Vor Jahren galt die japanische Elektronikindustrie noch als unbesiegbar.

Ob Kamera, Hifi-Anlage, TV-Gerät oder Walkman: eigentlich alles, was dem Spielkind (nicht nur im Manne) Spaß machte, kam aus dem Land der aufgehenden Sonne. Ganze Industrien in Europa und USA verschwanden spurlos. Doch das war einmal.

Nippon mutierte von der Vorzeige-Industrienation zum Paradebeispiel für verkrustete Strukturen in Wirtschaft und Politik. Das bestraft das Internet. Kleine, flinke Startups treten der unbeweglichen Japan Inc. respektlos auf die Zehen. Von Amerika aus hat der MP3-Musikspieler seinen Siegeszug gegen Sonys Walkman angetreten. PC und Web-Kameras werden zur Konkurrenz für Videorekorder und die Lieblingsspielzeuge der Yuppies, die Web-Organizer, kommen aus den USA. Die Börsenneulinge Palm und Handspring zusammen erreichen 20 % der Marktkapitalisierung von Sony.

Handy-Hersteller Nokia wird mit dem 1,7fachen der Marktkapitalisierung des japanischen Unterhaltungsgiganten bewertet. Im Handy-Markt hat Japan bislang nicht ansatzweise an frühere Exporterfolge anknüpfen können. Und Microsoft setzt mit der "X-Box" sogar zum Sturm auf den japanischsten aller Unterhaltungsmärkte an - den milliardenschweren Videospielemarkt. Wo liegt Japans Problem? Hardware billig bauen können heute alle, und in Software- und PC-Anwendungen war Japan nie weltweit führend. Das, zusammen mit verkrusteten, innovationsfeindlichen Strukturen, rächt sich im Web-Zeitalter bitter.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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