Noch keine Pläne zum Stellenabbau
Banken geben Fairchild Dornier Kredit

Die von Insolvenz bedrohte Fairchild Dornier GmbH, Oberpfaffenhofen, hat von einem Bankenkonsortium aus Hypo-Vereinsbank AG, Bayerischer Landesbank und Kreditanstalt für Wiederaufbau bereits einen Teil des in Aussicht gestellten Massekredits von 20 Mill. US-Dollar erhalten. Damit sei ein erster Schritt für die uneingeschränkte Fortsetzung des regulären Geschäftsbetriebs geschaffen worden, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Eberhard Braun am Donnerstag mit. Über den gesamten Massekredit von insgesamt 90 Mill. US-Dollar werde es kommenden Montag eine Abstimmung mit der öffentlichen Hand geben, hieß es weiter.

Reuters/vwd MÜNCHEN. In den zwei darauffolgenden Wochen werde nach Einschätzung des Unternehmens eine endgültige und abschließende Entscheidung über den Gesamtkredit erfolgen, hieß es weiter. Der Freistaat Bayern und der Bund hatten sich bereit erklärt, diesen Kredit teilweise mit Bürgschaften abzusichern. Darüber hinaus habe er die Voraussetzungen für "die Sondierung aller denkbaren Kontakte mit potenziellen und strategischen Investoren" geschaffen, teilte Braun weiter mit.

Zudem seien in den USA nicht benötigte und kostenverursachende Aktivitäten stillgelegt worden, darunter die Flügelproduktion. Für die Fortführung des Unternehmens seien ausreichend Tragflächen in Deutschland vorrätig. Das für Marketing und Verwaltung zuständige Personal sei drastisch verkleinert worden. Außerdem teilte Braun mit, dass das Arbeitsamt München die Finanzierung des Insolvenzgeldes für die Beschäftigten in Deutschland für drei Monate genehmigt und eine unabhängige Bank eine Finanzierungszusage erteilt habe.

Die Bundesregierung hat nach Angaben aus EU-Kreisen bei der Europäischen Kommission eine staatliche Beihilfe für den insolventen Regionalflugzeugbauer Fairchild Dornier in Aussicht gestellt. Das Bundesfinanzministerium habe am Mittwoch signalisiert, bereits in Kürze eine staatliche Beihilfe bei der EU-Kommission anzumelden, hieß es am Donnerstag in den Kreisen in Brüssel. Um welche Art der Beihilfe es sich handeln würde, sei aber noch unklar, hieß es weiter. Vermutlich gehe es um eine Rettungsbeihilfe, die entweder in einem Darlehen oder einer Garantie bestehen könne. Eine solche Beihilfe zur Unterstützung von in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen müsste nach sechs Monaten zurückgezahlt werden oder in einen von der EU-Kommission zu genehmigenden Sanierungsplan münden, hieß es weiter.

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) hatte am Dienstag die Bereitschaft des Bundes zur Hilfe für den Flugzeugbauer angedeutet. Zugleich hatte er darauf verwiesen, dass zunächst die bayerische Landesregierung am Zuge sei. Für die Anmeldung einer Beihilfe in Brüssel wäre in jedem Fall der Bund zuständig.

Zerlegung des Konzerns wird nicht ausgeschlossen

Der Geschäftsführer des Unternehmens, Brandt, will mit potenziellen Investoren in den nächsten vier bis acht Wochen ein tragfähiges Konzept zur Rettung des Unternehmens aushandeln. Eine Zerlegung des Konzerns schließt er dabei jedoch nicht aus. Die Gespräche mit den Interessenten, die in den vergangenen Tagen wegen des Insolvenzantrags ausgesetzt worden waren, würden in Kürze wieder aufgenommen. Er gehe davon aus, dass auch manche Unternehmen aus der Branche, die bisher bei der Frage einer Übernahme offiziell abgewunken hatten, sich nach dem Insolvenzantrag wieder für Fairchild Dornier interessieren könnten.

Mit mehreren Interessenten sollten in Kürze weitere Gespräche geführt werden. Namen wollte Brandt weiterhin nicht nennen. In der Branche gelten aber der US-Konzern Boeing, der brasilianische Regionalflugzeugbauer Embraer und der Kleinflugzeughersteller Beechcraft, der zum Raytheon-Konzern gehört, als potenzielle Investoren. Die kanadische Bombardier und der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, für den Fairchild Komponenten liefert, hatten indes abgewunken.

Brandt schließt dabei nicht aus, dass einzelne Unternehmensteile an verschiedene Käufer gehen könnten. "Ob eine Zerlegung erfolgt, muss man sehen. Das muss auch nicht immer das Schlechteste sein", sagte Brandt. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte unter Berufung auf Branchenkreise berichtet, dass keiner der möglichen Käufer die Firma als Ganzes übernehmen wolle. So habe Boeing vor allem Interessen an der bis zu 110-sitzigen Jet-Familie 728 von Fairchild Dornier als Ergänzung zu ihrem Produktangebot. Raytheon werde dagegen Interesse am 30-Sitzer 328 nachgesagt. Die EADS-Tochter Airbus sei am Fortbestand der Komponentenfertigung interessiert.

"Fairchild Dornier hat sich in der Vergangenheit als unglaublich krisenfest bewiesen", gab sich Brandt optimistisch. Natürlich gebe es bei den Beschäftigten Angst und Sorge über die Zukunft. Bisher gebe es aber keine Pläne für einen Stellenabbau hier zu Lande.

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