Noch im Oktober betonte Haffa, eine Korrektur der Pläne sei nicht nötig
EM.TV rutscht immer tiefer in die Krise

Der Medienkonzern EM.TV, eines der Schwergewichte am Neuen Markt, hat am Wochenende eine Gewinnwarnung abgegeben. Danach dürfte der Konzern im Gesamtjahr unter Einbeziehung der jüngsten Akquisitionen deutlich in die roten Zahlen rutschen. EM.TV steckt damit tiefer in der Krise als noch in der vergangenen Woche angenommen.

MÜNCHEN. Die Übernahme-Verhandlungen der Kirch-Gruppe mit EM.TV-Chef und-Großaktionär Thomas Haffa liefen unterdessen weiter, hieß es von mehreren Seiten. Mit einem Abschluss wird im Laufe dieser Woche gerechnet. Angepeilt wird offenbar eine Mehrheitsübernahme durch Kirch. Haffa, der jetzt mit dem Rücken zur Wand stehen dürfte, will am Montag in München vor die Presse treten. Dabei sollen auch die Neun-Monats-Zahlen veröffentlicht werden.

Tief in den roten Zahlen

EM.TV liegt mit der verkündeten Revision der Planung für 2000 noch unter den schlimmsten Erwartungen der Analysten. Das Medienunternehmen rechnet jetzt mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 50 Mill. DM, noch im Oktober waren 600 Mill. DM prognostiziert. Dabei seien aber noch keine Abschreibungen auf die jüngsten milliardenschweren Akquisitionen der Formel 1 (50 %), der Jim-Henson-Gruppe (100 %) und der Tele-München-Gruppe (45 %) berücksichtigt, hieß es. Auch das angesichts der hohen Investitionen deutlich negative Finanzergebnis ist im Ebit nicht enthalten. Deshalb dürfte EM.TV im Jahr 2000 insgesamt tief in die Verlustzone geraten.

Geringe Gewinnmargen und verfehlte Umsatzziele

Der Konzernumsatz soll 2000 bei 1,38 Mrd. DM liegen, teilte EM.TV weiter mit. Gegenüber der letzten Planung von 1,6 Mrd. DM ist das eine Abweichung um fast 14 %. Begründet wird die drastische Revision der Pläne mit geringeren Gewinnmargen sowie dem Verfehlen der Umsatzziele im EM.TV-Kerngeschäft (Kinder- und Familienprogramme, Merchandising). Die Probleme im EM.TV-Kernbereich dürften für Experten besonders überraschend sein. "Die Liquidität des Konzern ist trotz der negativen Ergebniserwartung sichergestellt", betonte EM.TV in der Mitteilung.

In der vergangenen Woche kursierten wiederholt Gerüchte, das Unternehmen stecke in Liquiditätsschwierigkeiten. Am Freitag hatten bereits Spekulationen um eine Gewinnwarnung an der Börse die Runde gemacht. Die EM.TV-Aktie rutschte daraufhin bei extrem hohen Umsätzen um 15 % auf ein neues Jahrestief von gut 15 Euro ab. Seit dem Hoch von knapp 120 Euro hat das Papier damit über 85 % verloren. Noch im Oktober hatte der damalige EM.TV-Finanzvorstand Florian Haffa betont, eine Revision der Pläne sei nicht nötig.

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