Nischen-Dasein droht
Vorsorge: AS-Fonds im Schatten der Riester-Rente

Altersvorsorge-Sondervermögen-Fonds haben wohl keine große Zukunft. Zumindest sehen das viele Versicherer so. Warum das so ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

HANDELSBLATT. Sie waren der Eisbrecher der Branche in der Altersvorsorge-Diskussion: Die Altersvorsorge- Sondervermögen, kurz, AS-Fonds genannt. Wenn es nach dem BVI Bundesverband Deutscher Investmentgesellschaften gegangen wäre, hätte der Gesetzgeber diese speziell für die Altersvorsorge gestrickten Fonds mit einem Steuervorteil versehen, ähnlich wie Lebensversicherungen. Doch daraus wurde nichts. Die Regeln für die Riester-Rente sehen für die steuerliche Förderung von Vorsorge-Produkten einen Wust an Bedingungen vor, z.B. die Garantie auf Auszahlung der eingezahlten Beiträge. Einen speziellen Steuerbonus für AS-Fonds gibt es nicht.

Selbst Geschäftsführer von Fondsgesellschaften trauen daher dem Segment AS-Fonds keine große Zukunft mehr zu. "Ohne steuerliche Förderung werden AS-Fonds keine nennenswerte Marktanteile erobern", glaubt Heinz-Peter Clodius, Geschäftsführer der AM Generali Invest. Und Klaus-Wilhelm Hornberg, verantwortlich bei der Oppenheim Kapitalanlagegesellschaft für Altersvorsorgeprodukte, spricht über AS-Fonds schon in der Vergangenheitsform: "AS-Fonds hatten ein unglückliches Leben."

Ein AS-Fonds ist im Grunde ein Mischfonds, der in Aktien, Renten und sogar Immobilienfonds investieren darf. Dabei sind bestimmte Anlagegrenzen per Gesetz definiert. So dürfen AS-Fonds maximal 75 Prozent ihrer Gelder in Aktien stecken, Währungsrisiken sind auf 30 Prozent des Anlagevermögens begrenzt. Beim Verkauf werden dem Anleger stets ein Sparplan und einen Auszahlungsplan angeboten.

Ein Blick auf die Absatzzahlen der AS-Fonds stellt selbst die Vertreter des BVI nicht wirklich zufrieden. So geht der Absatz der Produkte seit Januar 2000 kontinuierlich zurück. Publikumsfonds insgesamt leiden zwar auch unter der Börsenbaisse. Da aber den AS-Fonds überwiegend Gelder über Sparpläne zufließen, müsste hier der Neumittelzufluss eigentlich gleichmäßiger verlaufen. Der Rückgang bei den Zuflüssen muss also bedeuten, dass Anleger ihre AS-Sparpläne mehr und mehr wieder kündigen.

Die Folge sind zum Teil Minivolumina bei einigen Produkten, die das Überleben der Fonds fraglich machen. "Einige AS-Fonds sind zu klein, um sie wirtschaftlich weiterzuführen", bestätigt Manfred Poweleit, Chefredakteur des Finanzdienstes map-report.

Beispiel Activest: Im AS-Fonds "Zukunftsvorsorge 2" stecken ganze 4,33 Mill. Euro im "Zukunftsvorsorge 3" nur rund 5 Mill. Euro. Activest-Sprecher Stefan Liebl tritt Schließungsbefürchtungen entgegen. "Die Produkte sind Teil der Activest Vorsorge-Rente und diese soll für die steuerliche Förderung zertifiziert werden." Wenn das Produkt das Riester-Siegel trägt, würden auch wieder Mittel in die Fonds fließen, glaubt man bei Activest.

Experte Poweleit verweist aber darauf, dass bei den Riester-Produkten auf Grund der Förderregeln in den ersten beiden Jahren die monatlichen Beiträge nur zwischen bei 13 und 87 Mark betragen werden. "Angesichts dieser Minibeiträge bezweifle ich, dass sich die Erwartung an die Fondsvolumen-Steigerung erfüllen wird." Nicht umsonst hätten Fondshäuser bislang Sparverträge erst ab 100 Mark Monatsbeitrag angenommen, um die Verwaltungskosten im Griff zu behalten. Wenn aber die Fixkosten wie für Management und Verwaltung auf ein kleines Fondsvolumen umgelegt werden müssten, könne das zulasten der Performance gehen. Inwieweit die AS-Fonds eine Zukunft als Riester-fähige Produkte haben, scheint zudem fraglich. Denn förderfähig sind grundsätzlich alle Fondsprodukte, solange sie die Förder-Kriterien wie die Geld-zurück-Garantie erfüllen. Die größte deutsche Fondsgesellschaft etwa, die DWS, will gemanagte Fondssparpläne zur Riester-Zertifzierung vorlegen, bei denen sich das Haus keines ihrer AS-Fonds bedient.

Friedrich Pfeffer, Geschäftsführer der Adig, sieht eine Perspektive für AS-Fonds daher vor allem außerhalb der Riester-Förderung, auch wenn sein Haus ein Riester-Produkt auf Basis von AS-Fonds gestrickt hat. "Aber die Riester-Produkte reichen zur Schließung der Versorgungslücke im Alter nicht aus. Für zusätzliche Vorsorge für das Alter sind AS-Fonds gut geeignet", meint Pfeffer. Aber auch er räumt ein, dass sein Haus AS-Fonds aufgelegt hatte, "in der Annahme, sie würden durch steuerliche Maßnahmen begleitet."



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