Noch keine Einigung über Schuldenberg
UPC schreibt 2001 Rekordverlust

Mit einigem Verzug hat der hoch verschuldete US-niederländische Kabelnetzbetreiber United Pan-European Communications (UPC) gestern seinen Verlust für das vergangene Jahr bekannt gegeben: 4,4 Mrd. Euro, bei einem Umsatz von 1,3 Mrd. Euro. Im Vorjahr hatte der Verlust 2 Mrd. Euro betragen. Zudem erhöhten sich die Schulden des zweitgrößten Kabelnetzbetreibers in Europa auf 11,16 Mrd. Euro. Grund für Rekordverlust seien einmalige Belastungen als Folge von Abschreibungen und Reorganisation, heißt es bei UPC.

tom BRÜSSEL. Die Zahlen hätten eigentlich schon zu Beginn des Monats offengelegt werden sollen. UPC, deren Muttergesellschaft UGC mehrheitlich John Malones Liberty Media gehört, hatte jedoch nach einigen Tagen Verzögerung nur ein unvollständige Jahresergebnis präsentiert.

Seit in den USA neue Bilanzierungsregeln gelten, müssen Unternehmen jedes Jahr ihren Anlagebesitz neu bewerten. Bei UPC schlug dies mit 1,5 Mrd. Euro zu Buche. Wegen der Verhandlungen mit der US-Börsenaufsicht SEC über die Höhe des Betrags hatte sich die Veröffentlichung des Verlusts immer weiter verschoben.

In der Vergangenheit hatten sich Vertreter von Verbrauchern immer wieder über die mangelhafte Kommunikation des Unternehmens und schlechte Dienstleistungen beklagt. Für UPC geht es nach eigenen Angaben jetzt ums Überleben. Sollten die laufenden Versuche scheitern, die Inhaber von Anleihen davon zu überzeugen, Schulden von 7,5 Mrd. Euro in neue Aktien umzuwandeln, müsse man Bankrott anmelden, heißt es im Bericht an die US-Börsenaufsicht SEC. Bis zum 4. Juni haben die Banken Forderungen über 4 Mrd. Euro zurückgestellt. UPCs Wirtschaftsprüfer von Arthur Andersen erklärten in einem Bericht an die SEC, sie hätten "substanzielle Zweifel" an der Zukunft von UPC.

In einem wahren Kaufrausch hat UPC in vielen Ländern Europas Kabelfernsehnetze gekauft, darunter in Deutschland die EWT/TSS und einen 25 %-Anteil an der ebenfalls hoch verschuldeten Primacom AG. Die Kabelnetze will UPC auch für Telefondienste und Internet ausbauen. Doch das Geschäftmodell ging bisher nicht auf.

Die gesamte Branche steckt nach dem massiven Einbruch der Aktienkurse in Schwierigkeiten. Ebenso dringend wie UPC sucht der US-britische Kabelriese NTL in einem Restrukturierungsprogramm für seine Schulden von 19,5 Mrd. Euro. Beobachter erwarten, dass in Kürze Gläubiger ihre Anleihen über 12,5 Mrd. Euro in NTL-Aktien tauschen werden. Wenn die Banken dem Plan zustimmen, wird NTL sich wahrscheinlich unter den Schutz des US-Insolvenzparagrafen Chapter 11 begeben.

Quelle: Handelsblatt

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