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Noch kein Netz im Haus

Vernetzte Computer und Büros sind fast schon Alltag. Da bereitet das Verschicken von Daten und die Kommunikation mit Telefon und PC innerhalb einer geschlossenen Benutzergruppe kaum noch Schwierigkeiten, vorausgesetzt die Technik streikt nicht gerade wieder...

Aber darüber wacht ein Heer von gut ausgebildeten und gut bezahlten Spezialisten. Anders sieht es in der privaten Wohnung aus. Zwar ist fast jeder über Telefon, Radio und Fernseher mit der großen weiten Welt verbunden, über den PC läßt sich auch zu Hause im Internet surfen, doch dies sind nur Insellösungen. Die Vernetzung von PC, TV, Telefon mit Hausgeräten und Haustechnik ist noch in weiter Ferne. Lediglich in der Werbung der Industrie taucht das total vernetzte Heim bereits auf. Da bestellt die Waschmaschine selbständig den Installateur oder der Kühlschrank fehlende Lebensmittel, der Hausherr regelt per Handy rechtzeitig vor Eintreffen in der Wohnung das Raumklima, und die Kaffeemaschine wird per Laptop bedient. Schöne neue Welt.

In der Realität scheitern viele dieser Visionen daran, dass die nötige Bandbreite für den Austausch der Daten noch nicht zur Verfügung steht. Zur Zeit wird an vielen Technologien erst gearbeitet. Das Telefonkabel soll über DSL für höhere Datenraten aufgerüstet werden, hier ist die Telekom bereits recht weit. Das Fernsehkabel liegt bereits in vielen Wohnungen und könnte als Datenträger genutzt werden. Es muss aber mit einem Rückkanal ausgerüstet werden, was beträchtliche Investitionen verlangt. Energiekonzerne arbeiten daran, das vorhandene Stromnetz über Powerline zur Datenautobahn aufzurüsten. Auf der Cebit im nächsten Frühjahr soll die Markteinführung beginnen.

Auch drahtlose Techniken können als Zugangsmedium für das vernetzte Heim genutzt werden. Die Mobilfunker erhoffen sich von den in den nächsten Jahren startenden UMTS-Netzen die gewünschten hohen Datenströme. Funktechniken sind bereits im Einsatz, für private Eigenheime aber noch viel zu teuer.

Auch innerhalb des Hauses sind viele Probleme noch nicht gelöst. TV-Hersteller möchten gerne den Fernseher zur Schaltzentrale ausbauen, die PC-Industrie setzt dagegen auf multimediale Handhelds, die möglichst drahtlos die Wohnung steuern. Doch die Kommunikation ist auch hier schwierig. Technologien wie Bluetooth stehen noch vor der Markteinführung, drahtgebundene Bus-Systeme gibt es in mehreren Standards, die nicht miteinander kompatibel sind. Überhaupt stellen die fehlenden Standards ein Haupthindernis für die Vernetzung in der Wohnung dar. Oft ist der Streit um diese Standards vor allem ein Pokern um Lizenzen, keiner will nachgeben, denn er müßte der Konkurrenz für lange Zeit Gebühren zahlen.

Auch müssen die Anwendungen noch wesentlich einfacher werden. Komplizierte und störanfällige Computersoftware wird kaum eine Hausfrau zur Regelung von Waschmaschine oder Heizung akzeptieren. Und die heutigen Installateure und Elektriker wären mit dem Anschluss dieser Techniken völlig überfordert. Aus diesen Gründen fehlen auch noch die Produkte. Zwar arbeitet die Hausgeräte-Industrie seit einigen Jahren an Produkten, die sich über Internet, Funk oder Handy regeln lassen, doch so lange keine einheitlichen Standards vorliegen, wird keine Fertigung starten. Das vielfach bekannte Henne-Ei-Problem feiert auch hier fröhliche Urstände.



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