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Nord/LB steuert auf Ostseekurs

Die Nord/LB will sich mit der Übernahme der First Latvian Commercial Bank auf den Ostseeraum konzentrieren. Lukrativ sind für sie vor allem deutsche Unternehmen, die in Lettland investieren. Der Beitritt zur Europäischen Union soll in dem nordosteuropäischen Land für starkes Wachstum sorgen.

HANNOVER. Die Hoffnung der baltischen Staaten auf einen Beitritt zur Europäischen Union regen auch die Phantasie der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB), Hannover, an. Diese hat ihre Auslandsstrategie auf die Ostseeregion konzentriert und mit der First Latvian Commercial Bank (Pirma Banka) dort erstmals ein Institut übernommen. "Man muss einsteigen, solange es noch bezahlbar ist", sagte Vorstandsvorsitzender Manfred Bodin im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Keine Übernahme von Altlasten

Wie viel der Einstieg kostet, verriet Bodin nicht. Der eigentliche Kaufpreis dürfte jedoch weniger wesentlich sein als die Kapitalspritze von 20 Mill. DM, mit der die Nord/LB die Sanierung ihrer neuen Tochter voran bringen wird.

Die relativ kleine Bank mit 180 Mill. DM Bilanzsumme hat harte Zeiten hinter sich. Vor elf Jahren gegründet, stieg sie schnell zur Nummer Vier im Land auf. Doch dann kamen Russland-Krise, Überschuldung und Lizenzentzug. Die Zahl der Mitarbeiter rutschte von 880 auf 400, die Einlagensumme halbierte sich. Bodin legt jedoch Wert darauf, dass die Landesbank bei der Reprivatisierung keine Altlasten übernommen habe. Für das nächste Jahr erwartet er schwarze Zahlen.

In dem Bietverfahren bekam es die Nord/LB mit skandinavischen Interessenten zu tun, den deutschen Großbanken sei der Markt zu klein, sagt Sven Herlyn, Leiter des Auslandsgeschäfts bei der Nord/LB. Für die Landesbank dagegen sei dies allein schon wegen der Nähe die ideale Nische im Ausland: "Wenn wir woanders antreten, glaubt uns das kein Mensch." Ähnlich sehen das die Skandinavier, denen mit der Unibanka und der Hansabank bereits zwei der drei größten lettischen Institute gehören.

Herlyn rechnet damit, dass Pirma Banka im nächsten Jahr zumindest im Neugeschäft wieder unter den ersten Fünf rangieren wird. Dabei muss er sich zunächst auf das Retail-Banking stützen, das sonst nicht zu den Schwerpunkten der Landesbank gehört. Sie übernimmt nur in der Region Braunschweig Sparkassen-Funktion. Ohne diese Sparte sei aber in Lettland keine Bank zu bekommen, sagt Bodin. Das Netz der 45 Filialen lege die Basis für das Geschäft mit den zumeist kleinen Firmenkunden. Da nur jeder dritte Lette ein Konto habe, gleichzeitig aber "relativ viel Geld in den privaten Schatullen" liege, biete auch das Privatkundengeschäft Wachstumschancen.

Seinen strategischen Sinn bekommt das Engagement aber erst durch die Nord/LB-Kunden. Mit über 20 % ist Deutschland der wichtigste Handelspartner Lettlands; das Volumen steigt jährlich um rund 10 %. Produkte für ca. 1 Mrd. DM wurden 1999 von Deutschland nach Lettland exportiert. Neben der Handelsfinanzierung will die Nord/LB auch Unternehmen bei Investments in der Ostseeregion begleiten und hofft auf einige Projektfinanzierungen. Außerdem lockt die Nähe zu Russland.

Lettland drängt in die Europäische Union

In spätestens fünf Jahren werde der EU-Beitritt Lettlands zumindest politisch entschieden sein, glaubt der Nord/LB-Chef, und das bedeute "enormes Wachstum". Auch Herlyn hält die Region politisch inzwischen für stabil. Zwar wechselten des öfteren die Gesichter, aber vom marktwirtschaftlichen Kurs sei das Land nicht abgekommen. Dazu sei der Drang der Bevölkerung in die EU viel zu groß. Die neue Akquisition ist das vierte Engagement der Nord/LB rund um die Ostsee - nach Filialen in Stockholm und Vilnius sowie einer Niederlassung in Warschau. Weitere Standorte dürften folgen. Bodin hat weiter einen Zukauf in Polen im Auge. Dort zeigt sich, was passiert, wenn man zu spät kommt: Die Kaufpreise seien bereits "enorm" und unter Renditegesichtspunkten nicht mehr zu rechtfertigen.

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