Noch kein Betreuer für CIT-Börsengang benannt
Tyco International lässt die Investmentbanken zappeln

In einem bisher einmaligen Vorgang hat der in öffentlichen Misskredit geratene Mischkonzern Tyco International Ltd. den Börsengang seiner Finanzdienstleistungstochter CIT Group angekündigt, ohne eine Emissionsbank zu nennen. Bei dem auf 7,15 Mrd. $ geschätzten Deal handelt es sich um einen der größten Börsengänge der US-Geschichte.

hus/Bloomberg NEW YORK. Eine Erklärung könnte die Enttäuschung von Tyco-Chef Dennis Kozlowski über die Beratung der Investmentbanken sein. Denn der Versuch, Tyco in vier Bereiche aufzuspalten, war fehlgeschlagen. Das Konzept hatte Tyco mit Hilfe der Investmentbank Goldman Sachs ausgearbeitet und Anfang des Jahres angekündigt. Seither ist der Tyco-Kurs um mehr als 40 % gefallen; der Konzern musste die Aufspaltungspläne verwerfen. Koslowski will jetzt CIT einzeln am Aktienmarkt platzieren um wieder größeren finanziellen Handlungsspielraum zu gewinnen.

Der CIT-Börsengang dürfte den noch nicht benannten Investmentbanken Provisionseinnahmen von ca. 280 Mill. $ bringen, schätzt der Experte für Börsengänge (IPOs) Prof. Jay Ritter von der University of Florida. Ein - angesichts der flauen Auftragslage - lukratives Geschäft.

Die Banken hatten bisher an Tyco kräftig verdient. Anfang der 90-er Jahre begann der Konzern eine Einkaufstour, in deren Verlauf er Unternehmen im Wert von 64 Mrd. $ erwarb. Jede Akquisition bedeutete üppige Provisionen für die Banken. Die CIT-Gruppe hatte Tyco erst im Juni 2001 für etwa 9,5 Mrd.$ erworben. Der eher undurchsichtig strukturierte Tyco-Konzern war nach dem Enron-Skandal unter Verdacht geraten, ebenfalls Bilanzen zu manipulieren. Die mit Hilfe von Goldman Sachs geplante Aufspaltung hätte den Banken rund 800 Mill. $ eingebracht, schätzen Fachleute.

Dies sei der falsche Zeitpunkt, um Investmentbanken zu foppen, sagt Finanzprofessor Roy Smith von der New York University. "Man schlägt die Wall-Street-Firmen nicht vor den Kopf, wenn man sie wirklich braucht." Er unterstreicht: "Es ist, als wenn man ein Flugzeug startet, und erst in der Luft überlegt, wer eigentlich steuern soll". Ritter hält indes für möglich, dass die Investmentbanken die zögernde Partei sind. "Seit den jüngsten Skandalen haben sie bei den Investoren Vertrauen verloren", meinte er gegenüber dem Handelsblatt. "Tyco ist ein suspektes Unternehmen geworden, der Börsengang könnte schief gehen. Mit so etwas will sich jetzt keiner den Ruf verderben."

Quelle: Handelsblatt

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