Noch immer ist Luft in der Technologie-Blase
Skeptiker sehen Nasdaq bei 1000 Punkten

Die US-Aktienmärkte haben das nüchterne Beige Book der Federal Reserve wenig begeistert aufgenommen. Vor allem die Nasdaq reagierte mit deutlichen Kursverlusten und fiel dabei angesichts der Enttäuschung, dass die Notenbank wenig Positives zu berichten wusste, unter die Marke von 2.000 Punkten.

Einige Beobachter schätzen in diesem Zusammenhang die US-Technologiebörse ebenso wie die breiteren Marktsegmente nach wie vor als hoch bewertet ein, sie verweisen darauf, dass der Crash in Raten sich auch in den kommenden Monaten oder - wie die ganz großen Pessimisten - sogar in den kommenden Jahren fortsetzen wird.

Schwarzseherei scheint gerechtfertigt

Blickt man zunächst auf historische Entwicklungen, dann ist diese Schwarzseherei tatsächlich gerechtfertigt. In den USA sind in der Vergangenheit allen geplatzten Finanzmarktblasen lange Bärenmärkte gefolgt. Dies war so nach dem großen Börsenkrach 1929, als die US-Märkte durch eine 17-jährige Bärenphase gingen, und auch nach 1965 kamen US-Aktien 18 Jahre lang nicht auf die Beine. Jedem dieser Bärenmärkte (und auch in den vorangegangen Jahrhunderten, man denke nur an den "South Sea Bubble") waren Exzesse vorausgegangen, die sich nicht wesentlich von der Technologie-Blase in den neunziger Jahren unterschieden. Robert Shiller ("Irrational Exuberance") oder Charles Kindleberger ("Manias, Panics and Crashes") haben dies eindrucksvoll beschrieben.

Wachstumsphantasien nicht gerechtfertigt

Auch wenn das US-Produktivitätswunder der neunziger Jahre den neuen Berechnungen der US-Statistiker zufolge nicht geplatzt ist, stellt sich nach wie vor die Frage, ob sich die derzeit in den Kursen widerspiegelnden Wachstumsphantasien gerechtfertigt sind. Denn die Wachstumsphantasien, die heute immer noch reichlich vorliegen, werden sich künftig aller Voraussicht nach nicht in den Gewinnen der Unternehmen - und hieran hängen schließlich die Aktienkurse - abbilden. Zum einen kann von einer Verschärfung des globalen Wettbewerbs ausgegangen werden, wodurch Preise und somit Gewinnmargen unter Druck geraten.

Zudem droht die Sättigung nach Gütern und Dienstleitungen der New Economy; keine Privatperson, kein Unternehmen wird sich jedes Jahr ein neues Handy, einen besseren PC oder einen schnelleren Server kaufen. Darüber hinaus muss jedoch auch bezweifelt werden, ob der technologische Fortschritt in der "New Economy" - so wie wir sie heute kennen - weiter sein Tempo fortsetzen wird. Denn es ist sehr gut möglich, dass wir an Grenzen geraten, von denen aus weitere Produktivitätsfortschritte gering sein werden.

Korrekturbedarf droht weiterhin

Vor diesem Hintergrund ist es durchaus gerechtfertigt, wenn einige Marktskeptiker den "fairen Wert" beispielsweise der Nasdaq eher bei 1.000 als bei 2.000 Punkten sehen und von einer anhaltenden Kursblase sprechen. Also droht weiterer Korrekturbedarf, der sowohl das Konsumklima als auch die Investitionbedingungen verschlechtern könnte. Allerdings muss eine solche Entwicklung nicht zwangsläufig beinhalten, dass die US-Wirtschaft in die Rezession stürzt, denn konjunkturelle Lichtblicke gibt es durchaus. Vielmehr erscheint es realistisch, dass sich die hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre wieder ihrem längerfristigen Trend nähern, so wie es auch nach vergangenen Euphorie-Phasen immer wieder der Fall war.

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