„Noch nicht erkannt, wie gut Internet und Tourismus zusammen passen“
Für Travel24.com geht die Reise abwärts

An der Börse stehen Internet-Reiseanbieter wie Ebookers, Expedia und Lastminute.com schon seit geraumer Zeit unter Druck. Die Travel24.com AG, deren Aktienkurs seit der Erstnotiz um 84 % (von 29 auf aktuell 4,70 Euro) fiel, setzt dessen ungeachtet auf weitere Expansion durch internationale Kooperationen und Unternehmens-Zukäufe.

DÜSSELDORF. Im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung am (morgigen) Dienstag will sich der Vorstand der Travel24.com AG die Schaffung eines genehmigten Kapitals und die Ermächtigung zum Rückkauf eigener Aktien bewilligen lassen. Maßnahmen, durch die man auf Sicht von fünf Jahren die notwendige Kapitalausstattung erreichen möchte, um auf aktuelle Marktentwicklungen adäquat reagieren zu können. Damit seien Unternehmens-Zukäufe und weitere internationale Kooperationen gemeint, erläutert der für Investor Relations zuständige Klaus Artmann im Gespräch mit Handelsblatt.com.

Die derzeit angespannte Börsensituation und eine für Internet-Aktien ungünstige Stimmungslage hätten bei einigen Wettbewerbern zur Verschiebung von Geschäftsplänen und Börsengängen gesorgt: "Offensichtlich ist an der Börse noch nicht in ausreichendem Maße erkannt worden, wie gut Tourismus und Internet zusammen passen", so Artmann. Daher mache es für Travel24.com Sinn, durch einen "strategischen Vorratsbeschluss" die Liquidität zu stärken, "um eventuell Schnäppchen machen zu können". An welche Unternehmensübernahmen bzw. Kooperationen dabei konkret gedacht wird, wurde noch nicht verraten.

Aktie fiel seit März von 32 auf 4,70 Euro

Auf der Tagesordnung für die außerordentliche HV steht des weiteren der bereits zum IPO-Zeitpunkt bekannt gegebene Beschluss über die Umstellung von 4,2 Millionen Namensaktien der Gesellschaft auf Inhaberaktien. Dadurch soll nach Zulassung der Aktien die für die Berechnung der Indizes entscheidende Börsenkapitalisierung fast verdoppelt werden. Pläne, die seit Ende Oktober bekannt sind, bei Aktionären und Analysten bislang aber keine Euphorie auslösen konnten. Wie schon in der Vergangenheit: Das virtuelle Reisebüro wurde von der Commerzbank Anfang März zu einem Emissionskurs von 29 Euro/Aktie an den Neuen Markt gebrachte und am 14. Juni noch als "Kaufempfehlung" bewertet. Doch mehr als der schmale Zeichnungsgewinn von 3 Euro zum Börsenstart war nicht drin. Nach einem Höchstkurs von 32 Euro fiel die Aktie fast permanent. Am 25. Oktober notierte Travel24.com bei 8 Euro, am (heutigen) Montag waren es 4,70 Euro. Das entspricht einem Kursverlust seit Erstnotiz von 84 %.

Der Konkurrenz geht es noch schlechter

Darauf angesprochen, verweist Klaus Artmann auf die (noch schlechtere) Performance der Konkurrenz. Wie schon im letzten Halbjahresbericht von Travel24.com geschehen, wird der Vergleich zu Ebookers.com gesucht, deren Kurschart noch ein wenig steiler verläuft - nach unten. Die Tatsache, dass es den Online-Wettbewerbsunternehmen teilweise noch schlechter geht, wird Travel24-Aktionären indes wenig Trost bieten. Sie dürfen sich aber immerhin damit trösten, dass verschiedene Experten dem Online-Reisemarkt weiterhin enormes Wachstumspotenzial zusprechen. So erwartet der Deutsche Reisebüro-Verband, dass rund ein Drittel des Touristischen Umsatzes ins Internet abwandern wird.

Weniger als 1 % der Website-Besucher bucht tatsächlich

"Wie geplant", so sagt Klaus Artmann, "wollen wir im vierten Quartal die Verlustzone verlassen und den Break even erreichen." Ein ehrgeiziges Ziel. Denn zurzeit bucht nach seinen Ausssagen von 100 Besuchern auf der Website www.travel24.com noch nicht einmal einer tatsächlich eine Reise.

Damit liegt Travel24.com - trotz einer stark ansteigenden Zahl von Page Impressions - weit hinter den Einschätzungen zurück, zu denen BNP Paribas in einer Studie vom 21. Februar gekommen war. Demzufolge müsste sich das Verhältnis von Reiseinteresse zu Reisebuchung etwa 1:5 bis 1:7 verhalten. Daten dazu, wie viele Kunden als zufriedene Reisebucher sogar zum wiederholten Mal den Reisebuchungsservice per Internet nutzen, liegen noch gar nicht vor.

Konzernfehlbetrag: minus 19,4 Mill. DM

Travel24.com bezeichnet sich als "einer der führenden deutschen Internet-Reiseanbieter". Das Angebot umfasst über 70 000 Hotels, circa 750 Fluglinien, Pauschalreisen, Mietautos sowie Eintrittskarten für kulturelle und sportliche Ereignisse. Das Unternehmen betreibt zurzeit mit 62 Online-Unternehmen Kooperationen, um vor allem die eigene Markenbekanntheit durch Präsenz auf möglichst vielen Websites zu erhöhen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres stieg der Nettoumsatz um 323 % auf 8,8 Mill. DM an. Der Konzernfehlbetrag belief sich auf minus 19,4 Mill. DM.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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