Noch 98 Tage bis zum Euro
Karstadt: Vorbereitung in der heissen Phase

Insgesamt 127 000 Rollen Münzen im Gesamtgewicht von 25 704 Kilogramm allein fürs Kaufhaus des Westens in Berlin. Dazu noch einmal 330 Pakete Banknoten im Wert von rund 2,5 Mill. Euro. Deutlich weniger für die kleineren Karstadt-Warenhäuser.

ap DÜSSELDORF. Detailliert hält eine Liste bei Deutschlands größter Warenhauskonzern Karstadt fest, mit welcher Euro-Summe jede der 189  Filialen am 1. Januar in die Euro-Zeit starten wird. Insgesamt drei Jahre Arbeit einer 20-köpfigen Projektgruppe und 20 Mill. DM hat die Karstadt Warenhaus AG in Essen in die Vorbereitungen der Währungsumstellung investiert. Knapp 100 Tage vor der Euro-Umstellung ist Michael Scheibe, Mitglied der Projektgruppe, zuversichtlich, dass alles glatt geht: "Wir liegen voll im Zeitplan." Die Datenverarbeitung ist auf den Euro vorbereitet. In jedem einzelnen Warenhaus wurde geprüft, ob und wo das neue Geld gelagert werden kann. "Manchmal ist bei dem Gewicht der Münzen nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Statik ein Problem", berichtet Scheibe. Auf den großen Werbeplakaten in den Kaufhäuser dominiert noch die Mark. Doch auf den Preisetiketten hat sich der Euro schon in den Vordergrund geschoben.

Mit dem Einzug der Herbstmode ist der Europreis größer gedruckt als der Preis in Mark. Und immer häufiger stoßen die Kunden auf "krumme" Mark-Preise, die wie durch ein Wunder bei der Umrechnung in Euro zu klassischen Schwellenpreisen wie 6,99 Euro mutieren. Haben die Kaufhäuser die schleichende Umstellung auf den Euro für versteckte Preiserhöhungen genutzt? Scheibe bestreitet das vehement. Natürlich gebe es Preiserhöhungen, doch die seien auf die höheren Energiepreise und den hohen Dollarkurs zurückzuführen. Dafür habe es bei anderen Produkten Preissenkungen gegeben. "Der Kunde ist nicht blöd. Keiner kann sich im Handel leisten, die Preise einfach nach Gutdünken anzuheben. Dann gäbe es eine Abstimmung mit den Füßen", winkt der Karstadt-Mann ab.

Schulung für Mitarbeiter

Inzwischen ist auch die Schulung der Kassiererinnen angelaufen. "Die Mitarbeiter müssen lernen wie sich das neu Geld anfühlt", erklärt der Experte. Denn die Echtheit der Scheine werde von erfahrenen Kassiererinnen eben nicht nur mit den Augen geprüft, sondern auch mit den Fingern. Die Währungsumstellung ist für den Warenhausriesen ein Ernstfall, der alle Kräfte fordert wie sonst nur das Weihnachtsgeschäft. An jeder Kasse sollen in den ersten Wochen zwei Mitarbeiter stehen. Einer zum Kassieren und einer, um bei Bedarf Erklärungen zu geben, wenn Kunden durch das ungewohnte Euro-Wechselgeld verwirrt sind. "Es wird wohl trotzdem auf jeden Fall längere Schlangen geben", befürchtet Scheibe. Doch ist er zuversichtlich, dass die Umgewöhnung eine Frage von Wochen ist. "Ich gehe davon aus, dass die Akzeptanz schnell steigt, wenn der Euro erst mal da ist", meint der Karstadt-Mann. Das ist wohl auch dringend nötig. Denn ab März ist die Deutsche Mark auch in den Warenhäusern endgültig Geschichte. Mit der Frühjahrskollektion steht auf den Etiketten nur noch der Preis in Euro. Höchstens ein paar Ladenhüter werden dann noch doppelt ausgezeichnet sein.

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