NOK dementiert und Bewerber verärgert
Aufregung um angebliches Olympia-Ranking

Die Veröffentlichung einer Rangfolge mit Hamburg als Spitzenreiter hat 65 Tage vor der Entscheidung des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) über den Bewerber für die Olympischen Spiele 2012 für Dementis und Verärgerung bei den Bewerbern geführt. Laut "Hamburger Abendblatt" und dem Sender NDR 90.3 hat die NOK- Prüfungskommission der Hansestadt die besten Voraussetzungen für die Organisation Olympischer Spiele bescheinigt, mit Leipzig, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf auf den Plätzen.

HB/dpa HAMBURG. "Es gibt noch kein Ranking. Wir sind mit unserer Arbeit noch nicht fertig. Alles, was veröffentlicht wurde und bis zum 13. März noch veröffentlicht wird, ist spekulativ", sagte Dieter Graf Landsberg-Velen.

Der NOK-Vizepräsident steht der Evaluierungskommission vor, die in den letzten Monaten die fünf Olympia-Bewerber eingehend geprüft und dann auch benotet hat. Nach einem neuen Zeitplan wird die Kommission ihren Bericht am Abend des 12. März verabschieden. Am Vormittag des nächsten Tages soll er vom NOK-Präsidium formell abgesegnet, am 13. März um 13 Uhr den fünf Städten übermittelt und um 16 Uhr bei einer Pressekonferenz in Frankfurt der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Die neue Zeitfolge gilt auch für die Bewerber um die Austragung der olympischen Segelregatten 2012. Laut dem Hamburger Blatt nimmt Kiel bei den NOK-Prüfern den ersten Platz ein vor Rostock/Warnemünde, Lübeck/Travemünde, Stralsund/Rügen und Cuxhaven. Die Prüfungsberichte bilden die wichtigste Grundlage für die Mitgliederversammlung des NOK. Sie wird am Vormittag des 12. April in München zuerst den Segelbewerber wählen, am Nachmittag im Rahmen einer dreistündigen Live-Übertragung der ARD die Olympia-Stadt. Sie geht dann in das internationale Rennen. Es wird vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) im Juli 2005 in Singapur entschieden.

Der neue NOK-Zeitplan, der zwischen Verabschiedung des Prüfungsberichts durch die Evaluierungskommission und Veröffentlichung nur wenige Stunden lässt, ist aus der großen Sorge vor Indiskretionen entstanden. Tatsächlich hatte es im Gremium der elf Prüfer mindestens ein Leck gegeben. Daraufhin waren sie von NOK- Präsident Klaus Steinbach und Graf Landsberg-Velen noch einmal zu strikter Geheimhaltung vergattert worden. Als Vorsichtsmaßnahme wurden nur drei Exemplare mit dem vorläufigen Prüfungsbericht angefertigt und an "sicherem Ort verwahrt" (Graf Landsberg-Velen). Dieser Bericht führt die Noten der verschiedenen Prüfungskriterien zu einer Gesamtnote zusammen.

Sollte sich Hamburgs erste Rangstelle und der letzte Platz für Düsseldorf im endgültigen Prüfungsbericht bestätigen, ginge die Hansestadt als Favorit in die Endausscheidung. Die Vorgabe der NOK- Führung an die Mitgliederversammlung ist, jene Stadt auszuwählen, die im äußerst schweren internationalen Rennen die beste Chance besitzt. Düsseldorf gilt bisher als jener Bewerber, der in der Vollversammlung den größten sportpolitischen Rückhalt zu haben scheint. Zugleich wird eine generelle Aussage des endgültigen Prüfungsberichts sein, dass alle fünf Kandidaten in den Bewertungen eng zusammen liegen und somit jede Stadt für qualifiziert gehalten wird, die Spiele 2012 auszurichten.

Mit der Veröffentlichung des noch vorläufigen Rankings durch Hamburger Medien hat die heiße Phase des Fünfkampfs um Olympia begonnen. Von den fünf Bewerbern werden sie durchweg als "reine Spekulation" zurückgewiesen. "Was zählt, ist der 12. April. Wer bis zu diesem Termin seine Hausaufgaben gemacht hat, wird als Sieger hervorgehen", sagt Alexander Leibkind, Geschäftsführer der Düsseldorf Rhein-Ruhr 2012 GmbH. Sein Frankfurter Kollege Heinz-Jürgen Weiss meint: "Ich kann mich nur wundern, dass ausgerechnet immer wieder in Hamburger Medien die Rankings veröffentlicht werden." Darauf nimmt auch NOK-Präsident Steinbach Bezug. Er nennt die Veröffentlichung den "übereifrigen Versuch von Medien aus der Region, die Bewerbung der eigenen Stadt ins rechte Licht zu rücken".

Karl-Heinz Blumenberg, Sprecher der Hamburg für Spiele 2012 GmbH, setzt sich von der Veröffentlichung ebenfalls ab. Er warnt zugleich, die Hamburger Bewerber dafür verantwortlich zu machen. "Ich bedaure jede Art von Spekulation. Wenn unsere Mitbewerber uns diese Berichte aber zum Vorwurf machen sollten, muss sich die Frage nach dem Verständnis der Pressefreiheit stellen. Wir haben doch keine gleichgeschalteten Medien und sind nicht im Zentralkomitee der SED. Hamburg hat sehr viele Medien, das kann für eine deutsche Bewerbung sehr wertvoll sein. Die Kehrseite ist, dass es auch Berichte ohne ausreichende Grundlage geben kann", sagt Blumenberg.

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