Noch sind die gehandelten Volumina überschaubar
Metro erreicht Ziele im Internet-Handel

In zwei bis drei Jahren will die Metro fünf Prozent ihrer Einkäufe via Internet abwickeln - erste Erfahrungen hätten gezeigt, dass das funktionieren könne. Metro und Karstadt-Quelle berichten, dass sie die Einkaufspreise mit Hilfe der E-Markets im oberen einstelligen Prozentbereich senken können.

DÜSSELDORF. Die Düsseldorfer Metro AG zieht eine positive Zwischenbilanz für ihr Engagement in Internet-Marktplätzen. "Unsere Erfahrungen zeigen, dass die gesteckten Ziele auch erreicht werden", sagt Metro-Vorstand Zygmunt Mierdorf. Als erstes deutsches Handelsunternehmen hatte sich der Metro-Konzern im März 2000 an der zweitgrößten Internet-Handelsplattform für den Einzelhandel, Global-Net-Xchange (GNX), beteiligt.

Zwar seien die Volumina, die der Handelskonzern über GNX-Auktionen bewege, noch überschaubar. Doch der Vorstand schätzt, dass Metro in zwei bis drei Jahren etwa 5 % des Beschaffungsvolumens über GNX abwickeln wird. Bei der Gründung hatten die Partner zugesichert, dass sie mittelfristig drei Viertel der Gesamtbeschaffung über die Plattform abwickeln wollen.

"Das Interesse der Unternehmen an Internet-Marktplätzen ist erheblich", sagt Bernd W. Wirtz, Professor für Betriebswirtschaft an der Universität Witten/Herdecke. Denn Marktplätze böten den Unternehmen die Chance, die Kosten kräftig zu senken. Die Spareffekte wüchsen mit den Beschaffungsvolumina, die über die Marktplätze gehandelt würden, berichtet der Experte. Die einfache Faustregel: Je größer die Beschaffungssumme, desto effizienter arbeitet der E-Market und umso mehr können die Unternehmen sparen. Größe ist deshalb laut Wirtz ein wichtiges Erfolgskriterium für Plattformen. Pro Branche könnten sich daher allenfalls drei bis fünf Marktplätze durchsetzen, glaubt der Betriebswirt und Internetfachmann.

Wirtz erwartet, dass der Einzelhandel, für den E-Markets schon zur festen Größe geworden sind, in Zukunft bis zu 50 % der Beschaffung über Internet-Auktionen abwickeln wird. Zwei große Plattformen beherrschen die Szene: Die World Wide Retail Exchange (WWRE) aus Alexandria bei Washington D.C., die ein Einkaufsvolumen von rund 600 Mrd. $ repräsentiert und der Metro-Partner Global-Net-Xchange (GNX) aus San Francisco, die ein Beschaffungspotenzial von 270 Mrd. $ darstellt.

Laut Mierdorf lassen sich die Einkaufspreise mit Hilfe der E-Markets deutlich senken: Bei der Metro liegen die Einsparungen im oberen einstelligen Prozentbereich. Der Essener Karstadt-Quelle-Konzern beziffert die Spareffekte mit 4 bis 8 %. In einer Branche, in der Netto-Umsatzrenditen von einem Prozent die Regel sind, findet Mierdorf diese Kostensenkung beachtlich.

Besonders viel versprechend sind die Sparmöglichkeiten in der Logistik. Hier, so schätzen Experten, ließen sich bis zu 30 % einsparen. Wie hoch die Effekte tatsächlich ausfallen, kann der Metro-Vorstand jedoch erst in einem halben Jahr sagen. Dann sind Pilot-Projekte mit Procter & Gamble sowie Henkel abgeschlossen. Bei diesen Projekten geht es um mehr als reines Kostensparen. Hier dient GNX als technische Plattform, über die Hersteller und Händler ihre Produktdaten zusammenbringen - Kürzel CPFR (Gemeinsame Planung, Prognose und Bestandsführung).

Dabei werfen beide Parteien ihre Daten und ihr Know-how in einen Topf, um eine möglichst präzise Planung zu erstellen. Beispiel: Plante der Metro-Konzern ein groß angelegtes Sonderangebot, musste er die beworbene Ware bisher vier Wochen vorher auf Lager legen, um auch lieferfähig zu sein. Indem Metro seinem Lieferanten im Vorfeld Details über die Aktion zukommen lässt, kann der Hersteller die Produktion präzise darauf abstimmen und kurzfristig liefern. "Der Hersteller ist mitverantwortlich, dass die Ware rechtzeitig im Laden ist", sagt Mierdorf.

Andere GNX-Mitglieder arbeiten derzeit ebenfalls an CPFR-Projekten: Carrefour testet mit dem Lebensmittelhersteller Unilever und der Kaufhauskonzern Pinault Printemps Redoute (PPR) mit dem Sportartikler Nike. Sollte sich herausstellen, dass die Partner ihre Kosten beträchtlich senken können, könnte das die Beziehung zwischen Industrie und Handel, die bisher eher von Konfrontation geprägt ist, zum Besseren wandeln, glaubt Mierdorf.

Nach der Gründung vor fast zwei Jahren hat der Marktplatz GNX sehr schnell Fahrt aufgenommen. Bisher wurden über Auktionen Waren im Wert von 2 Mrd. $ gehandelt, wie Mierdorf berichtet. 2002 soll sich das Volumen auf 6 Mrd. $ verdreifachen. Stück für Stück komme die Standardisierung der Informationen für die Beschreibung einzelner Artikel voran. So nähere man sich der Ära der "Just-in Time-Bestellung."

Gnx und die Konkurrenz

Neben der Metro AG sind die Handelskonzerne Sears Roebuck, Kroger (USA), Carrefour, Pinault-Printemps-Redoute (Frankreich), J. Sainsbury (GB), Colesmyer (Australien), Karstadt Quelle sowie Price Waterhouse C. und als Technologie-Spezialist Oracle an GNX beteiligt. Die Plattform repräsentiert ein Einkaufsvolumen von 270 Mrd. $. Konkurrent ist World Wide Retail Exchange (WWRE) in den USA, der ein Einkaufsvolumen von 600 Mrd. $ repräsentiert. Hier finden sich Handelsgrößen wie Ahold, Rewe, Tesco, Otto Versand oder Kmart. GNX kassiert von den Marktteilnehmern für die einzelnen Transaktionen (Auktionen) Gebühren, die sich nach dem Umsatzvolumen richten. Die Gesellschaft hat 140 Mitarbeiter. Die Einschätzungen über die beiden Plattformen gehen weit auseinander: Die einen denken, dass GNX überleben werde, andere glauben an WWRE. Dritte sind überzeugt, dass eine Fusion beider Plattformen unausweichlich sei.

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