Noch ist alles offen: Liberty berät noch über Telekom-Netz

Noch ist alles offen
Liberty berät noch über Telekom-Netz

Im Verfahren zur geplanten Übernahme von Telekom-Kabelnetzen durch Liberty Media steht nach Angaben des US-Konzerns eine Entscheidung über mögliche Zugeständnisse an das Kartellamt noch aus.

Reuters HAMBURG/BONN. Es gebe noch keine Entscheidung darüber, ob Liberty den Wettbewerbshütern nach deren Abmahnung entgegen kommen werde, sagte ein Sprecher der Liberty-Vertretung in Deutschland am Freitag. "Noch ist alles offen." Beim Bundeskartellamt hieß es, bislang seien von Liberty keine neuen Vorschläge eingegangen. Ein Behördensprecher verneinte am Freitag in Bonn die Frage, ob Liberty Media neue Unterlagen eingereicht habe.

Die "Financial Times Deutschland" hatte zuvor unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, Liberty wolle keine Zugeständnisse ans Bundeskartellamt machen. "Im Augenblick sind keine Konzessionen geplant", zitierte die Zeitung einen mit der Strategie vertrauten Liberty-Mitarbeiter.

Markt beherrschende Stellung der Telekom könnte sich verstärken

Liberty will für 5,5 Mrd. Euro rund 60 % des regionalen Fernsehkabelnetzes der Telekom übernehmen und die Kabel für die Durchleitung einer Vielzahl digitaler Kanäle ausbauen. Die Wettbewerbshüter fürchten aber, das die Übernahme die Markt beherrschende Stellung des bereits in Deutschland engagierten Kabelnetzbetreibers verstärken könnte.

Um die beantragte Erlaubnis doch noch zu erhalten, muss Liberty Media nach Behördenangaben weitere Investitionszusagen machen, die unter anderem eine verstärkte Nutzung der Kabelnetze für Telefon und Internet ermöglichen sollen. Dies lehnt Liberty Media bisher ab. Das Kartellamt hat Liberty eine Äußerungsfrist bis zum 15. Februar gesetzt, die das Unternehmen eigenen Angaben zufolge voraussichtlich voll ausschöpfen wird.

Keine weiteren Details bekannt

Die Deutsche Telekom hat eigenen Angaben zufolge keine Informationen darüber, ob und wie Liberty sich gegenüber dem Kartellamt äußern wird. "Darüber haben wir keine Kenntnis", sagte ein Sprecher. Aus Kreisen des Unternehmens verlautete, Liberty habe vor wenigen Tagen noch einmal Gespräche mit der Telekom über den vereinbarten Kauf der sechs Kabelnetze geführt. Weitere Details wurden jedoch nicht genannt. Der Bonner Konzern hatte Liberty Unterstützung bei dem Genehmigungsverfahren zugesagt. Dazu gehört nach Angaben von mit dem Vorgang vertrauten Kreisen unter anderem, dass Telekom-Techniker beim Kartellamt die technische Machbarkeit der Investitionspläne von Liberty Media für die Kabelnetze argumentativ unterstützen.

Der für das Kabelnetz zuständige Telekom-Vorstand Gerd Tenzer hatte sich am Donnerstag noch einmal zuversichtlich geäußert, dass das Kartellamt die Kaufgenehmigung erteilt. "Ich gehe davon aus, dass Liberty die Freigabe vom Kartellamt erhalten wird", sagte Tenzer. Als Grund für seine Zuversicht führte der Telekom-Vorstand an, dass der von Liberty Media unter anderem geplante Ausbau der Kabelnetze für Internet und Sprachtelefonie den von der Regierung angestrebten Wettbewerb im Ortsnetz fördern werde. Tenzer bekräftigte, die Telekom sehe das TV-Kabel nicht als Kerngeschäft und werde sich zurückziehen.

Telekom will mit Erlös Schulden tilgen

Den Verkaufserlös für die Kabelnetze von 5,5 Mrd. Euro hat die Telekom zur Schuldentilgung eingeplant. Bei einem endgültigen Veto des Kartellamts gegen den Verkauf der Kabelnetze wäre der geplante Schuldenabbau auf rund 50 Mrd. Euro bis Jahresende von derzeit 60 Mrd. Euro nach Analysteneinschätzungen nicht einzuhalten. Unter dem Eindruck der ablehnenden Haltung des Kartellamts war aus dem Hause der Telekom jedoch zuletzt zu hören gewesen, Verzögerungen beim Schuldenabbau seien kein Beinbruch und führten nicht notwendigerweise zu einer Verschlechterung der Bonitätsbewertung des Unternehmens.

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