Niveau der Anleihekurse derzeit sehr hoch
Anlageprofis meiden Dollar-Bonds

Trotz Expertenstreits um Deflationsgefahr und einer Überhitzung am Anleihemarkt: Dass die Bondkurse in Kürze massiv einbrechen, weil Anleger in der Erwartung einer sich rasch erholenden Konjunktur ihr Kapital massiv aus Anleihen in Aktien umschichten, erwartet kaum jemand.

FRANKFURT/M. Anleger, die ihr Depot um- oder neu strukturieren wollen, könnten daher über einen internationalen Rentenfonds nachdenken. Gegenüber der Anlage in einzelne Bonds bringt ein Fonds den Vorteil eines flexiblen Portfolios mit höherer Chance auf ein Renditeplus. Fondsmanager können ihr Portfolio schneller als Privatanleger an jeweilige Marktlagen anpassen, indem sie Laufzeiten und Bonitäten der Bonds sowie die Anlagewährung variieren.

Die Gefahr eines Wertverlusts ist zwar nicht ganz auszuschließen, da einzelne Bonds Minus machen können. Aber wegen der geringeren Wertschwankungen der Anleihen und den Zinsscheinen als Puffer ist das Risiko weitaus geringer als bei Aktienfonds. Aktuell sollten Anleger nur einen Teil ihres zu investierenden Kapitals einsetzen, da das Niveau der Anleihekurse derzeit sehr hoch ist. Sparpläne mit Bondsfonds bringen übrigens inzwischen auch langfristig mehr ein als mit Aktienfonds. Wer in den vergangenen zehn Jahren regelmäßig Rentenfondsanteile kaufte, hat eine Rendite von 5,4 % erzielt. Mit Aktienfonds dagegen hätte er Geld verloren.

Wie verhalten sich Manager von Rentenfonds mit überdurchschnittlicher Wertentwicklung? Wie viele Bondsprofis hält Luc D?Hooge vom luxemburgischen Fondshaus Dexia den europäischen Anleihemarkt für überhitzt. Daher setzt er im Moment stärker auf risikoärmere kurz laufende Anleihen, auch, weil er erwartet, dass die langfristigen Zinsen gegenüber den kurzfristigen bald wieder höher liegen werden.

Eher mittlere und längere Laufzeiten halten dagegen Sebastian Steib von der Schweizer UBS und Bernd Früh, Fondsmanager bei der BW-Bank im Portfolio. Beide zeigen sich pessimistisch gegenüber einer baldigen Konjunkturerholung. Früh hält das hohe Kursniveau am Markt für fundiert, zumal "das Thema Deflation salonfähig geworden ist".

Alle drei Fondsmanager erzielten in den vergangenen zwölf Monaten eine überdurchschnittliche Rendite mit ihren internationalen Rentenfonds, indem sie ihr Portfolio überwiegend von Dollar- und Yen-Währungsrisiken befreiten und damit stark vom steigenden Euro profitierten. Überdies haben alle drei ihre Rendite mit einer Beimischung von Firmenanleihen aufgebessert.

BW-Bank-Mann Früh, der die Manager des BW-Renta-International- Universal-Fonds berät und in den vergangenen zwölf Monaten gut 13 % Rendite erzielte (Tabelle), hat überwiegend lang laufende öffentliche Anleihen bester Bonität im Portfolio. D?Hooge erzielte mit dem Dexia Bonds International C gut 12 % Ertrag, indem er zu knapp zwei Dritteln Bonds mit "AAA"-Rating hält und mit gut 20 % den größten Anteil Firmenbonds. Steib hat im UBS (Lux) Strategic Fund Fixed Income Euro B Pfandbriefe und supranationale Bonds übergewichtet und belegt mit 7,4 % Rendite in zwölf Monaten Rang 21.

Alle drei Fonds zeichneten sich durch eine defensive Ausrichtung aus. In Phasen steigender Kurse entwickelten sich die Fonds daher relativ schwächer, sagt Lars Kolbe vom Researchhaus Feri Trust. Während Kolbe Früh und D?Hooge eine gute Note "B" für das Fondsmanagement erteilt, erhält Steib wegen der relativ schwächeren Wertentwicklung ein "durchschnittlich" (C).

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