Noch keine Insolvenz angemeldet
Mobilcom-Gründer ruft Clement um Hilfe

Im Ringen um die Rettung von Mobilcom hat Hauptaktionär Gerhard Schmid am Donnerstag Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement persönlich um Hilfe gebeten. Der angeschlagene Mobilfunkanbieter teilte mit, am Donnerstag keine Insolvenz anmelden zu müssen, da die liquiden Mittel noch ausreichten.

Reuters HAMBURG. Schmid wandte sich in einem offenen Brief an Clement und bat ihn, persönlich Initiative zu ergreifen. Er habe sich trotz tagelanger Verhandlungen mit dessen Ministerium nicht auf eine Treuhänderschaft für seine Firmenanteile einigen können. "Ich bin mit meiner Weisheit am Ende. Übernehmen Sie jetzt persönlich die Initiative. Ich lege das Schicksal der Mobilcom in Ihre Hände", schrieb Schmid an Clement.

Das Wirtschaftsministerium wollte dazu keine Stellung nehmen. Clement hatte Schmid in den vergangenen Tagen wiederholt ultimativ aufgefordert, der Anteilsübertragung zuzustimmen, um die Insolvenz der von ihm gegründeten Firma zu verhindern.

Schmid erklärte in dem Brief, er habe sich bereit erklärt, einem Treuhänder einen großen Teil seines Privatvermögens zu übertragen. Obwohl auch nach Aussage des Ministeriums bis auf die Person des Treuhänders in allen anderen Vertragspunkten Einigkeit erzielt worden sei, habe das Ministerium am Donnerstag überraschend neue inhaltliche Änderungen verlangt. Um welche Punkte es sich dabei handelte, sagte Schmid nicht.

Die Übertragung der Anteile von Schmid auf einen Treuhänder ist ein wichtiger Bestandteil eines im September weitgehend ausgehandelten Rettungspakets, mit dem Mobilcom vor der drohenden Insolvenz bewahrt werden und zugleich eine Grundlage zur Sanierung erhalten soll.

Schmid bekräftigte, er halte an dem von ihm als Verwalter für seine Anteile vorgeschlagenen früheren Vorstandschef der Telefongesellschaft Debitel, Joachim Dreyer, fest. Zugleich warf er der Bundesregierung vor, sie versuche den Rechtsanwalt Reinhard von Dalwigk als Treuhänder durchzusetzen und damit die Kontrolle über Mobilcom zu erlangen. Schmid begründet sein Festhalten an Dreyer mit dessen unternehmerischer Erfahrung. Dreyer sei in der Lage die anstehenden Weichenstellungen für das Überleben des Unternehmens zu beurteilen, erklärte Schmid.

Nachdem ein an den Vortagen diskutiertes ein Modell mit zwei gleichberechtigten Treuhändern offenbar nicht weiter verfolgt wird, wurde am Donnerstag nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen die Möglichkeit erörtert, dem Treuhänder eine Art "Aufpasser" mit geringeren Befugnissen zur Seite zu stellen.

Die noch mit 28,5 Prozent an Mobilcom beteiligte France Telecom macht eine weitgehende Entschuldung von Mobilcom davon abhängig, dass Schmid keinen Einfluss mehr auf das Büdelsdorfer Unternehmen hat. Ohne die Übertragung der Aktien kann auch das im September vereinbarte Rettungspaket im Milliardenumfang nicht umgesetzt werden.

Mobilcom teilte mit, man sei am Donnerstag noch nicht gezwungen, Insolvenz anzumelden. Die liquiden Mittel reichten vorerst aus, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. "Der rote Insolvenzordner bleibt heute noch im Regal stehen", sagte Firmensprecher Matthias Quaritsch. Wie lange diese Mittel ausreichen, wollte Quaritsch allerdings nicht sagen. Er kündigte an, sich am Freitag zum Liquiditätsstand und der sich daraus ergebenden Insolvenzgefahr äußern zu wollen. Die Mobilcom-Aktie, die in den vergangenen Tagen heftige Kursausschläge verzeichnete hatte, notierte eine halbe Stunde vor Börsenschluss bei fünf Euro gut drei Prozent im Minus.

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