Noch keine Nachfolgeregelungen
Bankgesellschaft Berlin verliert fünf Vorstände bei Tochtergesellschaften

Die Bankgesellschaft Berlin hat am Donnerstag bei ihren beiden Tochtergesellschaften Berlin-Hyp und Landesbank Berlin (LBB) personelle Konsequenzen gezogen. Die Bankgesellschaft teilte nach den Sitzungen der beiden Aufsichtsräten mit, von den insgesamt zehn Vorständen der beiden Töchter würden fünf die Gruppe verlassen.

Reuters BERLIN. Die Bankgesellschaft Berlin hat am Donnerstag bei ihren beiden Tochtergesellschaften BerlinHyp und Landesbank Berlin (LBB) personelle Konsequenzen gezogen. Zuvor hatte das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred), das eine Sonderprüfung der Immobiliengeschäfte des Bankkonzern angeordnet hatte, die "persönliche Zuverlässigkeit" und fachliche Eignung" bei einigen Bankvorständen in Zweifel gezogen.

Die Bankgesellschaft teilte nach den Sitzungen der beiden Aufsichtsräten, denen Bankgesellschaftschef Wolfgang Rupf vorsteht, mit, von den insgesamt zehn Vorständen der beiden Töchter würden fünf die Gruppe verlassen. Die Nachfolgeregelung soll später getroffen werden. Die Aktien der Bankgesellschaft gaben wie schon am Mittwoch deutlich nach. Der Aufsichtsrat der Berlin Hypothekenbank AG-Hannoverschen (BerlinHyp) berief nach den Bankangaben Vorstand Gerd-Ulrich Blümel mit sofortiger Wirkung ab und akzeptierte auch das Rücktrittsangebot des stellvertretenden Vorsitzenden, Jürgen Noack. BerlinHyp-Chef Klaus Landowsky hatte bereits am Vortag sein Mandat niedergelegt.

Ein Nachfolger Landowskys, der auch Berliner CDU-Fraktionsvorsitzender ist, werde zu einem späteren Zeitpunkt berufen, hieß es in der knappen Mitteilung weiter. Noch am Vortag war allerdings die Berufung eines Nachfolgers für den Donnerstag angekündigt worden. Damit verbleiben Dirk Hoffmann und Heinz Gottschalk im Vorstand der BerlinHyp.

Landowsky, der eingeräumt hatte, von dem BerlinHyp-Kunden Aubis Spenden über 40 000 DM für die CDU angenommen und nicht ordnungsgemäß weitergeleitet zu haben, hatte bereits im Februar seinen Rücktritt zur Hauptversammlung der Berlin Hypothekenbank AG-Hannoverschen (BerlinHyp) angekündigt. Der für Ende Mai geplante Termin ist aber wegen der Prüfungen verschoben worden. Landowsky hatte dann am Vortag seinen Posten mit sofortiger Wirkung niedergelegt, um "den nahtlosen Übergang" zu dem Nachfolger zu ermöglichen.

Bei der LBB entsprach der Aufsichtsrat nach den Angaben dem Wunsch von LBB-Chef Ulf-Wilhelm Decken, ihn mit sofortiger Wirkung von seinem Mandat zu entbinden. Vorstandsmitglied Jochem Zeelen werde mit sofortiger Wirkung abberufen, hieß es in der Mitteilung weiter. Damit verbleiben Bernd-Peter Morgenroth, Johannes Evers und Hans Leukers im LBB-Vorstand.

Leukers und Evers gehören gleichzeitig den Konzernvorstand der Bankgesellschaft an, aus dem jetzt die Vorstandssprecher von BerlinHyp und LBB, Landowsky und Decken, automatisch ausgeschieden sind. Rupf hatte im Februar angekündigt, den Vorstand "von außen" um ein Mitglied für das Gewerbliche Immobilienfinanzierungsgeschäft erweitern zu wollen.

Über die Vorgänge um die Bankgesellschaft will am Sonntagnachmittag auch der Koalitionsausschuss von CDU und SPD beraten. Das Land Berlin ist mit knapp 57 % Mehrheitseigner der Bank. Ob es dann in der Folge auch zu einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung bei der Bankgesellschaft selbst kommt, blieb zunächst unklar. Das komme auch auf die Meinungsbildung beim Mehrheitsaktionär an, hieß es in Kreisen der Beteiligten.

Die vom Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) beauftragten Wirtschaftsprüfer arbeiteten mit Hochdruck an der Durchleuchtung der Geschäfts, sagte BAKred-Sprecherin Sabine Lautenschläger-Peiter in Bonn. Wann das Prüfergebnis vorliege, sei aber offen. Zugleich wies sie Berichte zurück, die Prüfer seien bei einzelnen Bankmanagern aus Hinweise gestoßen, die deren persönliche Zuverlässigkeit und fachliche Eignung in Frage gestellt hätten. Diese Hinweise hätten sich vielmehr in direkten Gespräche der Behörde mit dem Aufsichtsrat ergeben, sagte sie unter Hinweis auf drei bekannt gewordene so genannte Freistellungserklärungen für Haftungen und Mängel bei der Geschäftsführungstätigkeit bei der BerlinHyp.

Der Bankkonzern hatte am Mittwoch überraschend vorläufige Daten für das Geschäftsjahr 2000 bekannt gegeben. Danach sank das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge um knapp 30 % auf 762 Mill. Euro. Die Risikovorsorge wurde wegen der noch laufenden Untersuchungen nicht beziffert. Für die ersten neun Monate 2000 hatte die Bankgesellschaft eine Risikovorsorge von 328 Mill. Euro angegeben.

Konzernchef Rupf hat wiederholt erklärt, dass die Bankgesellschaft Kredite über rund 5 Mrd. DM (rund 2,56 Mrd. Euro) ausgelegt habe, "die ich lieber nicht in den Büchern hätte". In den Jahren 1994 bis 1999 hatte die Bankgesellschaft, die wesentlich in dem von einer schwierigen Immobiliensituation geprägten Großraum Berlin aktiv ist, eine Risikovorsorge über 3,7 Mrd. Euro verkraftet. Wie hoch die Ausfälle 2000 sein werden, bleibt abzuwarten, bis die Prüfergebnisse vorliegen. Die im Berliner Haushalt eingestellte Dividende von 135 Mill. DM erscheint aber mehr als in Frage gestellt.

Der Aufsichtsrat der Bankgesellschaft hatte Mitte Februar unabhängigig vom BAKred externe Prüfer beauftragt, die neben dem Kreditengagement bei Aubis Mitte der 90-er Jahre in einer Größenordnung von etwa 600 Mill. DM vor allem die Situation bei der Immobilien- und Baumanagement GmbH (IBG) untersuchen sollte. Deren operatives Geschäft sollte ursprünglich an den von Finanz-Investoren geführten Baudienstleister IBAG verkauft werden. Bei der IBG verbleibende Immobilienrisiken sollten dann mit dem Verkaufserlös, den die Bankgesellschaft den Käufern allerdings kreditieren wollte, abgedeckt werden. Nach Vorstandunterlagen drohte ohne diese Bereinigung für 2000 ein Verlust vor Steuern über 1,5 Mrd. DM.

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