Nobelmarken haben auch in schlechten Zeiten ihren Markt
Luxus-Aktien trotzen der Krise

Trotz Rezession und steigender Arbeitslosigkeit haben sich die Aktienkurse der Luxusgüterhersteller mittlerweile vom Terrorschock erholt. Chancen für höhere Kursgewinne sehen Analysten aber erst auf lange Sicht. Anleger sollten Luxus-Aktien daher mindestens fünf Jahre lang halten, raten Experten.

FRANKFURT. Sie riechen gut, sie schmecken gut und sie sehen auch noch gut aus - Luxusgüter haben einen besonderen Reiz. Allerdings haben sie auch einen besonderen Preis, der in Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs vielen Käufern zu hoch sein könnte. Die Kursentwicklung der meisten Hersteller von Accessoires für Besserverdiener spiegelt diese Befürchtungen jedoch nicht wider: Von den heftigen Kursverlusten im September haben sich die Aktien der Luxusgüterhersteller bereits wieder erholt.

"Der Sektor wächst, es gibt hohe Eintrittsbarrieren und die Gewinnmargen sind überdurchschnittlich gut", sagt Scilla Huang Sun, Fondsmanagerin bei der Clariden Bank. Sie empfiehlt den Investoren, Luxusgüter-Aktien mindestens fünf Jahre lang zu halten. 20 bis 30 Titel betreut Huang Sun in ihrem Fonds. Derzeit sei ein guter Zeitpunkt zum Einstieg: "Der Luxusgütermarkt ist zwar nicht immun gegen Rezessionen, in der Regel bleibt er aber stabiler als der Massenmarkt", sagt sie.

Ähnlich gelassen urteilt auch Analyst Christian Bohli vom Bankhaus Sarasin: "Je höher der Preis des Gutes, desto unabhängiger ist es vom Konjunkturzyklus". Einige Kunden seien eben so reich, dass ihnen eine Rezession nichts ausmache. Die Boomphase sei aber vorüber. Vielen Neureichen gehe nun das Geld aus, sie hätten ihre Kauflust verloren. Daher bewertet Sarasin die Aktie von Compagnie Financière Richemont mit "Halten" ("Hold"). Zu der Schweizer Gruppe gehören edle Namen wie Cartier, Dunhill, Montblanc, Van Cleef & Arpels sowie die Uhrenmarken IWC, Jaeger-Lecoultre und A. Lange & Söhne, die Vodafone im Juli 2000 für etwa 2 Mrd. Euro aus dem Mannesmann-Nachlass verkauft hat.

Hohe Akquisitionskosten sowie der Aufbau des Vertriebsnetzes belasten derzeit die Richemont-Gruppe. Die Distributionskanäle der einzelnen Nobelmarken müssten jedoch getrennt bleiben, um eine Kannibalisierung zu vermeiden. "Synergien können in dieser Branche allenfalls aus dem Know-How im Vertrieb gewonnen werden", sagt Analyst Bohli. Doch langfristig ist er für Richemont optimistisch, denn die Auftragsbücher sind gut gefüllt.

Einen weltweiten Absatzrückgang spürt indes LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton. Der Hersteller von Uhren, Parfums, Champagner und Mode generiert einen Teil seines Geschäfts mit Reisenden, die sich im Ausland etwas gönnen. "Doch gerade die bleiben nach den Anschlägen in den USA aus", sagt Franz Zendath, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank. Außerdem seien viele Kunden derzeit nicht in der richtigen Stimmung für teure Luxusgüter.

Hypo-Vereinsbank bewertet LVMH mit "Underperform"

"Seit die Konjunkturschwäche der USA nun auch Europa und Asien erfasst hat, springen der Branche die Grenzkonsumenten ab", sagt Zendath. Als Grenzkundschaft bezeichnet er eine Mittelschicht, die sich in wirtschaftlich guten Zeiten etwas Exklusives leistet. Wenn das Geld jedoch knapp wird, sieht sie vom Kauf ab. Die Hypo-Vereinsbank bewertet LVMH bereits seit einem Jahr mit "Underperform" ("Unterdurchschnittlich").

Fondsmanagerin Huang Sun zählt die französische Hermès-Gruppe zu ihren Favoriten: "Es ist zwar nur ein mittelgroßes Unternehmen, aber sehr gesund". Die Managerin schätzt insbesondere die langfristige Strategie sowie die verschiedenen Produktgruppen von Hermès. Zu den zehn Werten, in die Huang Sun am stärksten investiert, zählt auch Porsche. Zwar sei der Sportwagenhersteller extrem von seinen US-Exporten abhängig, es habe sich jedoch gezeigt, dass in Amerika insbesondere der Absatz der teuersten Fahrzeugen konstant bleibe.

Ebenfalls gut gewappnet ist der Modehersteller Hugo Boss. Diese Auffassung vertritt zumindest Michael Winkler von WestLB Panmure: "Unternehmen mit einer starken Marke haben die Tendenz, eine Rezession gut zu überstehen", sagt er. Der Einzelhandel werde sich weiterhin auf Marken wie Boss konzentrieren, denn die versprechen hohe Umsätze und stabile Verkaufspreise. "Bislang stagniert der Unternehmensumsatz auf hohem Niveau", sagt Winkler. Sollte Boss im Frühjahr die Anleger mit hohen Bestellungen für die Herbst- und Winterkollektion überraschen, könnte das den Aktienkurs wieder antreiben.

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