Noch kein Aufschwung Ost
Handelsblatt-Frühindikator: Euphorie kühlt ab

Im Jahresvergleich könnte das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2002 stärker als von der Regierung erwartet wachsen - wenn nichts Dramatisches passiert, um mehr als 1,2 %. Darauf deutet der Juli-Wert des Handelsblatt-Frühindikators hin. Allerdings dürfte die Konjunktur im Jahresverlauf nicht noch weiter an Fahrt gewinnen. Denn die deutsche Wirtschaft dümpelt nach wie vor im Kielwasser der Weltkonjunktur.

HB DÜSSELDORF. Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) sprüht geradezu vor Optimismus: Im zweiten Halbjahr werde die Konjunktur wieder deutlich anziehen, sagte er am Montag in einem Interview. Im Jahresvergleich sei 1,2 % Wachstum möglich, 2003 sogar 3,0 %. Offiziell rechnet die Regierung nur mit einem Plus von 0,75 %, bzw. 2,5 % im Jahr 2003.

Frühindikator West: >>Tabellen

Doch Müllers Prognose könnte sich bewahrheiten - dafür spricht der aktuelle Handelsblatt-Frühindikator. Das Barometer ist im Juli zwar leicht zurück gegangen, signalisiert aber weiter ein relativ starkes Wachstum im Jahresvergleich. "Möglicherweise fällt das Plus sogar größer aus als von Müller erwartet - wenn in den kommenden Monaten nichts Dramatisches passiert", sagt Ulrich van Suntum, Ökonomie-Professor an der Universität in Münster und Vater des Indikators. Zwar verlor der Handelsblatt-Frühindikator im Juli 0,1 Prozentpunkte; er signalisiert jetzt 1,6 % Wachstum in gleitender Jahresrate. Allerdings: Für das dritte Quartal lässt er damit 1,5 % Wachstum in gleitender Jahresrate erwarten, nach 0,1 % im ersten und 0,6 % im zweiten Vierteljahr.

Bei dieser Wachstumsdynamik dürfte es dann erst einmal bleiben. "Derzeit spricht noch nichts für eine Verstärkung der Konjunkturdynamik im weiteren Jahresverlauf," sagt van Suntum. "Bis auf weiteres dürfte das deutsche Konjunkturschiff vielmehr weiter im Kielwasser der Weltkonjunktur dümpeln." Erst recht gilt das für die neuen Länder. Das Handelsblatt-Ostbarometer hat sich zwar im Juli leicht von 0,5 % auf 0,6 % erholt. Damit könnte der Osten zur Jahreswende beim Wachstum immerhin eine schwarze Null erreichen. 2001 war die Wirtschaft noch geschrumpft. Von einem Aufschwung Ost kann aber noch keine Rede sein - der Rückstand gegenüber dem Westen dürfte sich 2002 sogar noch weiter vergrößern.

Konjunkturbarometer Ost: >>Tabellen

In Gesamtdeutschland beginnt sich die Lücke zwischen immer optimistischeren Erwartungen der Unternehmen und flauen harten Konjunkturdaten von beiden Seiten zu schließen: In der Industrie zog die monatelang schwache Nachfrage im April wieder an, zudem stieg die Kauflust der Konsumenten leicht. Andererseits legt sich die Konjunktur-Euphorie. Die Ifo-Geschäftserwartungen im verarbeitenden Gewerbe sind im Juni erstmals seit acht Monaten leicht gesunken.

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