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Noch kein Siemens-Übernahmeplan für VA Tech - Verhandlungen laufen

Im Übernahmepoker um den österreichischen Mischkonzern VA Tech hat der Münchner Elektronikkonzern Siemens nach Informationen aus Branchenkreisen noch kein konkretes Angebot vorgelegt. Wie dpa-AFX am Freitag aus gut unterrichteter Quelle erfuhr, wird ein Einstieg zwar seit Monaten sondiert, die Verhandlungen mit VA Tech-Aktionär Victory und dem Management seien aber noch nicht beschlussreif.

dpa-afx MÜNCHEN/LINZ. Im Übernahmepoker um den österreichischen Mischkonzern VA Tech hat der Münchner Elektronikkonzern Siemens nach Informationen aus Branchenkreisen noch kein konkretes Angebot vorgelegt. Wie dpa-AFX am Freitag aus gut unterrichteter Quelle erfuhr, wird ein Einstieg zwar seit Monaten sondiert, die Verhandlungen mit VA Tech-Aktionär Victory und dem Management seien aber noch nicht beschlussreif.

Knackpunkt sei die Zukunft von Unternehmensteilen, die Siemens nicht übernehmen wolle. Eine VA-Tech-Sprecherin bestätigte, dass der Vorstand seit Donnerstag mit Siemens Gespräche führt. Beschlüsse seien nicht gefasst worden. Der Übernahmepreis für VA Tech könnte laut Medienberichten bis zu 900 Mill. ? erreichen.

Die Siemens-Aktie verlor am Morgen 0,66 % auf 57,71 ?, die VA-Tech-Papiere verloren an der Wiener Börse 0,49 % auf 52,79 ?, in Frankfurt 0,55 % auf 53,90 ?.

Siemens Will NUR Zwei Sparten

Siemens zeigt großes Interesse an den Sparten Energieübertragung (T & D) und Infrastruktur (Elin EGB). Es sei aber schwierig, eine Lösung für die drei übrigen Teilbereiche der VA Tech zu finden, darunter der Industrieanlagenbau (VAI). Österreichische Parteien und Gewerkschaften wollen eine Zerschlagung des teilstaatlichen Konzerns verhindern. Sie fürchten den Verlust eines Teils der 8 000 VA-Arbeitsplätze in Österreich.

Bereits am Dienstag hatte sich Bundeskanzler Wolfgang Schüssel für die Beibehaltung des staatlichen Anteils an der VA Tech ausgesprochen. Er sei dafür, "dass die Öiag an Bord bleibt und im Notfall bei einer Kapitalerhöhung mitzieht". Vizekanzler Hubert Gorbach legte am Donnerstag nach und sprach sich gegen einen Ausverkauf aus.

Feindliche Übernahme Schwierig

Siemens hatte am Donnerstag sein Interesse erstmals offiziell bestätigt. Der Chef von Siemens-Österreich, Albert Hochleitner, sagte, es sei "kein Geheimnis, dass es Überlegungen gibt, ob Teilaktivitäten der VA Tech für Siemens von Interesse sein könnten und dass es dazu Kontakte mit der Kovats-Gruppe gibt".

Die Victory Industriebeteiligung AG um den Industriellen Mirko Kovats ist mit 12,53 % an der VA Tech beteiligt. Die staatliche Österreichische Industrieholding Öiag hält 15 %; 72,47 % der 15 Mill. Aktien sind im Streubesitz. Medienberichten zufolge planen Siemens und Victory ein Angebot von 55 bis 60 ? je VA Tech-Aktie. Eine freundliche Übernahme wäre für Siemens nur mit Zustimmung von Victory und Öiag möglich.

VA-Chef Überrascht

VA-Generaldirektor Klaus Sernetz hatte sich am Donnerstag im ORF-Radio verwundert über den Victory-Siemens-Plan gezeigt. Er sei bisher davon ausgegangen, dass "uns alle Aktionäre, insbesondere die Großaktionäre, bei unserer Strategie, den Konzern zu sanieren, unterstützen".

VA Tech kam 2003 auf einen Umsatz von knapp vier Mrd. ? und gilt als Österreichs größter Technologie-Konzern. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 17 000 Mitarbeiter, davon etwa 8 000 im Inland. Für 2004 erwartet der Vorstand wegen zusätzlicher Sanierungsmaßnahmen einen Netto-Verlust von etwa 65 bis 70 Mill. ?, nach einem Minus von 15 Mill. ? im Vorjahr.

Sorgenkinder des Unternehmens sind die Trafo-Sparte T & D und die Wassertechnik Wabag. In der laufenden Wabag-Restrukturierung gab VA Tech am Freitag den Verkauf der Fließbett-Systemsparte im baden-württembergischen Ravensburg an den österreichischen Konkurrenten Andritz bekannt.

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