Nobody stellt Stars im Derby in den Schatten
Altintop war Schalkes tragischer Held

Erst schwebte er auf Wolke sieben, dann sank er bestürzt zu Boden. Wie nahe Freud' und Leid im Leben eines Fußball-Profis gelegentlich zusammenliegen, bekam Hamit Altintop gleich in seinem ersten Bundesligaspiel zu spüren.

HB/dpa GELSENKIRCHEN. Mit zwei Toren (39./58) für seinen neuen Club FC Schalke 04 brachte der ehemalige Regionalliga-Spieler das Starensemble von Borussia Dortmund fast im Alleingang ins Wanken, leitete aber in der Nachspielzeit unglücklich den 2:2-Ausgleichtreffer für den Revierrivalen ein. Kopfschüttelnd kommentierte Angreifer Ebbe Sand das verrückte Debüt seines Mitstreiters: "Hamit hätte es verdient, als Matchwinner vom Platz zu gehen. Wir werden noch viel Freude an ihm haben."

Nicht die zahlreichen Fußball-Millionäre auf dem Platz bestimmten das Geschehen, sondern ein nur 20 Jahre alter Nobody vom Nachbarclub Wattenscheid. Im Stile eines Routiniers riss der in Gelsenkirchen geborene Türke das Geschehen an sich, führte glänzend Regie und erinnerte seinen Trainer Jupp Heynckes mit kraftvollen Antritten und Torschüssen gar an die frühen Auftritte von Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus. Bei so viel Applaus und Medienresonanz kam sich Altintop vor wie im Märchen: "Wahnsinn. In den vergangenen Jahren habe ich mir solche Spiele immer im Fernsehen angeschaut, heute durfte ich gegen Stars wie Rosicky und Amoroso spielen."

Selbst Michael Meier kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. "Wir kannten ihn gut, wussten aber nicht, dass er so torgefährlich ist", lobte der BVB-Manager. Den unmittelbar nach dem Schlusspfiff einsetzenden Trubel um seinen neuen Star hätte Trainer Heynckes gern unterbunden: "Sein Talent haben wir schon im ersten Training erkannt. Aber ich möchte darum bitten, das Ganze nicht zu hoch zu hängen. Es kommen noch 33 Spiele, in den er sich beweisen muss."

Wäre da nur die letzte Spielminute nicht gewesen - der hoch Gelobte hätte Aufnahme in jene Schalker Ahnengalerie gefunden, die allen Matchwinnern aus Spielen gegen die ungeliebten Nachbarn gewiss ist. Doch sein unfreiwilliges Zuspiel nutzte der wiedererstarke BVB - Torjäger Marcio Amoroso in der Nachspielzeit eiskalt zum Ausgleich und wendete damit vor 61 014 Zuschauen in der ausverkauften Arena "AufSchalke" den befürchteten Fehlstart seines Teams ab.

In Anbetracht der Dortmunder Personalmisere wertete Manndecker Christian Wörns das nunmehr 12. sieglose Pflichtspiel der Borussia gegen Schalke seit 1998 als einen Erfolg: "Wir müssen sehen, dass wir in den ersten Wochen einigermaßen über die Runden kommen und dann vorne angreifen." Doch dabei ist der BVB weiter dezimiert: Bei Guy Demel wurde am Sonntag ein Innenmeniskus-Einriss im rechten Knie diagnostiziert. Der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler wird schon an diesem Montag operiert und fällt mindestens vier Wochen aus.

Es passte in das Bild eines ungewöhnlichen Fußball-Nachmittags, der nicht nur wegen der Torfolge und der Roten Karte für Gerald Asamoah (90./+2) an das letzte Duell beider Mannschaften erinnerte, dass neben Altintop noch ein anderer Spieler für Gesprächsstoff sorgte. Ganze vier Minuten nach seiner Einwechslung in der 61. Minute führte sich auch der Dortmunder Neuzugang Flavio Conceicao glänzend in die Bundesliga ein. Der erst vor wenigen Tagen von Real Madrid ausgeliehene Brasilianer brachte die bereits am Boden liegende Borussia mit einem Freistoßtor (65.) zurück ins Spiel. Und er war angesichts der Tollhaus-Stimmung in der Arena gleich Feuer und Flamme für die Bundesliga: "Das war eine Atmosphäre fast wie bei den Spielen zwischen Real und Barcelona."

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