Noch keine konkrete Entscheidung gefallen: Kirch Media will Börsengang offenbar verschieben

Noch keine konkrete Entscheidung gefallen
Kirch Media will Börsengang offenbar verschieben

Die hoch verschuldete Mediengruppe Kirch erwägt nach Angaben aus Branchenkreisen eine Verschiebung der für Juni geplanten Fusion der Produktions- und Rechtegesellschaft Kirch Media mit deren Tochtergesellschaft ProSieben Sat.1 Media AG.

rtr MüNCHEN. Der Medienkonzern, der derzeit mit einer finanziellen Krise zu kämpfen hat und deshalb mit Gläubigerbanken verhandelt, denke über eine Verschiebung der Fusion und des damit verbundenen Börsengangs von Kirch Media um mehrere Wochen nach, hieß es am Dienstag in den Kreisen. "Eine endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen." Ein Kirch-Sprecher lehnte einen Kommentar dazu ab, sagte aber, die Fusion als solche stehe nicht in Frage.

Analysten und Branchenkenner hatten sich schon zuvor skeptisch darüber geäußert, dass die Kirch-Gruppe ihren Zeitplan für die Fusion einhalten könne. "Wir arbeiten weiter an der Fusion, aber jeder ist sich darüber im Klaren, dass sie jederzeit verschoben werden kann", hieß es in Bankenkreisen. Die "Financial Times Deutschland" hatte unter Berufung auf einen Kirch-Manager berichtet, der Zusammenschluss werde sich bis mindestens August 2002 verzögern.

Verschiebung des Börsengangs könnte zu Problemen führen

Die mit einem Schuldenberg von rund sechs Mrd. ? kämpfende Kirch-Gruppe könnte durch eine Verschiebung der Fusion weitere Probleme bekommen. Denn gegenüber den Gesellschaftern der Kirch Media, unter anderen die Investmentbank Lehman Brothers, der italienische Medienkonzern Mediaset, Rupert Murdochs News Corp und die Rewe-Gruppe, hat sich Kirch zu einem Börsengang der Produktions- und Rechtehandelstochter verpflichtet. Spekulationen, die Investoren könnten ihre Anteile zwischen gut zwei bis knapp sechs Prozent an die Kirch-Gruppe zurückverkaufen, wenn KirchMedia nicht bis zum 1. Juli an der Börse sei, wollte ein Kirch-Sprecher nicht kommentieren.

In unternehmensnahen Kreisen hieß es, die Gesellschafter von Kirch Media seien in die Gepräche über eine mögliche Verschiebung mit einbezogen. "Man kann davon ausgehen, dass das nur im Einvernehmen mit den Investoren geschieht." Angesichts der laufenden Verhandlungen mit den Gläubigerbanken und anstehenden Beteiligungsverkäufen gestalte sich eine Bewertung der Kirch Media durch die Wirtschaftsprüfer schwierig, wurde die mögliche Verschiebung der Fusion in den Kreisen begründet. So steht Kirch nach Angaben aus Branchenkreisen kurz vor einem Verkauf von Anteilen an dem spanischen TV-Sender Telecinco, um einen im April auslaufenden Kredit der Dresdner Bank zurückzahlen zu können.

Die Aktien der im MDax notierten Senderfamilie Pro SiebenSat.1, an der KirchMedia bereits rund 52 % der Anteile hält, verloren am Dienstag knapp fünf Prozent auf 6,10 ?. Eine mögliche Verschiebung erhöhe natürlich die Unsicherheit rund um die Fusion, hieß es bei Analysten. Andererseits sei eine Fusion in einer Situation, wo ein Partner um sein Überleben kämpfe, auch keine gute Idee. "Eigentlich müssten die Spekulationen über eine Verschiebung der Fusion gut sein für die ProSieben-Aktie", sagte Bernhard Tubeileh, Medien-Analyst bei Merrill Lynch. Die Aktien waren allerdings am Vortag um fast zwölf Prozent gestiegen. Deshalb könnten auch Gewinnmitnahmen zu dem Kursrückgang führen.

Auch Streit mit Springer belastet die Fusion

Fünf Gläubigerbanken hat die Kirch-Gruppe offenbar für eine Unterstützung gewonnen, die in einem Konsortium möglicherweise den 40-prozentigen Kirch-Anteil am Axel Springer Verlag für mehr als eine Milliarde Euro übernehmen wollen. Mit dem Hamburger Verlagshaus befindet sich Kirch aber auch in einem Rechtsstreit. Der Springer-Verlag will seinen rund 11,5-prozentigen Anteil an ProSieben an Kirch zurückverkaufen, für einen vereinbarten Preis von 770 Mill. ?. Kirch hält diese im August 2000 geschlossene Option für rechtlich nicht wirksam.

Kirch will vermutlich einen geringeren Preis zahlen, da der Springer-Anteil an Pro Sieben.Sat.1 an der Börse nach dem Verfall der Medienaktien mittlerweile nur noch 110 Mill. ? wert ist. Die Gespräche über eine außergerichtliche Lösung würden fortgesetzt, hatten beide Firmen betont. Durch den Streit werde die geplante Fusion von KirchMedia und Pro SiebenSat.1 noch durch eine weitere Unsicherheit belastet, sagten Analysten. Deshalb müsse hier so schnell wie möglich eine Lösung gefunden werden.

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