Nord Stream nimmt Arbeit auf
Gebt Gas!

Am Mittwoch hat sich im Schweizer Steuerparadies Zug eine Geschichte zugetragen, die das Zeug zu einem Dauerbrenner hat. Enthält sie doch alles, was eine gute Geschichte für ein langes Leben braucht: eine wichtige Nachricht, einen politischen Unterton und nicht zuletzt Persönlichkeiten, die niemandem völlig egal sein können.

ZUG. Wie es sich gehört, steht an dieser Stelle die Nachricht zuerst: In Zug hat gestern mit Nord Stream jenes Unternehmen seine Arbeit aufgenommen, das die schon viel beschriebene Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland bauen und betreiben wird. Nord Stream wird jetzt die Genehmigungsverfahren einleiten, um so bald wie möglich mit dem Bau zu beginnen und im Jahr 2010 das erste Gas durch die 1 200 Kilometer lange Röhre schicken zu können. Mindestens fünf Mrd. Euro wird das Projekt verschlingen.

Durch die Leitung wird später etwa ein Fünftel des gesamten Gases fließen, das Europa einkauft, um seine eigene sinkende Produktion zu ergänzen. Nord Stream trug bis vorgestern den sperrigen Namen Nordeuropäische Gaspipeline Gesellschaft und hat sich nun titelmäßig etwas verschlankt. Hinter dem Unternehmen stehen nach wie vor die russische Gazprom mit 51 Prozent der Anteile sowie die deutschen Versorger Wintershall und Eon Ruhrgas mit jeweils 24,5 Prozent. Möglicherweise, so war gestern zu erfahren, steigt demnächst mit der niederländischen Gasuni ein weiterer Großaktionär ein und die Deutschen verringern ihre Anteile dann entsprechend.

Der politische Unterton klingt so: Das Unternehmen öffnet seine Türen just kurz nachdem die EU das Projekt in die Liste der wichtigsten Versorgungsvorhaben Europas aufgenommen hat. Und just einige Tage bevor der russische Staatschef Wladimir Putin die deutsche Kanzlerin Angela Merkel besucht. Eines der wichtigsten Themen dürfte die Energieversorgung sein, bei der sich die Interessenlagen der beiden decken:

Deutschland verbraucht mehr Gas, als es fördert. Und für Russland sind die sprudelnden Einnahmen aus den Gasgeschäften längst unverzichtbar geworden. Merkels Vorgänger Gerhard Schröder hatte das bereits auch so gesehen und das Nord-Stream-Unternehmen mit seinem Freund Putin eingefädelt. Dass Schröder selbst an der Spitze des Nord-Stream-Aktionärsausschusses sitzt und dabei nicht schlecht verdient, kommt ihm nach dem Ende seiner Kanzlerschaft ganz gelegen.

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