Nitrofen-Gefahr
Handelsketten nehmen Bio-Produkte aus Regalen

Angesichts des bislang einmaligen Ökolebensmittel-Skandals haben große Handelsketten in ganz Deutschland Bio-Produkte aus ihren Regalen genommen.

dpa BERLIN. Etliche Supermärkte und Kaufhäuser stoppten vorsorglich den Verkauf von Eiern und Geflügel aus ökologischem Landbau. Hinweise auf eine Ausweitung des Skandals um das verbotene Unkrautvertilgungsmittel Nitrofen in Futterweizen und Lebensmitteln auch auf Nicht-Bio-Höfe gab es am Mittwoch zunächst nicht. So wurde verseuchtes Tierfutter nach Erkenntnissen des niedersächsischen Agrarministeriums nicht auf konventionellen Bauerhöfen eingesetzt.

Bei einer Sondersitzung des Bundestags-Agrarausschusses an diesem Donnerstag will Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) den Abgeordneten über die monatelang vertuschten Nitrofen-Funde berichten. Am selben Tag will Künast mit ihren Kollegen aus den betroffenen Ländern über Konsequenzen beraten. Neue Erkenntnisse darüber, wie das Unkrautvertilgungsmittel in den Weizen gelangte, gab es am Mittwoch zunächst nicht.

Schwere Vorwürfe an GS agri

Der betroffene niedersächsische Futtermittel-Hersteller bestritt inzwischen, Bio-Betriebe trotz nachgewiesener Nitrofen-Belastung weiter beliefert zu haben. Man habe "zu keinem Zeitpunkt mit Nitrofen belastetes Tierfutter wissentlich an Abnehmer geliefert", sagte der Geschäftsführer der GS agri aus Schneiderkrug, Paul Römann. Landesagrarminister Uwe Bartels (SPD) hatte zuvor erklärt, die Firma habe trotz der ihr bekannten Verseuchung weiter Getreide an Bio- Betriebe abgegeben. Künast sprach in dem Zusammenhang von einer "Gefährdung von Menschenleben".

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) wies unterdessen Aussagen Künasts zurück, in dem nordöstlichen Bundesland seien Hunderttausende Tiere - und damit bundesweit die meisten - mit Weizen des in Verdacht geratenen Futtermittelvertriebs aus Niedersachsen gefüttert worden. Andere Länder hätten keine Angaben zu den Tierbeständen gemacht. Vergleichbar sei bislang nur, dass in Mecklenburg-Vorpommern bei fünf Unternehmen Lieferbeziehungen zu dem niedersächsischen Futtermittelhändler GS agri belegt sind, in Niedersachsen dagegen bei 93 Betrieben.

Supermärkte sortieren Ökolebensmittel aus

Die Handelsunternehmen Edeka, Marktkauf, Metro, Real, Extra, Kaufhof, Karstadt, Penny sowie die Ketten minimal, HL und toom stellten den Handel mit bestimmten Bio-Lebensmitteln ein. Übereinstimmend betonten Sprecher, es handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Deutschlands größter Lebensmittelhändler, die Supermarktkette Edeka, stellte bundesweit den Verkauf von Eiern aus Bio-Produktion ein. Betroffen ist die Eigenmarke "Bio-Wertkost-Eier"; diese bezieht Edeka nach eigenen Angaben von einem Händler aus Westfalen. Deutschlands größter Handelskonzern Metro hat nach eigener Darstellung bereits am vergangenen Freitag sämtliche Bio-Eier und zwei Sorten Bio-Geflügelwurst aus den Regalen genommen. Zum Metro - Konzern gehören neben den gleichnamigen Großmärkten auch die Lebensmittelhändler Real und Extra sowie die Warenhauskette Kaufhof.

Deutschlands größte Warenhauskette Karstadt nahm zumindest einen Teil der Bio-Produkte aus ihren Regalen. Die Kölner Rewe-Gruppe verzichtet seit Montag vorsorglich auf den Verkauf von Öko-Eiern. Geflügel aus Bio-Produktion gehört nicht zum Sortiment in den Supermärkten der Rewe-Gruppe. Zu Rewe gehören neben den gleichnamigen Supermärkten auch der Discounter Penny sowie die Lebensmittelketten minimal, HL und toom.

Der Betreiber von bundesweit rund 175 Marktkauf-Filialen, der Bielefelder Handelskonzern AVA, verkauft seit Montag ebenfalls keine Bio-Eier mehr. Die Hersteller und Lieferanten seien vom Konzern zu einer Bestätigung aufgefordert worden, dass die Produkte nicht mit den verseuchten Futtermitteln in Berührung gekommen seien. Lieferanten und Produzenten von Bio-Geflügel hätten dies bereits versichern können, so dass dies weiter verkauft werde.

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