Noch kein Sommer-Nachfolger
Sihler: Telekom in ernster Lage

Die Telekom erwägt offenbar, sich teilweise aus ihrem Auslandsgeschäft zurückzuziehen. Der neue Telekom-Chef Helmut Sihler bezeichnete die Lage der Telekom als ernst.

dpa/HB BONN. In einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" machte der neue Vorstandsvorsitzende deutlich, dass die Führungsspitze einen Teilrückzug aus dem Auslandsgeschäft erwäge. Es sei schwierig, alle vier Sparten Mobilfunk, Systemgeschäft, Internet und Festnetz zu internationalisieren.

Konkrete Angaben darüber, welche Geschäftsfelder zur Disposition stehen, machte er nicht. Sihler wies darauf hin, dass die Telekom im Systemgeschäft auf jeden Fall im Ausland breit aufgestellt sein müsse und die Internationalisierung im Mobilfunk weit fortgeschritten sei. Überdenken werde der Vorstand die Lage bei der US-Mobilfunktochter Voice-Stream, die nur die Nummer sechs auf dem Markt ist. "Wir denken darüber nach, wie wir unsere Marktposition verbessern können", betonte Sihler.

Der 72-jährige Manager war Mitte Juli nach dem Rücktritt von Ron Sommer überraschend für eine Zeit von sechs Monaten zum Interims-Chef der Telekom ernannt worden. Zu seinem Amtsantritt hatte er neben der Suche nach einem Nachfolger an der Konzernspitze den Abbau den Schuldenbergs von 65 Mrd. ? sowie Kosteneinsparung und Effizienzverbesserungen als seine wichtigsten Aufgaben bezeichnet.

Ende November sollten erste Ergebnisse der strategischen Überlegungen bekannt gegeben werden, sagte Sihler. Das könnte zeitlich mit der Klärung der Nachfolgefrage für den Vorstandsvorsitz zusammenfallen. Bislang sei noch kein Kandidat angesprochen worden. Erst werde die gesamte Aufgabe genau definiert. Sihler: "Danach wollen wir dem Präsidium des Aufsichtsrats zwei oder drei Kandidaten präsentieren".

Dieser müsse kein Spezialist für die gesamte Telekommunikation sein und könne auch aus dem Ausland kommen. Möglich sei aber auch eine interne Lösung. In den vergangenen Wochen wurde unter anderem spekuliert, dass Ex-Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff den Posten von Sommer übernehmen könnte. Der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser hat nach eigenen Angaben kein Interesse an dem Posten.

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