Noch viele Großmarktprojekte geplant
Hypermärkte lassen die Kassen klingeln

Immer mehr Einzelhandelsunternehmen drängen auf den tschechischen Markt. Von Jahr zu Jahr lassen sich mehr ausländische Fachhandelsketten aller Produktgruppen nieder. Dabei konzentriert sich der Gesamtumsatz der Händler zunehmend auf die großen Spieler der Branche.

Prag. Mehr als 70.000 Handelseinrichtungen kämpfen um die Gunst der Kunden. Den meisten kleinen Läden jedoch droht das Aus. Den Markt beherrschen zunehmend die großen Handelsketten mit starkem Auslandskapital im Rücken. Schon heute entfällt auf die fünf umsatzstärksten Handelsfirmen die Hälfte des von den 50 größten Händlern im Land erzielten Gesamtumsatzes. Die Erlöse der Top Ten, fast alle in ausländischer Hand, haben 2002 um 8,4% und damit dreimal schneller zugelegt als die Handelsumsätze insgesamt (+2,7%) und das Umsatzvolumen der zehn Marktführer hat sich gegenüber 1998 (93 Mrd. Kc) auf 192 Mrd. Kc mehr als verdoppelt.

Den größten Umsatzzuwachs verzeichnen jene Händler, die sich in den großen Kaufzentren niedergelassen haben und dort Hypermärkte betreiben. In den 127 tschechischen Großmärkten haben die Kunden 2002 rd. 85 Mrd. Kc ausgegeben. Im Frühjahr 2003, so stellen die Marktforscher der Analysefirmen Incoma Research und GfK Praha, in ihrer jüngsten Studie fest, tätigten schon 40% der Tschechen ihre Einkäufe von Lebensmitteln vornehmlich in Hypermärkten, zum gleichen Zeitpunkt der beiden Vorjahre dagegen waren es erst 33% bzw. 26%.

Auch die Discounter bauen ihr Gewicht als Einkaufsquelle aus. Im Mai 2002 haben ca. 16% und im gleichen Monat des Folgejahres schon 19% der Verbraucher ihren Lebensmittelbedarf vorrangig im Discount-Geschäft gedeckt. Ende Juni 2003 eröffnete die deutsche Discounterkette Lidl ihre ersten Läden in Tschechien und mittelfristig will sie hier mehrere Hundert Märkte betreiben.

Der britischen Konzern Tesco dürfte die erste ausländische Handelskette sein, die im Land auch in das kleine "Lebensmittelgeschäft um die Ecke" einsteigt. "In Großbritannien betreibt Tesco schon solche Läden. In Tschechien ist damit sicher auch zu rechnen, aber noch nicht in diesem Jahr" ließ jüngst der Sprecher des Unternehmens, Veselin Barliev, verlauten.

Trotz der schon zahlreich errichteten Einkaufszentren und Märkte ist der Bedarf an modernen Handelsflächen noch nicht gedeckt. Die Gesamtfläche in den tschechischen großen Kaufzentren beträgt derzeit ca. 800.000 qm. Hinzukommen weitere 635.000 qm in den Hypermärkten. In einigen Regionen wie Mährisch-Schlesien, Südmähren (Brno) und Usti nad Labem ist die Sättigungsgrenze aber fast erreicht, in den südböhmischen Bezirken (Südböhmen, Vysocina) dagegen besteht noch viel Marktpotenzial.

Die mittel- und langfristigen Pläne der Bauträgergesellschaften für die Errichtung neuer großflächiger Läden lassen eine schrittweise Verlagerung der Bauaktivitäten von den Großstädten in Städte mit weniger als 50.000 Einwohnern erkennen. In den Jahren 2003 bis 2004 ist der Bau neuer Kaufzentren - abgesehen von den traditionellen Standorten Prag, Brno, Liberec, Plzen und Ostrava - v.a. in Zlin, Decin, Karlovy Vary und Teplice sowie in einigen Grenzstädten vorgesehen. In den Folgejahren sind Projekte u.a. in Zlin, Karlovy Vary, Frydek Mistek, Ceske Budejovice und Hradec Kralove geplant.

Im Jahr 2003, so ermittelten die Experten von Incoma Research, werden 15 neue Hypermärkte ihre Pforten öffnen und 70.000 bis 80.000 qm Großmarktflächen (nach 75.000 qm und 100.000 qm in den Vorjahren) errichtet. Und auch mittelfristig stehen noch viele Projekte ins Haus. Die zum österreichischen Spar-Konzern gehörende tschechische Gesellschaft Spar will z.B. 2003 fünf neue Märkte errichten und in der Perspektive 25 Hypermärkte gegenüber 13 zu Beginn 2003 betreiben. Die britische Kette Tesco plant bis 2007 den Bau von jährlich drei bis vier Hypermärkten. Im April 2004 will die niederländische Kette Ahold einen Großmarkt in Plzen in Betrieb nehmen, der durch eine Einkaufspassage mit 85 Läden und ein Multikino komplettiert werden soll.

Ambitiöse Ausbaupläne hegen die Fachhandelsketten für Elektrowaren und das Do-It-Yourself-Segment. So will die zur britischen Dixons-Gruppe gehörende Gesellschaft Electro World ihre bisherigen vier tschechischen Großmärkte mittelfristig auf zehn aufstocken und die österreichische Baumarktkette Baumax plant bis 2007 die Eröffnung von jährlich drei neuen Märkten (zz. 21).

Die jüngste Studie der renommierten Beratungsfirma A.T. Kearney über die Attraktivität neuer Einzelhandelsmärkte in der Welt verweist zwar auf den erreichten hohen Grad einer Marktsättigung im tschechischen Einzelhandelsnetz hin und spricht Kapitalanlegern keine Empfehlung für einen Markteintritt oder einen Expansion in Tschechien aus, die Handelsketten aber vermuten auf dem Einzelhandelsmarkt des Landes noch viel Entwicklungspotential. Nach Angaben des Consulters Cushman & Wakefield/Healey & Baker waren 2002 in Tschechien 145 ausländische Einzelhandelsketten direkt oder über Partnerfirmen vertreten und diese Zahl dürfte sich in den nächsten fünf Jahren mindestens verdoppeln. Die Tschechische Republik, so die Analytiker, kann unter allen europäischen Ländern gegenwärtig den größten Zuwachs beim Markteintritt ausländischer Einzelhandelsfirmen auf den lokalen Markt verbuchen.

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