Noch vier Verletzte im Krankenhaus - Heftige Kritik an Vorgehen der Polizei
Mehrheit der deutschen Globalisierungsgegner wieder frei

Die Mehrheit der während des G-8-Gipfels in Genua festgenommenen Globalisierungsgegner aus Deutschland ist wieder frei. Von 67 Inhaftierten hätten die italienischen Justizbehörden inzwischen 52 entlassen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. 15 befänden sich weiterhin in Haft. Vier bei den Krawallen verletzte Deutsche würden noch in Krankenhäusern Genuas behandelt. Die Grünen und die PDS übten scharfe Kritik an Übergriffen der italienischen Polizei und forderten die Einsetzung einer internationalen Untersuchungskommission.

ap BERLIN. Das Auswärtige Amt kündigte an, das Vorgehen der Sicherheitskräfte zu überprüfen. Es seien Gespräche mit allen deutschen Inhaftierten geführt worden. Dabei seien vor allem Klagen über das Vorgehen der Polizei bei der Razzia in einem Schulgebäude und über den Polizeigewahrsam unmittelbar nach der Festnahme laut geworden. Eine Bewertung des Polizeieinsatzes könne erst nach Auswertung der Informationen erfolgen, sagte der Sprecher.

Die Grünen-Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele und Annelie Buntenbach erhoben schwere Vorwürfe gegen das "unglaubliche Vorgehen" der italienischen Polizei. Ströbele erklärte nach einem Besuch der Inhaftierten, nach übereinstimmenden Berichten zahlreicher Augenzeugen hätten die Globalisierungsgegner keinen Widerstand geleistet. Sie seien dennoch so stark geschlagen und getreten worden, dass viele von ihnen schwerste Verletzungen davongetragen hätten.

"Das ist durch nichts zu rechtfertigen", sagte Ströbele im Radio EINS. Ebenfalls kritisierte er, dass die Festgenommenen wie Schwerstverbrecher behandelt worden seien. Bei einigen seien er und Buntenbach überhaupt die ersten Besucher gewesen, die vorgelassen worden seien. Nicht einmal Verwandte, die nach Genua gereist waren, hätten die Inhaftierten besuchen dürfen.

Die stellvertretende PDS-Vorsitzende Petra Pau kritisierte in einem Brief an den italienischen Botschafter die unverhältnismäßige Gewaltanwendung der Sicherheitskräfte. Ihre Partei distanziere sich eindeutig von der Gewaltbereitschaft einiger Protestler. Jedoch seien auch zahlreiche friedliche Gipfelkitiker schwer verletzt worden. Anstatt gewaltbereite Personen vom friedlichen Demonstrationszug zu isolieren, "schienen sie der Polizei ein willkommener Vorwand, um gegen den friedlichen Protest Hunderttausender vorzugehen", schrieb Pau. Die PDS habe Schritte unternommen, um die Einsetzung einer internationalen Untersuchungskommission zu erreichen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%