Noch keine durchgreifende Erholung
Anleger sollten weiterhin Vorsicht walten lassen

Die Erholung an den Aktienmärkten hat in einigen Branchen überraschende Gewinne gebracht. Für die weitere Entwicklung bleiben Analysten allerdings vorsichtig. Erneute Rückschläge im Zusammenhang mit US-Konjunkturdaten und den Ergebnissen der amerikanischen Unternehmen seien nicht ausgeschlossen.

DÜSSELDORF. Seit den Terroranschlägen in den USA hat es nicht nur Verlierer an den Aktienmärkten gegeben. Dies zeigt die Entwicklung der Sektoren des Index Stoxx. Klar auf der Gewinnerseite standen u.a. Werte des Gesundheitsbereichs - was aber angesichts der jüngsten Ereignisse nicht überrascht. Eher überraschen könnte dagegen das positive Abschneiden des Telekommunikationssektors. Doch dafür gibt es recht gute Erklärungen.

Einig sind sich Analysten darin, dass die Sektoren Telekom und Technologie Nachholbedarf hatten, was sich jüngst in der guten Performance widerspiegle. Diese Bereiche seien bereits vor den Anschlägen übermäßig gebeutelt worden. Carsten Klude vom Makroresearch von M.M. Warburg & Co. erklärt die Gewinne aber auch damit, dass es sich um ein "save-haven-play" handle. Telefoniert werde auch - und gerade - jetzt in unsicheren Zeiten.

Nach Ansicht von Martin Gilles, Leiter der Pan- Europäischen Aktienstrategie der WestLB Panmure in Düsseldorf, hat sich das Bild Anfang Oktober zu Gunsten der Telekom - und Technologietitel gedreht. Wegen der starken Einbußen im bisherigen Jahresverlauf sei - unabhängig von den Anschlägen am 11. September - bereits darüber diskutiert worden, dass beispielsweise die Telekomwerte wieder eher "defensive Charakteristika" aufweisen. Und für den Technologiebereich gelte, dass er sich Anfang September schwach entwickelt habe. Er sei daher "weitestgehend unbeeindruckt von den politischen Faktoren" geblieben.

Auch seien "Investoren durchaus wieder bereit, sich einige der Technologie-Titel ins Portfolio zu legen" bzw. eine "Benchmark-Positionierung" vorzunehmen, erklärt Gilles weiter. Zuvor untergewichtet, bauten Anleger Positionen wieder auf, um keine "Sektorwetten" einzugehen. Hinzu komme, dass sich das fundamentale Umfeld für die zyklischen Werte verschlechtert habe.

Neuerliche Rückschläge nicht ausgeschlossen

Doch wie geht es weiter? Bleiben Telekom - und Technologiebereich die Favoriten oder machen andere Sektoren das Rennen? Oder drohen sogar neue Rückschläge? Grundsätzlich geben sich die Experten vorsichtig mit ihren Prognosen. Sowohl WestLB als auch M.M. Warburg schließen neuerliche Rückschläge an den Finanzmärkten nicht aus, halten sie sogar für wahrscheinlich.

Laut Klude geht beispielsweise der Anstieg im Telekom - und Technologiebereich schon zu weit. Neue Kursverluste müssten daher - wie in auch in anderen Sektoren - einkalkuliert werden. Dabei seien Anleger "besser in defensiven Bereichen" aufgehoben. Bereits die nächsten Wochen würden zeigen, dass die konjunkturellen Daten schlechter ausfallen werden. Zwar sei dies in den Erwartungen zum Teil enthalten, doch müssten "negative Überraschungen" u.a. bei den US-Quartalsergebnissen einkalkuliert werden. Vorsichtig positiv ist Warburg für die Bereiche Versicherung, Finanzdienstleister und Autos gestimmt.

Auch bei WestLB Panmure erwartet man, dass im Zusammenhang mit US-Konjunkturdaten und der Berichtssaison über das 3. Quartal noch einmal die "Tiefpunkte vom September" getestet werden. Gilles rechnet mit Abschlägen von rund 10 % für den Stoxx, beim Dax gehe es in Richtung 4 000 Punkte. Er vermag allerdings keine "klaren Sektorfavoriten" auszumachen. Auch defensiven Bereiche wie Gesundheit seien bereits hoch bewertet. Und trotz attraktiver Bewertungen im zyklischen und im Technologiebereich könne noch nicht auf eine Erholung gesetzt werden. WestLB Panmure stellt daher auf Einzelwerte ab. Im Vordergrund stünden Bewertungsfaktoren wie Cash-flow, Konjunktursensibilität oder Dividende. Zu den Empfehlungen (Kursziel in Euro in Klammern) zählen Aegon (42), Bunzl (510), Intesa (5,6), Nestlé (385), Sandvik (230), TPG (25) und Vodafone (225).

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