Noch keine neuen Erkenntnisse im Fall MLP
Die Indexexperten geraten ins Fadenkreuz der Staatsanwälte

Der Verdacht auf Insiderhandel mit den Titeln des Finanzdienstleisters Marschollek, Lautenschläger (MLP) veranlasste die Staatsanwaltschaft Mannheim vor zweieinhalb Wochen zu einem ungewöhnlichen Großeinsatz. An vier Stellen zugleich schlug die Behörde am 19. April zu. Durchsucht wurden Büros der DG-Bank, der BHF-Bank, der Heidelberger Volksbank sowie der Deutschen Börse in Frankfurt-Hausen.

FRANKFURT/M. Im Blickpunkt der Ermittler stehen auffällige Kursbewegungen der MLP-Aktie im August letzten Jahres, als über die Aufnahme des Finanzdienstleisters in den Deutschen Aktienindex (Dax) entschieden wurde. Finanzkreise billigten dem Konzern gute Chancen zu. Aber am Abend des 8. August beschloss die Deutsche Börse überraschend, dass MLP nicht in die Elite-Liga der deutschen Aktien aufgenommen wird. Jetzt hegen die Staatsanwaltschaft und das an den Ermittlungen beteiligte Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) den Verdacht, Eingeweihte hätten die Aktie mit Gewinn verkauft, weil sie frühzeitig von der Entscheidung Wind bekommen haben könnten. Alle drei durchsuchten Banken fielen zum fraglichen Zeitpunkt mit großen Aktivitäten bei MLP-Aktien auf.

Obwohl offiziell gegen unbekannt ermittelt wird, konzentrieren sich die Untersuchungen auf den Arbeitskreis Aktienindizes. Dieses Vorgehen liegt auf der Hand: Denn obwohl die letzte Entscheidung über die Dax-Zusammensetzung bei der Börse liegt, richtet sie sich de facto stets nach den Vorschlägen des Expertengremiums. Zwei der drei durchsuchten Banken - die DG-Bank und die BHF-Bank - gehören dem exklusiven Kreis an. Dagegen scheint die Heidelberger Volksbank aus dem Schneider zu sein. Zwar verkaufte ein Kunde der Bank tatsächlich ein größeres MLP-Paket, doch hatte er den Auftrag schon lange zuvor erteilt. Zum Stand der weiteren Ermittlungen teilte das BAWe gestern mit, die Auswertung der beschlagnahmten Unterlagen dauere noch an.

Auffallend ist der Kursverlauf der MLP-Aktien am 8. August. Nachdem der Titel in den Tagen zuvor wegen der Spekulationen über die Dax-Aufnahme kräftig zugelegt hatte, stürzte er am Morgen des entscheidenden Tages um gut 10 % ab. Der Dax-Arbeitskreis tagte freilich erst ab 17 Uhr - bis dahin hatte sich der Kurs wieder etwas erholt. Während der Sitzung selbst kam es dann nicht mehr zu auffälligen Kursbewegungen. Wenn es also Insiderhandel gegeben haben sollte, dann vor Beginn der Sitzung.

MLP-Gründer stellt Anzeige

Tatsächlich dürfen die Mitarbeiter des Arbeitskreises den Tagungsraum während des Treffens nicht verlassen. Auch die Benutzung von Mobiltelefonen ist untersagt. Denkbar wäre allenfalls, dass sich Mitarbeiter des Arbeitskreises im Vorfeld der Sitzung bei ihren Kollegen über den Stand der Meinungen informiert und ihr Wissen zu Verkäufen genutzt haben könnten.

Nicht ausgeschlossen scheint aber auch, dass es sich bei den Verkäufen um Gewinnmitnahmen nach den Kursgewinnen der Vortage gehandelt haben könnte. Dass es nicht immer einfach ist, zwischen normalen Spekulationen und Insiderhandel zu unterscheiden, weiß auch das BAWe. Das Amt hatte den MLP-Kurs in der fraglichen Zeit ebenfalls unter die Lupe genommen, war aber bis zum Eingang der Anzeige nicht zu eindeutigen Schlussfolgerungen gelangt.

Pikantes Detail: Nach Angaben des "Spiegels" erhielt die Staatsanwaltschaft die Anzeige ausgerechnet von Manfred Lautenschläger, Gründer und Aufsichtsratschef von MLP. Vielleicht will Lautenschläger ja auf diese Weise nebenbei klären lassen, warum sein Unternehmen nicht in die oberste deutschen Aktienliga aufstieg. Die Banken im Arbeitskreis dürften jedenfalls kein überragendes Interesse haben, den Konkurrenten MLP in den Dax zu hieven - schließlich wirkt die Zugehörigkeit zu dem Börsenbarometer nicht nur am Aktienmarkt, sondern auch bei Kunden wie eine Art Gütesiegel. Offiziell wurde die Entscheidung, MLP nicht aufzunehmen, unter anderem damit begründet, dass es bereits viele Banken und Versicherungen im Dax gebe.

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