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Noch keine Trendwende bei Kinderarmut

Konjunkturkrise und Arbeitslosigkeit drohen nach Ansicht von Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) die Kinderarmut in Deutschland 2005 weiter zu verschärfen.

dpa BERLIN. Konjunkturkrise und Arbeitslosigkeit drohen nach Ansicht von Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) die Kinderarmut in Deutschland 2005 weiter zu verschärfen.

Instrumente wie der neue Kinderzuschlag, die Minijobs oder geförderte Bildungsangebote sollen die Zunahme von Armut mittelfristig stoppen. Eine Trendumkehr sei 2005 aber nicht in Sicht. Schmidt kritisierte am Freitag in Berlin vor allem die mangelnde Bereitschaft der Länder, Armut zu bekämpfen. 1,45 Millionen Kinder lebten von Arbeitslosen- oder Sozialhilfe.

Kinder und Jugendliche seien in Deutschland die am stärksten von Armut betroffene Gruppe, sagte die Ministerin. Die wirtschaftlichen Probleme der Familien seien häufig auch mit Bildungsdefiziten bei den Eltern, schlechter gesundheitlicher Versorgung, Überschuldung und mangelnder Alltagskompetenz verbunden. "Wir können nicht nach dem Gießkannenprinzip staatliche Mittel verteilen, um die Einkommensarmut zu stoppen. Wir müssen neben finanzieller Unterstützung auch die Haushaltskompetenz der Familien stärken", sagte Schmidt.

Um die Armutsrisiken zu bekämpfen, müssten Bund, Länder und Kommunen gemeinsam handeln, forderte Schmidt. Trotz aller Sparzwänge fehle den Ländern dazu die Bereitschaft. So seien Bildungsstätten, in denen Familien lernen können, ihren Alltag zu bewältigen, ebenso unverzichtbar wie Schuldnerberatungen. "Doch wenn Länder wie Hessen und Bayern beispielsweise die Förderung von Schuldnerberatungen kürzen, dann ist das kontraproduktiv." Fast jedem zweiten überschuldeten Haushalt könne ein Ausweg aus der Schuldenspirale gezeigt werden. Schmidt forderte ein flächendeckendes Netz für Beratungsstellen. Bundesweit seien 8,1 Prozent der Haushalte überschuldet.

Die Zahl der künftigen Arbeitslosengeld-II-Empfänger soll auch durch den Kinderzuschlag verringert werden. Die ab 2005 gewährte Leistung soll Eltern unterstützen, die zwar ihren eigenen Unterhalt, nicht aber den ihrer Kinder decken könnten. "Ohne den Zuschlag wären diese Familien auf Arbeitslosengeld II angewiesen", sagte Schmidt. Der Zuschlag kann je Kind bis zu 140 Euro betragen. 150 000 Kinder und ihre Familien könnten so über das Sozialhilfe-Niveau gebracht werden.

Nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) ist soziale Schwäche oft ein familiärer Teufelskreis. "Jugendliche zwischen 16 und 19 Jahren aus sozial schwachen Haushalten haben auch ein überdurchschnittlich hohes Risiko, selbst von Sozialhilfe abhängig zu werden und auch weiter in Armut zu leben", sagte der Sozialexperte des DIW, Gert G. Wagner.

Die Familienministerin hofft auf die so genannten Ein-Euro-Jobs als "Brücke aus der Armut". Die 1 bis 2 Euro pro Stunde würden nicht auf das ALG II angerechnet.

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