Noch etwa 3 400 Stellen weltweit sind gefährdet
Babcock-Auffanggesellschaft steht

Der nötige Finanzierungsrahmen der neuen Babcock Borsig PowerSystems GmbH von 360 Mill. Euro wurde nach Angaben von Babcock-Vorstandschef Horst Piepenburg von den Banken grundsätzlich bewilligt

Reuters OBERHAUSEN. Diese Summe werde zu 90 % durch eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen abgesichert, sagte Piepenburg in Oberhausen.

Nach der Gründung der Auffanggesellschaft für 2 600 Beschäftigte sind nach Angaben Piepenburgs noch etwa 3 400 Arbeitsplätze der ursprünglich 21 000 Stellen weltweit gefährdet. Die Babcock Borsig PowerSystems solle sich auf das Servicegeschäft rund um den Kraftwerksbau konzentrieren. Bis zum Jahr 2006/07 strebe die neue Gesellschaft einen Auftragseingang von 660 Mill. Euro und einen Umsatz in ähnlicher Größenordnung an, sagte Piepenburg.

Durch die Gründung der Auffanggesellschaft hat sich nach Angaben des zum Sachwalter bestellten Rechstanwalts Helmut Schmitz die zu erwartende Gläubigerquote deutlich erhöht. Allein für die Muttergesellschaft Babcock Borsig könnten die Gläubiger statt der zunächst erwarteten knapp zehn Prozent nun mit bis zu 25 % rechnen, sagte Schmitz.

Babcock Borsig hatte Anfang Juli Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, nachdem zuvor Verhandlungen über eine Sanierung des Traditionskonzerns am Widerstand der Banken gescheitert waren. Auch die Gespräche über die Finanzierung der Auffanggesellschaft waren nach Angaben aus Bankenkreisen zeitweise ins Stocken geraten. Piepenburg zeigte sich aber zuversichtlich, das Einverständnis aller Beteiligten hierfür zu erhalten: "Im Grundsatz ist das von den Banken abgesegnet."

Die Genehmigung der Landesbürgschaft ist nach Angaben des Chefs der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei, Georg Wilhelm Adamowitsch, bereits in Brüssel beantragt worden. Das Konzept der neuen Gesellschaft bezeichnete er als tragfähig. "Wir sind deshalb sicher, dass Bankbürgschaften nicht gebraucht werden", fügte Adamowitsch hinzu.

Verkäufe sollen weitere Stellen sichern

Zusätzlich zu den inzwischen als gesichert geltenden 16 800 Arbeitsplätzen im Babcock-Konzern verspricht sich Piepenburg über die Auffanggesellschaft hinaus durch den Verkauf von Gesellschaften die Rettung weiterer Arbeitsplätze. Auf der Verkaufsliste stünden aktuell unter anderen die US-Gesellschaft Babcock Borsig Capital Corp (BBCC) und der Aachener Maschinenbauer Schumag AG. Für beide Gesellschaften gibt es früheren Angaben zufolge eine Reihe von Interessenten.

Bis Ende dieses Jahres wird Babcock nach den Worten von Piepenburg aller Voraussicht nach schon gut 820 Mitarbeiter entlassen. Ein kleiner Teil von ihnen könnte zunächst in einer Beschäftigungsgesellschaft unterkommen.

Babcock wird Mittelständler

Die aus dem Oberhausener Maschinen- und Anlagenbauer hervor gehende Babcock Borsig PowerSystems wird sich am Markt nach Ansicht von Vorstand Ludger Kramer als "größerer Mittelständler" behaupten. Der Service werde etwa 60 % des erwarteten Geschäftsvolumens ausmachen. Der Rest entfalle auf Ingenieur-Dienstleistungen für den Bau von Gas- und Dampfkraftwerken und auf die Lieferung von Komponenten für die Müllverbrennung wie beispielsweise Kessel.

Babcock war im August aus dem Börsenindex MDax ausgeschieden. Die Babcock-Aktie zog bis zum Dienstagabend um fünf Prozent auf 0,42 Euro an. Zu Jahresbeginn war sie noch über 12 Euro wert gewesen. Zu dem rasanten Kursverfall hatten der überraschende Rückzug aus dem Werftengeschäft HDW, der Streit um den inzwischen ausgeschiedenen Vorstandschef Klaus Lederer und schließlich die Zahlungunfähigkeit geführt.

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