Norbert Blüm
Der zornige Renten-Rächer

Einst hatte Norbert Blüm versprochen, dass die Renten sicher seien. Heutzutage müssen die Renten durch private Vorsorge untersützt werden und das Rentenalter wird auf 67 angehoben. Blüm mag sich damit nicht abfinden, redet auf seinem Kreuzzug alles in Grund und Boden - der Blick für die Realität geht dabei aber auch einmal verloren.

BERLIN. Kurz vor dem Ende, als Norbert Blüm längst raumgreifend zwei Drittel des Podiumstisches erobert und den Saal schwindelig geredet hat, wagt sein Kontrahent doch einen kecken Gegenangriff. Der Ex-Minister habe "keine Antworten auf die demographische Entwicklung", wendet Philipp Mißfelder ein und lobt die SPD: "Wenn Herr Müntefering der Schöpfer der Rente mit 67 ist, dann scheint der Erkenntnisprozess in anderen Teilen der Gesellschaft weiter zu sein als in Teilen meiner eigenen Partei", sagt der CDU-Abgeordnete.

Beifall gibt es für die Bemerkung nicht, und auch Blüm zeigt sich unbeeindruckt. Trotzdem ist es gut, dass der Chef der Jungen Union zumindest diese kleine Gemeinheit gesagt hat. Ansonsten hätte man glatt vergessen können, dass es sich bei der einstündigen Veranstaltung der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zur Rente mit 67 um ein "Streitgespräch" handelt.

Gleich mit den ersten Sätzen hat sich der frühere Sozialminister die Themenhoheit gesichert. Er bedankt sich ironisch beim Veranstalter, der seinen Slogan "Die Rente ist sicher" veralbert hatte, kontrastiert die Wirtschaftsprofessoren in ihren "warmen Lehrstuben" mit dem Bauarbeiter auf dem Gerüst, rechnet mit der Riester-Rente ab und behauptet: "Die Anhebung der Altersgrenze auf 67 ist die Zerstörung des Sozialsystems."

Eigentlich soll der 27-jährige Mißfelder, der in seinen wilden Zeiten den Senioren künstliche Hüftgelenke verweigern wollte, nach der Programmregie wohl den "Herz-Jesu-Opa" vorführen. Doch rasch wird klar, dass der adrette Nachwuchspolitiker im blauen Anzug dem zornigen Überzeugungstäter kein Paroli bieten kann. Defensiv wendet Mißfelder ein, dass sich die Arbeitswelt bis 2035 stark wandeln werde. Ohnehin könne die Rente nur noch eine Grundsicherung bieten, weshalb private Vorsorge erforderlich sei.

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