Noch ist viel Unsicherheit im Markt
Dax-Ausblick: 6 000 Punkte zum Osterfest sind möglich

Im Basketball heißt es "Rebound", wenn sich das Team nach einem Fehlwurf den Ball sofort zurückholt und erneut im Angriff steht. So beschrieben Kapitalmarktexperten auch die Entwicklung in der vergangenen Woche an der Börse. Nach eklatanten Kursverlusten folgte ein Kursfeuerwerk.

DÜSSELDORF. Der zweitgrößte Punktegewinn in der Geschichte des US-amerikanischen Standardwerte-Index Dow Jones am Donnerstag (plus 402 Punkte) zeigt jedoch auch: Momentan weiß niemand so recht, wie es an den Weltbörsen kurzfristig weiter geht. Ob die jüngsten Erholungstendenzen eine Trendwende darstellen oder nur eine "Zwischenrally im Bärenmarkt" sind, darüber sind sich auch Analysten nicht einig. Nur eines scheint klar: Es herrscht weiter große Unsicherheit. Für Kleinanleger bedeutet das nach Auffassung zahlreicher Experten noch immer: Abwarten, abwarten und nochmals - abwarten.

In der vorösterlichen Börsenwoche stehen kaum wichtige Unternehmensnachrichten auf dem Programm, von denen Impulse für die Märkte ausgehen könnten: Am Dienstag veröffentlicht die Depfa-Gruppe ihr vorläufiges Ergebnis für das Jahr 2000, der Logistiksoftware-Anbieter Heyde hält seine Bilanzpressekonferenz ab und die Hornbach-Holding gibt ihr vorläufiges Ergebnis bekannt. Mittwoch findet die Hauptversammlung von Dax-Schwergewicht Daimler-Chrysler statt (Mehr zum Thema: Mercedes-Benz fährt dank C-Klasse Absatzrekord ein), und der Medienkonzern Kinowelt (Nemax 50) lädt zur Bilanzpresse- und Analystenkonferenz. Am Gründonnerstag gibt es schließlich Zahlen von Novartis und eine Analystenkonferenz beim Software-Entwickler Brain International.

Einzelne positive Nachrichten können dem Markt helfen

Dass bereits vereinzelt positive Meldungen dem Markt wieder auf die Beine helfen können, glaubt Richard Zellmann, Marktstratege von der Hessischen Landesbank. Beispielhaft habe man das beim Computervertreiber Dell gesehen, der mit seiner Bestätigung der Quartalsprognosen den US-Aktien Auftrieb verleihen konnte. Zellmann erwartet, dass solch vereinzelte positive "News" erste Bausteine für eine Bodenbildung sein können - besonders bei der Berichterstattung von US-Unternehmen.

Für den deutschen Aktienmarkt sei in der kommenden Woche entscheidend, ob der Dax 5 900 Punkte nachhaltig nach oben überwinden kann. Sollte dies geschehen, könne der Index vor Ostern bei über 6 000 Punkten landen. Zumindest kurzfristig könnte seiner Auffassung nach eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank dazu beitragen. Am Mittwoch treffen sich die Zentralbanker, um über eine mögliche Senkung des Refinanzierungssatzes zu diskutieren. "Zu etwa 70 % wird es eine Leitzinssenkung um ein Viertelprozent geben. Es ist aber auch möglich, dass die EZB die Zinsen für Euroland zunächst noch unverändert lässt", sagt der Experte. Eine Zinssenkung von 50 Basispunkten, die die Börsen stärker stimulieren könnte, hält er für eher unwahrscheinlich.

Weil es für Zellmann erste Anhaltspunkte für eine bald einsetzende Bodenbildung gibt, empfiehlt er seinen Kunden und Kleinanlegern auch, jetzt in ausgesuchte Einzelwerte einzusteigen. "Das Argument ist zwar nicht neu, aber ich halte den deutschen Aktienmarkt für unterbewertet", sagt er. Eine Analyse seines Hauses habe gezeigt: Ein Dax-Niveau von 5 500 Punkten wäre vergleichbar mit einer Erwartungshaltung, dass die Unternehmensgewinne in den Jahren 2000 und 2001 stagnieren. "So pessimistisch bin ich nicht, ein Negativszenario von diesem Ausmaß ist nicht gerechtfertigt", sagt Zellmann.

Für interessant auf Anlagesicht von drei bis sechs Monaten hält er beispielsweise die VW-Aktie. Volkswagen habe eine attraktive Produktpalette, könne möglicherweise Einsparungen von 1 Mrd. Euro erzielen, und die Aktie sei zudem günstig bewertet. Außerdem kämen für den privaten Investor RWE und Fortis in Frage. RWE könne vom Einstieg bei Thames Water (Wassergeschäft) profitieren, was zu einer Neubewertung des Energiekonzerns führen würde. Außerdem seien Kostenersparungen im Bereich Energie durch die Übernahme der VEW AG zu erwarten. Für den Finanzdienstleister Fortis spreche schließlich, dass das doppelte Listing in den Niederlanden und in Belgien aufgehoben werde und der Anteil im Euro-Stoxx-50 infolge dessen erhöht werde. Die Aktie solle davon profitieren und sei auch für risikoscheue Anleger empfehlenswert.

"Dax-Stände zwischen 5 400 und 6 400 Punkten"

"Der Aktienmarkt ist von hoher Nervosität geprägt", sagt Michael Riesner, technischer Analyst der DG Bank . Er ist vergleichsweise pessimistischer gestimmt. Die hohe Schwankungsbreite der wichtigsten Indizes sei sehr problematisch, so dass sich Kleinanleger momentan zurückhalten sollten. "Abwarten", rät Riesner, bis sich die Märkte beruhigt haben. Für die kommende Woche prognostiziert der Kapitalmarkexperte zwei Szenarien: Sollte der Dax einen technischen Widerstand von 5 900 bzw. 5 950 Punkten überwinden können, seien Punktestände bis maximal 6 400 Punkten möglich. Wenn das Börsenbarometer dies jedoch nicht schafft, sei es wahrscheinlich, dass Punktestände der vergangenen Woche bis 5400 Punkten erneut "getestet würden."

Riesner erwartet noch im Laufe des Monats, dass der Dax unter 5 000 Zähler fällt: "Die 5 000-Punkte-Marke werden wir noch sehen", sagt er. Index-Schwergewichte, besonders Chemie-Aktien wie Bayer und BASF oder auch die Deutsche-Bank-Aktie, hätten die Korrekturbewegung bislang nicht in ihren Kursen wiedergespiegelt. So lautet sein Ausblick: "Wenn wir kurzfristige Kurssteigerungen sehen, sind das lediglich Zwischenrallys in einem Bärenmarkt." Eine Stabilisierung der schwachen Marktsituation prognostiziert Riesner frühestens für das Monatsende: "Im Sommer kann ich mir eine relativ starke Erholung vorstellen."

Kurspotenzial von 20 % bei K+S

In den strategischen Anlageempfehlungen der DG Bank hat es eine Veränderung gegeben. Aus der Top-Empfehlungsliste für die 15 aussichtsreichsten Aktien in Deutschland und Europa fiel die Ergo-Versicherung heraus. Die DG Bank stufte die Einschätzung für Ergo von "Kaufen" auf "Akkumulieren" zurück, weil die Aktie aus dem M-Dax ausscheidet. Ergo wird von der Münchener Rückversicherung übernommen, Anleger sollen für jeweils zwei Ergo-Aktien eine Münchener Rück und 18 Euro in bar erhalten. Dafür rückt die K+S-Aktie (vormals Kali und Salz) in die Empfehlungsliste auf. Neben der Düngemittel-Herstellung, bei der K+S international zu den führenden Herstellern gehört, gewännen auch die Geschäftsbereiche Recycling und Entsorgung zunehmend an Bedeutung. Die günstige Bewertung (Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,8 auf Basis des Jahres 2002) und die hohe Dividendenrendite von erwarteten 5,7 % im laufenden Jahr sprächen für den Titel. Die DG Bank sieht eine Kurschance von 20 %.

>>> Strategische Anlageempfehlungen für die Dax-30-Titel am Ende des Artikels

Bei BMW stimmt das Chance-Risiko-Verhältnis

Finanzanalyst Martin Haug von der SEB AG (zuvor BfG Bank) sieht noch keine Entwarnung für die Aktienmärkte. "Viel hängt jetzt von den Berichten der Unternehmen für das erste Quartal ab. Besonders bei den Technologiewerten kann es noch zu Enttäuschungen kommen", sagt Haug. In erster Linie könnten nach seiner Auffassung Impulse durch eine weitere Zinssenkung der US-Notenbank Fed und eine Leitzinssenkung der EZB für eine Stabilisierung der angeschlagenen Aktienmärkte sorgen.

"Wir raten unseren Kunden, zurzeit noch viel Bares zu halten und noch nicht in großem Maße zu investieren", sagt Haug. Die Unsicherheit auf dem Parkett sei noch zu groß. Er rät zu vereinzelten Zukäufen bei BMW ("Da ist das Chance-Risiko-Verhältnis in Ordnung") oder bei den zyklischen Chemietiteln BASF und Bayer.

Sagen Sie uns Ihre Meinung zur Lage auf dem Parkett: r.schweins@vhb.de

Strategische Anlageempfehlungen für die Dax-30-Aktien haben wir in dieser Woche von der DG Bank zusammengestellt:

DG Bank

Unternehmen

Gewinn 2001e

Gewinn 2002e

Anlageurteil

Adidas

-Salomon
4,545,35Halten

Allianz

11,0012,65Halten

BASF

2,763,40Halten

Bayer

2,913,53Kaufen

BMW

2,302,60Halten

Commerzbank

1,852,26Halten

DaimlerChrysler

0,503,59Halten
Degussa3,143,47Halten

Deutsche Bank

5,626,46Kaufen
Deutsche Post1,671,57Halten
Deutsche Telekom0,010,23Verkaufen
Dresdner Bank2,082,54Verkaufen

Eon

3,003,40Halten

Epcos

4,615,38Halten
Fresenius MC2,653,13Halten

Henkel

Vz.
3,423,89Halten

Hypo

-Vereinsbank
3,804,47Halten

Infineon

Technologies
1,222,00Halten
Karstadt1,301,35Verkaufen

Linde

2,973,40Halten

Lufthansa

2,052,25Halten

MAN

2,502,60Halten

Metro

1,051,17Halten
Münchener Rück.9,009,90Halten
Preussag2,032,25Halten

RWE

2,252,40Kaufen

SAP

Vz.
3,034,15Halten

Schering

2,132,45Halten

Siemens

5,105,70Kaufen

Thyssen

-Krupp
1,001,40Halten

VW

6,407,40Halten
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