Noch keine Bergung
Spezialisten untersuchen Autos im Gotthard

Neun Tage nach dem verheerenden Unglück im Schweizer Gotthard-Tunnel haben am Freitag Spezialisten des Erkennungsdienstes mit Untersuchungen im Tunnel begonnen. Die Einsatzleitung hatte zuvor beschlossen, dass die Staub- und Luftanalysen nun Arbeiten der Spezialisten in Schutzkleidung zulassen, teilte die Tessiner Polizei mit.

dpa BELLINZONA/ARISDORF. Die nach dem Feuerinferno am Mittwoch vergangener Woche noch im Tunnel stehenden 23 Fahrzeuge werden erkennungsdienstlich untersucht. Die Staatsanwaltschaft ordnete entgegen dem zunächst geplanten Beginn der Bergung an, dass diese Fahrzeuge nicht aus dem Tunnel heraus gebracht werden dürfen. Zunächst muss die Unfallursache untersucht werden.

Bis zum eigentlichen Beginn der Bergungsarbeiten in der kommenden Woche sei nur begrenzte Spurensicherung erlaubt, sagte ein Sprecher der Polizei am Abend. Unterdessen wurde eine mehrmonatige Sanierung im Gotthard-Eisenbahntunnel am Freitagabend abgeschlossen. Damit ist er wieder durchgehend doppelspurig befahrbar. Mit dem Ende der Arbeiten können Autozüge ab Samstag bis auf weiteres stündlich verkehren, teilten die Bahnen mit.

Aufgabe der Einsatzkräfte ist auch die Suche nach weiteren Opfern. Die Behörden gehen bisher von elf Toten aus. Neun Leichen konnten bereits den Angehörigen übergeben werden, über die Identität der beiden übrigen Opfer herrscht noch Unklarheit. Auch der türkische Fahrer des Unglückslasters wurde noch nicht gefunden. Im Tunnel waren nach dem Lkw-Zusammenstoß Reifen, Kunststoffe und Farben verbrannt. Es war von einer hohen Belastung der Luft ausgegangen worden.

Angesichts des stark angewachsenen Schwerverkehrs auf den Ausweichrouten und der hohen Unfallgefahr wurden Verkehrslenkungen und Sicherheitsmaßnahmen beschlossen. Am Morgen war es in einem Tunnel bei Basel erneut zu einem Frontalzusammenstoß gekommen.

Von Montag an soll der San-Bernardino-Tunnel dann nur noch einspurig für Lastwagen befahrbar sein. Dies erklärte das Verkehrsdepartement des Kantons Graubünden. Damit ziehen die Schweizer Behörden die Konsequenz aus den jüngsten starken Verkehrsbehinderungen auf der Gotthard-Ausweichstrecke. Mit der Maßnahme sollen vor allem Frontalzusammenstöße in dem nur zweispurigen 6,6 Kilometer langen Straßentunnel vermieden werden. Das Bauwerk, das derzeit einen großen Teil des nach dem Brandunglück geschlossenen Gotthard-Tunnels aufnehmen muss, verfügt über keinen Sicherheitsstollen.

Die Einbahn-Regelung wird auch für weitere Tunnel auf den Zufahrtsrampen zur San-Bernardino-Röhre in Betracht gezogen. Außerdem soll ein Lastwagen-Überholverbot sowie ein Mindestabstand von 150 Metern zwischen einzelnen schweren Fahrzeugen eingeführt werden. Der Gotthard bleibt noch mehrere Monate geschlossen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%