Noch 52 Tage bis zur Wahl
Wahlkampf im Internet schon eröffnet

Mit zahlreichen Online-Aktionen versuchen die einzelnen Parteien seit Monaten, die Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Noch ist offiziell Sommerpause. Im Internet allerdings ist die heiße Wahlkampfphase schon längst eröffnet.

ap BERLIN. Noch ist offiziell Sommerpause. Im Internet allerdings ist die heiße Wahlkampfphase schon längst eröffnet. Mit zahlreichen Online-Aktionen versuchen die einzelnen Parteien seit Monaten, die Wähler auf ihre Seite zu ziehen. So bieten SPD und CDU Interessierten über das Internet die Chance beim Wahlkampf mitzumachen, die FDP begleitet das Guidomobil jeden Tag im Netz, der Grüne-Spitzenkandidat Joschka Fischer kämpft jetzt auch Online, und bei der PDS kann man den neuesten Wahlkampfsong auf den eigenen PC laden.

Der Grund für so viel Aktivität liegt auf der Hand: Rund 40 Millionen Menschen in Deutschland haben mittlerweile Zugang zum Internet. Für die Strategen in den Parteizentralen ist das World Wide Web deshalb zu einem wichtigen Massenmedium geworden, über das sich viele Wähler schnell und ungefiltert erreichen lassen. Deshalb haben alle Parteien ihr Internetangebot für die Zeit des Wahlkampfes stark ausgeweitet. Neben den herkömmlichen Auftritten wurden zahlreiche neue Web-Sites gestartet, mit denen die verschiedenen Zielgruppen bedient werden sollen. So können sich die User wahlweise auf den Homepages der einzelnen Spitzenkandidaten Fotos aus deren Jugend ansehen, alles über die Wahlkampfstrategien der Parteien erfahren oder sich ansehen, welche Themen in den nächsten vier Jahren angepackt werden sollen.

«Die Internetauftritte der Parteien sind seit der letzten Bundestagswahl sehr viel professioneller geworden», sagt Christoph Bieber, Politikwissenschaftler am Institut für Medien und Interaktivität der Universität Gießen. So hätten alle Bundestagsparteien seit 1998 mehr Arbeit und Geld in ihre Internet-Aktivitäten investiert. «Mittlerweile haben sie sogar spezielle Kampagnenformen entwickelt, die nur im Netz stattfinden.»

Parteien setzen neue Kampagnen-Instrumente ein

Besonders die beiden großen Bundestagsparteien wollen auf diesem Gebiet ganz vorne sein. So probt die CDU auf der Seite «wahlfakten.de» nach US-Vorbild die «Rapid Response», zu deutsch die «schnelle Antwort». Tritt Gerhard Schröder irgendwo vor ein Mikrofon, werden die Aussagen hier unmittelbar mit CDU-Positionen beantwortet. Die SPD setzt dagegen unter anderem auf «negative campaining»: Unter der Domain «nicht-regierungsfaehig.de» versuchen die Sozialdemokraten den politischen Gegner humorvoll aufs Korn zu nehmen.

Erstmals haben Union und SPD in diesem Jahr auch Wahlkampfhelfer über das Internet rekrutiert. «Das hat es in Deutschland bisher nicht gegeben», sagt Bieber. Was bei der SPD unter dem Titel «Campaining Team» läuft, heißt bei der CDU «E-Volunteers». Die Idee dahinter ist dieselbe: Politisch Interessierte User, die mit der jeweiligen Partei sympathisieren, sollen für die Wahlkampfarbeit mobilisiert werden. Das Ergebnis der Aktion: Ein paar hundert Unterstützer meldeten sich tatsächlich per e-mail an.

Im Vergleich zu den Online-Auftritten von Union und SPD sind die Internet-Aktivitäten der kleinen Parteien nicht ganz so aufwändig. Trotz traditionell kleinerer Parteikassen haben aber auch FDP, Grüne und die PDS versucht, ihre Internet-Auftritte möglichst interaktiv und spannend zu gestalten: So bieten die Liberalen die Möglichkeit zur Online-Spende, bei Bündnis 90/Die Grünen können die User Video-Statements der Spitzenkandidaten ansehen und bei der PDS kann man sich mit Online-Spielen die Zeit vertreiben.

Internet-Wahlkampf könnte noch mobiler werden

Trotz dieser vielfältigen Netz-Aktivitäten bietet das Internet den Parteien für zukünftige Wahlkämpfe noch Potenzial. Nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Bieber wird die Internet-Kommunikation in Zukunft vor allem mobiler werden. Was genau die Wähler bei der Bundestagswahl im Jahr 2006 erwartet, hänge aber von der Entwicklung des Mediums Internet ab.

Linkliste

http://www.cdu.de
http://www.wahlfakten.de
http://www.spd.de
http://www.nicht-regierungsfaehig.de
http://www.gruene-partei.de
http://www.gruen-wirkt.de
http://www.fdp.de
http.//www.guidomobil.de
http://www.pds-online.de
http://www.pds2002.de

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