Noch viele Hürden
Fusionsgespräche EMI-Bertelsmann BMG dauern an

Der Wert beider Unternehmen müsse noch geklärt werden. Unklar ist aber auch, ob die Wettbewerbsbehörde dem Zusammenschluss zustimmen wird.

Reuters LONDON/HAMBURG. Der britische Musikkonzern EMI sieht noch viele Hürden auf dem Weg zu einem möglichen Zusammenschluss mit der Musiksparte von Bertelsmann. EMI verwies am Dienstag in London darauf, dass die Zustimmung der Kartellbehörden "noch längst nicht geklärt" sei. Zudem prüfe EMI noch immer die früher geplante Fusion mit dem US-Konkurrenten Warner Music. Bertelsmann kommentierte am Dienstag die derzeit laufenden Gespräche mit EMI nicht. Der Gütersloher Konzern will die Marktposition seiner Unternehmenstochter Bertelsmann Music Group (BMG) ausbauen und spricht deshalb mit EMI über einen Zusammenschluss mit BMG.



Gespräche können noch einige Wochen dauern

Nach den Worten von EMI-Chairman Eric Nicoli gibt es in den Gesprächen mit Bertelsmann noch ungeklärte Schlüsselfragen. Dazu zählte er die Unternehmensbewertungen, das Management und Einspareffekte. Angesichts kartellrechtlicher Veränderungen auf dem Musik-Markt sei es zudem notwendig, die Gespräche mit Bertelsmann "genau und vorsichtig" zu führen. Sie könnten deswegen noch einige Wochen dauern.

Bertelsmann und EMI hatten am 10. November Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss von EMI und BMG offiziell bestätigt. Anfang Oktober hatten EMI und der US-Unterhaltungskonzern Time Warner nach wochenlangen Verhandlungen mit der EU-Kommission ihren Plan vorerst aufgegeben, EMI und Warner Music zum größten Musikunternehmen der Welt zu verschmelzen.

Diese Entscheidung hatte erneut zu Spekulationen geführt, auch Bertelsmann sei an EMI interessiert. Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff hatte Anfang des Jahres angekündigt, sein Unternehmen im Musikgeschäft an die Weltspitze führen zu wollen. Derzeit rangiert BMG dort auf Platz fünf. Für den Ausbau der Marktposition sei auch der Kauf einer Plattenfirma oder eines Musikclubs im Internet denkbar, hatte Middelhoff im Sommer gesagt. Kürzlich hatte Bertelsmann mit der Online-Musiktauschbörse Napster eine strategische Allianz geschlossen. Bertelsmann hat eigenen Angaben vom September zufolge 30 Mrd. DM für strategische Zukäufe zur Verfügung.



EMI kann sich auch allein bewähren

EMI-Chef Nicoli zeigte sich indes überzeugt, dass sich seine Firma auch allein am Markt weiterhin bewähren werde. Auch ohne eine Fusion mit Warner Music oder BMG habe EMI "hervorragende Aussichten", sagte Nicoli. Analysten sehen die Verhandlungen mit Bertelsmann aber auf einem guten Weg. Bill Baker von Schroder Investment Management sagte, Nicoli sei sich bewusst, dass er jetzt zuschlagen müsse.

Unterdessen gab EMI für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2000/2001 einen Ergebnisrückgang bekannt, der etwas geringer ausfiel als Analysten erwartet hatten. Demnach sank der Vorsteuergewinn vor Sonderposten und Abschreibungen auf 59,1 Mill. Pfund (rund 193,2 Mill. DM) von 86,5 Mill. Pfund im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten mit einem Wert von lediglich 57,5 Mill. Pfund gerechnet. Die Verhandlungen mit Warner hätten das Halbjahresergebnis mit 42,9 Mill. Pfund belastet, teilte EMI mit. Der operative Gewinn sei auf 110,9 Mill. Pfund nach zuvor 119,1 Mill. Pfund zurückgegangen. Der Umsatz sei dagegen um 5,9 % auf 1,14 Mrd. Pfund gewachsen.

Die EMI-Aktien verloren am Dienstagmittag nach Veröffentlichung der Geschäftszahlen und nach den Einschätzungen des EMI-Chefs zur Verhandlungsdauer mit Bertelsmann knapp sechs Prozent an Wert.

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