Nissan steigt mit 15 Prozent beim französischen Autohersteller ein
Staat verringert Anteil an Renault

Der Einstieg von Nissan macht eine neue Balance in Renaults Eignerkreis erforderlich. Der Staat reduziert seinen Anteil bis auf ein Viertel. Eine Holding soll künftig die Unabhängigkeit beider Konzerne sichern.

HB PARIS. Die japanische Nissan Motor Co. beteiligt sich im Rahmen einer Kapitalerhöhung mit 15 % an der französischen Renault S.A. Gestern unterzeichneten Renault-Vorstandschef Louis Schweitzer und Nissan-Chairman Yoshikazu Hanawa ein entsprechendes Beteiligungsabkommen. Dieses sieht zugleich die Erhöhung des Renault-Anteils an Nissan auf 44,4 % vor. "Wir setzen den Aufbau unserer binationalen Gruppe fort, der in der Autoindustrie einzigartig ist", sagte Louis Schweitzer.

Für Renault sind mit dem Einstieg der japanischen Partner gravierende Änderungen im Eigentümerkreis verbunden. So sinkt der Staatsanteil an Renault durch die Kapitalerhöhung von 44,2 % zunächst auf 37,6 %. Wirtschafts- und Finanzminister Laurent Fabius teilte mit, der Staat werde sich in der Folge auf ein Viertel des Renault-Kapitals zurückziehen. Damit wolle man "die Tragfähigkeit der Allianz zwischen Renault und Nissan" stärken.

Dabei spielt der Wunsch von Großinvestoren eine Rolle, das Kapital des französischen Autoherstellers nicht zu blockieren. Ohne den Rückzug des Staates kämen beide zusammen auf rund 53 %. Ein originäres Verkaufsinteresse des Staates besteht dagegen offenbar nicht, wie in Paris zu erfahren ist: Der Kurs ist weit von seinen Höchstständen entfernt. So hat das Ministerium auch noch keinen Termin für den Teilverkauf seiner Aktien festgelegt.

Renault wird für die ursprünglich erst für 2003 vorgesehene Einlösung seiner Optionen zur Aufstockung des Kapitalanteils rund 2 Mrd. Euro in die Hand nehmen. "Das ist ein gutes Geschäft: Der Wert der Nissan-Aktien liegt bei 3 Mrd. Euro", sagte Schweitzer. Außerdem erhöht dies den Ertragsbeitrag der Japaner, über den man bei Renault derzeit "nicht unglücklich" ist, wie ein Konzernmanager am Rande der Unterzeichnung wissen ließ. Der Renault-Konzern, der in diesem Jahr seine Ertragsprognosen nicht erfüllen wird, decke die Transaktion zu gut zwei Dritteln aus dem Erlös der für Nissan reservierten Kapitalerhöhung. Ein Drittel müsse finanziert werden. Nissan zahlt für seinen Renault-Anteil mit eigenen Aktien, wie Nissan-Vorstandschef Carlos Ghosn andeutete.

Nach Realisierung der Überkreuzbeteiligung sind beide Unternehmen aneinander gewinnberechtigt, konsolidieren den Partner jedoch nur in Höhe der tatsächlichen Beteiligung. Dies erklärt die Höhe der Nissan-Beteiligung: Nach japanischem Recht ist eine solche Konsolidierung erst ab 15 % möglich. Doch mehr als diesen Prozentsatz gesteht Renault den Japanern nicht zu. Nach französischem Recht ist bis zu dieser Grenze die Unterdrückung der Stimmrechte und die formelle Führung der Aktien im eigenen Finanzportfolio ( "autocontrôle") zulässig. Nissan hat also bei Renault keine Mitspracherechte.

Allerdings werden die Partner Anfang kommenden Jahres eine paritätische Gesellschaft gründen, an die beide Konzerne ihre strategische Geschäftsführung sowie die gemeinsamen Tochtergesellschaften abtreten. Diese Renault-Nissan B.V. wird Optionen auf Gesellschafteranteile an eine mit ihr verbundene Stiftung ausgeben. Diese können ausgeübt werden, um feindliche Übernahmeversuche abzuwehren.

"Falls ein Dritter eine Kontrollbeteiligung bei Renault oder Nissan zu erwerben versucht, bietet die Stiftung eine angemessene Verteidigung im Interesse der Aktionäre beider Firmen," sagte Schweitzer. Dabei setzte er voraus, dass große Aktienpakete der beiden Firmen beim jeweiligen Partner liegen.

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