Noch viele D-Mark-Kunden: Erster Tag mit Euro im Handel gut angelaufen

Noch viele D-Mark-Kunden
Erster Tag mit Euro im Handel gut angelaufen

Der erste Werktag mit dem neuen Euro-Bargeld ist im deutschen Einzelhandel überwiegend ohne große Probleme angelaufen, auch wenn die Kunden mitunter an den Kassen warten mussten. "Die Umstellung auf den Euro verläuft in den 460 000 Geschäften bislang reibungslos", sagte der Sprecher des Einzelhandel-Verbands, Hubertus Pellengahr am Mittwoch.

Reuters DÜSSELDORF. Bei den großen Kaufhäusern und Supermarktketten hieß es, viele Kunden zahlten noch in D-Mark. Nur in Einzelfällen nahmen Händler die D-Mark nicht mehr an. Gerüchte, man könne nicht mehr mit der D-Mark bezahlen, führten aber zu einem Ansturm auf die Schalter von Banken. Einzelne Lebensmittelketten senkten zum Euro-Start ihre Preise.

"Der Probelauf vom Vortag macht sich bezahlt", sagte HDE-Sprecher Pellengahr. Der erste normale Geschäftstag mit dem Euro verlaufe bislang "reibungslos und unspektakulär". Von ähnlichen Erfahrungen berichtete auch die Handelsgruppe Tengelmann, die in Deutschland 750 Kaiser-Tengelmann Filialen und 2700 Plus-Discountmärkte betreibt. "Die Kunden sind sehr geduldig", sagte eine Sprecherin in Mülheim. Auch bei der mit 2200 Filialen größten europäischen Bäckerei-Kette Kamps hieß es, die Kunden nähmen die mitunter die durch das Umrechnen von Mark auf Euro ausgelösten längeren Wartezeiten geduldig und freundlich hin.

Ansturm in Kaufhäusern bleibt aus

Bis zum Mittag blieb der große Ansturm in den großen deutschen Warenhäusern aus. "Die Kunden schlafen länger oder sind im Urlaub", sagte Karstadt-Geschäftsführer Wolfgang Wirz in München. Meistens zahlten die Kunden mit D-Mark. "Die neuen Euro bleiben noch im Geldbeutel." Ähnlich verhalten verlief auch der Auftakt in der Dresdner Karstadt-Filiale. "Die Kunden zücken ihre letzte D-Mark, schauen aber beim Euro-Wechselgeld genau hin", sagte Geschäftsführer Thomas Mader. Der KarstadtQuelle-Konzern hält nach früheren Angaben rund 320 Tonnen Euro-Wechselgeld bereit. "Wir behandeln die D-Mark wie symbolisches Falschgeld", scherzte Kaufhof-Geschäftsführer Günter Biere in Frankfurt und versicherte, sowohl D-Mark als auch Euro würden angenommen. Nach seinen Worten werden die D-Mark-Münzen an den Kassen sofort in Metallbehälter unter den Tischen gesammelt. Auch bei dem Discounter Aldi kann man an allen Kassen mit beiden Währungen bezahlen.

Bei kleineren Geschäften und Wochenmarktständen verlief der Start ins Euro-Zeitalter ebenfalls weitgehend entspannt. "Manche Kunden sind noch unsicher, viele nehmen das Ganze aber mit Humor", sagte ein Blumenhändler auf einem Wochenmarkt in Frankfurt. Das Kassenpersonal berichtete in den meisten Geschäften von gelassenen Kunden. Noch zahlte die Mehrzahl der Menschen mit D-Mark, als Wechselgeld gab es fast überall Euro.

Wechselkassen und selbstgebastelte Starter-Kits

Auf unterschiedlichste Weise handhabten die Läden das Hantieren mit zwei Währungen. Ein Tabakwarenladenbesitzer hatte eine eigene Wechselkasse eingerichtet, damit die Kunden an der Kasse nur in Euro bezahlten. Eigene Euro-Starter-Kits in Höhe der gängigen D-Mark-Scheinbeträge hatten ein Gemüsestandbetreiber oder eine Bäckerei in Düsseldorf gebastelt, um ein Umrechnen an der Kasse ebenfalls zu verhindern.

"Wir haben Euro ohne Ende", berichtet eine Kassiererin bei der Drogeriekette Schlecker. Die seien auch notwendig, da die meisten Kunden noch in Mark bezahlten. D-Mark-Münzen kämen bei ihr in eine Plastiktüte, die immer mal wieder in den Tresor entleert werde. D-Mark-Scheine werden in einer Ecke der Kasse gestapelt. Einfacher haben es die Kassiererinnen in einer Düsseldorfer Kaufhof-Filiale, die auf zwei Kassen zurückgreifen können. An der Zentralkasse können Kunden vor ihrem Einkauf auch Mark gegen Euro eintauschen. Die Inhaberin eines Zeitungskiosks an der Düsseldorfer Einkaufsmeile Königsallee freute sich, dass etwa die Hälfte ihrer Kundschaft schon in Euro bezahlen. "Die brauchen ihre Starter-Kits auf", vermutete sie.

800 bis 1000 Tonnen Wechselgeld

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) schätzt, dass die Geschäfte vier bis zwölf Mal so viel Wechselgeld wie an normalen Tagen vorhalten müssen. Die Rewe-Gruppe hat den Bedarf für ihre 9 500 Geschäfte auf 800 bis 1000 Tonnen geschätzt. "Wir sind so ausgestattet, dass es keine Probleme gibt", sagte Rewe-Sprecher Schmuck. Bisher sei alles gut angelaufen.

Im deutschen Einzelhandel mit seinen 430 000 Unternehmen wird nach Angaben aus Branchenkreisen an einem normalen Handelstag im Schnitt rund eine Milliarde Euro umgesetzt. Der Handel hat sich dazu verpflichtet, bis Ende Februar die D-Mark noch anzunehmen, auch wenn sie am 1. Januar vom Euro als gesetzliches Zahlungsmittel abgelöst wurde. Vereinzelt nehmen kleine Geschäfte aber nur noch Euro an.

Mehrere große Supermarktketten wie Aldi oder Plus kündigten in großen Anzeigen an, mit der Umstellung auf den Euro würden die Preise gesenkt. Allerdings waren im Lauf des vergangenen Jahres die Preise dort erhöht worden. Eine Plus-Sprecherin sagte: "Bei keinem einzigen Artikel werden wir die Preise mit der Euro-Umstellung erhöhen." Die Textilkette C&A kündigte an, bis Samstag in ihren Geschäften 20 % Rabatt bei Zahlung mit EC- oder Kreditkarten zu gewähren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%