"Noch nie haben so wenige so vielen Menschen so lange geschadet"
Raucher in den USA fordern 196 Mrd. Dollar Schadenersatz

Die US-Zigarettenhersteller geraten erneut unter Druck. Mit einer Sammelklage vor einem Gericht in Miami wollen geschädigte Raucher zu ihrem Recht kommen.

afp MIAMI. Im Schadenersatzprozess gegen die fünf großen US-Tabakkonzerne haben die Kläger eine Rekordentschädigung von 154 Milliarden Dollar (316 Milliarden Mark) verlangt. Ihr Anwalt Stanley Rosenblatt nannte den Geschworenen in Miami am Montag in seinem Schlussplädoyer eine Spanne von 123 bis 196 Milliarden Dollar; 154 Milliarden Dollar seien eine "angemessene, gerechte Zahl". Das Schmerzensgeld soll unter bis zu 500.000 Sammelklägern aufgeteilt werden. In Florida ist es verboten, dass Unternehmen durch einen Schadensersatzprozess in die Pleite getrieben werden. Philip Morris, R.J. Reynolds, Lorillard, Liggett und Brown und Williamson behaupten, sie könnten nicht mehr als 15 Milliarden Dollar (rund 31 Milliarden Mark) zahlen. Der Richter wies diese Beschränkung bereits zurück.



Die fünf Konzerne waren bereits vor einem Jahr schuldig gesprochen worden, wissentlich gesundheitsschädigende Produkte verkauft zu haben. Im April sprach die Jury drei Geschädigten einzelne Entschädigungen in Millionenhöhe zu. Mit der Festsetzung der Schadenssumme in der nun laufenden Sanktionsphase des Prozesses wird Ende des Monats gerechnet. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die Firmen in Berufung gehen. Die Sammelklage wurde 1994 eingereicht. Die Hauptverhandlung begann 1998.



Die Industrie hatte während der Beweisaufnahme eingeräumt, dass sie über Jahre hinweg über die Gefahren des Rauchens log. Die Firmenchefs argumentierten jedoch, sie hätten ihr Verhalten mittlerweile geändert. Außerdem seien sie durch die außergerichtliche Einigung über die Zahlung von rund 250 Milliarden Dollar, die sie Ende 1998 mit den US-Bundesstaaten getroffen hatten, schon genug gestraft. Rosenblatt appellierte an die Jury, diese Argumente zu verwerfen. Die Strafe müsse hart genug sein, damit die Konzerne sie auch zu spüren bekämen.

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