Noch Platz für Ausstellungen zu Nischenthemen
Immobilienmesse Mipim ist zu teuer

Sehen und gesehen werden. Das schätzen Immobilienprofis so sehr an ihrem Branchentreff Mipim in Cannes. Wer hinfährt, braucht eine dicke Brieftasche. Die Expo Real in München ist weniger kostspielig.

DÜSSELDORF. Eines haben Filmsternchen und Immobilienprofis gemeinsam: eine Vorliebe für Cannes. Wo könnte man sich schließlich angemessener in Szene setzen als im Licht der französischen Riviera. Und so treffen im "Palais des Festivals" an der legendären "Croisette" nicht mehr nur schlanke Schönheiten auf mächtige Filmbosse. Auch die europäische Immobilienwirtschaft versammelt sich alljährlich im März an der Côte d?Azur auf dem "Marché International des Professionnels de l?Immobilier", kurz Mipim genannt. Was vor 13 Jahren als Novum startete, gilt heute als die europäische Leitmesse für Gewerbeimmobilien. "Für ein international aufgestelltes Unternehmen ist die Teilnahme an der Mipim unverzichtbar", sagt Oliver Stumm von Projektentwickler Hochtief Development. Ähnlich sieht man das bei DB Real Estate: Der Messetermin im März sei "ein Muss".

Doch längst hat die Mipim Konkurrenz bekommen: Seit 1998 buhlt im Herbst die Münchener Expo Real um Aussteller und Fachbesucher. Wie ihr Vorbild nennt sie sich "Internationale Fachmesse für Gewerbeimmobilien", und allen Unkenrufen zum Trotz hat sie sich mit einem eigenen Profil neben Cannes etabliert. "Die Expo Real ist eine echte Dealmesse, die Mipim eine reine Kontaktmesse", bringt Jürgen Leibfried, geschäftsführender Gesellschafter der Berliner Bauwert Property Group, den Unterschied auf den Punkt. Torsten Angermann, Chef der Hamburger Angermann Holding, bestätigt: "Es ist die Stärke der Mipim, dass man hier in kurzer Zeit mit sämtlichen Entscheidungsträgern der Branche sprechen kann."

Renate Kölbel, Mit-Gesellschafterin der Trombello Kölbel Immobilienconsulting in Düsseldorf, indes sieht erste Abnutzungserscheinungen. Noch hielten viele Cannes als Branchentreffpunkt für unverzichtbar: "Die Frage ist nur: Wie lange noch?" Mehr und mehr sei die Messe zum "Partytreff" geworden, kritisiert sie. Cannes, das heißt nämlich auch: Lunch im Strandrestaurant, Cocktailempfang im feinen Hotel Majestic, Dinner-Event im Haus des Modeschöpfers Pierre Cardin, Golfen in Mandelieu und zwischendurch der Besuch auf einer der strahlend weißen Yachten im "Vieux Port". Da kann die "Weltstadt mit Herz" nicht mithalten, schon gar nicht im Herbst. Doch gerade ihre Nüchternheit hat die Expo Real zum Markenzeichen erhoben. "Auf der Expo Real wird gearbeitet", urteilt Torsten Angermann.

Deutsche Tugenden statt mediterranem Laisser-faire - das Konzept geht auf. Im vergangenen Herbst stieg die Zahl der Expo-Real-Aussteller um 33 Prozent auf 1 188 und die der Besucher um 16 Prozent auf 14 869. Damit liegen München und Cannes fast gleichauf: 2002 zählte man auf der Mipim 1 888 Aussteller und 15 257 Besucher. In diesem Jahr wird der Messeprimus wohl deutlich Federn lassen müssen. Vor allem viele Deutsche - 2002 die größte Ausstellergruppe - bleiben in diesem Frühling zu Hause. Veranstalter Reed Midem rechnet mit einem Rückgang zwischen 30 und 35 Prozent. Ähnlich groß dürfte das Minus bei den Besucherzahlen ausfallen: Die überwiegende Mehrzahl der Unternehmen fährt einen harten Sparkurs. Anders als zur Expo Real leistet sich nur noch die oberste Führungsebene die Reise an die Côte d'Azur. Der Grund: "Die Kosten für die Mipim-Teilnahme sind absurd", sagt Jürgen Leibfried, und Torsten Angermann stimmt ein: "Die Messe hat den Bogen überspannt."

Es sind nicht die reinen Standkosten: Für eine 120 Quadratmeter (qm) große Fläche zahlen Aussteller je nach Lage zwischen 480 und 508 Euro/qm, in München sind es 400 bis 420 Euro. Heftig zu Buche schlagen Eintritts-, Catering- und Hotelpreise. So haben pro Aussteller lediglich maximal vier Personen freien Zugang, für jede weitere werden 356 Euro Eintritt fällig. Mitaussteller auf Gemeinschaftsständen zahlen 590 Euro pro Person, Besucher 1 100 Euro. Anders in München: Hier gibt es für einen 120-Quadratmeter-Stand 14 kostenlose Dauerkarten (regulärer Preis für Besucher: 235 Euro). Gästekarten bekommen Aussteller für 60 Euro. Seine Verpflegung selbst zu organisieren ist in München kein Problem. Bei der Mipim sind die Aussteller an die teuren Caterer des Messebetreibers gebunden. Und weil Hotelbetten in Cannes Mangelware sind, schlagen auch die Hoteliers kräftig zu.

Dennoch, räumt selbst Mipim-Kritiker Wulff Aengevelt, geschäftsführender Gesellschafter des Düsseldorfer Maklerhauses Aengevelt Immobilien, ein: "Auch wenn sie in der Krise steckt, sie wird überleben." Immobilienberater Angermann sieht es so: "Im Frühjahr wird in Cannes akquiriert, im Herbst in München das Geschäft gemacht."

In der Zwischenzeit könnten künftig zwei weitere Immobilienmessen ihre Nische finden: die Leipziger Reallocation als Standortmesse für Mittel- und Osteuropa und die Cityscape in Essen. Die Leipziger haben ihre Feuertaufe bereits hinter sich: Zum zweiten Mal werden sie in diesem Mai Unternehmen, die nach Polen, in die Tschechische Republik, Ungarn oder die Slowakische Republik expandieren wollen, mit Kommunen, Projektentwicklern, Beratern und Banken zusammenbringen. Tief im Westen wird es im Juli eine Premiere geben: Die Cityscape, eine Kombination aus Kongress und Ausstellung, widmet sich ganz dem Thema Stadtentwicklung in den deutschen Metropolregionen. Ihr Erfolg dürfte vor allem davon abhängen, ob sie sich von der Cimmit, der etablierten Wiesbadener Auftaktveranstaltung des Messe- und Kongressjahres, inhaltlich klar wird abheben können.

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