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Noch mehr Soldaten gequält?

Bei der Bundeswehr sind möglicherweise mehr Soldaten misshandelt worden als bislang bekannt. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Willfried Penner, sagte der Zeitung „Die Welt“, er habe eine entsprechende Eingabe erhalten. „Dem gehen wir nach.“

dpa BERLIN. Bei der Bundeswehr sind möglicherweise mehr Soldaten misshandelt worden als bislang bekannt. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Willfried Penner, sagte der Zeitung "Die Welt", er habe eine entsprechende Eingabe erhalten. "Dem gehen wir nach."

Das Verteidigungsministerium konnte sich dazu nicht äußern, da es nach Angaben eines Sprechers zunächst nicht über den angeblichen neuen Vorfall informiert wurde. Am vergangenen Wochenende war bekannt geworden, dass etliche Soldaten im münsterländischen Coesfeld von ihren Ausbildern gequält worden sind.

Die Soldaten berichteten laut "Bild"-Zeitung, dass sie bei einer nachgestellten Geiselnahme gefesselt, geschlagen und mit Wasser abgespritzt worden seien. Nur ein Soldat habe sich getraut, das Codewort "Tiffy" zu sagen und damit die Gewalttätigkeit zu beenden. Der neue Fall, den der Wehrbeauftragte nun untersuche, soll sich ebenfalls in einer nordrhein-westfälischen Garnison abgespielt haben und der Coesfelder Geiselhaft-Übung ähnlich sein, schreibt die "Welt".

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes (Dbwv), Bernhard Gertz, sagte der "Netzeitung", der Folterskandal sei ein klares Argument für den Erhalt der Wehrpflicht. "Wer Wehrpflichtige ausbildet, der muss mehr Energie aufwenden. Wer Zeitsoldaten ausbildet und es sich einfach machen will, hat immer ein Druckmittel, indem er sagt, "entweder du spurst oder du fliegst"". Mit Druck könne man Wehrpflichtige aber nicht beeindrucken. "Die Neigung zu Stromlinienförmigkeit ist mit Sicherheit bei freiwillig dienenden Soldaten größer als bei Wehrpflichtigen." Als Konsequenz aus den Misshandlungen fordert Gertz eine Verschärfung der Dienstaufsicht.

Der Bielefelder Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer forderte eine kritische Überprüfung der Bundeswehr. "Nur wenn unabhängige Beobachter die Strukturen systematisch untersuchen, kann dies Effekte haben und solche Vorfälle wie in Coesfeld verhindern", sagte der Soziologe in einem dpa-Gespräch. Bislang habe die Bundeswehr Untersuchungen von Unabhängigen etwa zu rechtsextremen Vorfällen verweigert. Nur in Einzelfällen sei detailliert ermittelt worden.

Der Jurist Matthias Mahlmann von der Freien Universität (FU) Berlin nannte die Coesfelder Vorkommnisse Körperverletzung. Rekruten zu misshandeln sei in jeder Hinsicht unzulässig, sagte der Experte für Menschenrechte und Menschenwürde in einem dpa-Gespräch.

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