Nordallianz drohte mit Erstürmung der Stadt
Taliban-Kämpfer in Kundus offenbar zur Übergabe bereit

Nach heftigem Luftbombardement der USA und der Einkesselung durch Kämpfer der Nordallianz sind die Taliban-Milizen in der afghanischen Provinzhauptstadt Kundus offenbar zur Aufgabe bereit. Die Stadt ist die letzte Bastion des Taliban- Widerstandes in der nördlichen Hälfte Afghanistans. In der südlichen Taliban-Hochburg Kandahar blieb die Lage am Sonntag unübersichtlich.

dpa WASHINGTON/ISLAMABAD. Maulvi Said Hakim, ein Stammesführer aus der im Norden Afghanistans gelegenen Provinz Kundus, sagte am Sonntag in Peshawar (Pakistan), der Taliban-Führer in Kundus, Mullah Wahid Omar, habe ihn beauftragt, Kontakt zu den Vereinten Nationen herzustellen. Die Taliban seien bereit, alle ausländischen Kämpfer in ihren Reihen den UN zu übergeben.

Die US-Luftwaffe hatte ihre Angriffe auf Stellungen der Taliban in Afghanistan in der Nacht zum Sonntag fortgesetzt und auch Kundus bombardiert. Wie der US-Fernsehsenders CNN aus der Provinzhauptstadt berichtete, wurden dabei Maschinen vom Typ B-52 eingesetzt. Bereits am Vortag war Kundus Ziel amerikanischer Bomben.

Die Nordallianz zog ihren Belagerungsring um die Stadt enger und drohte mit ihrer Erstürmung, sollten die Taliban-Kämpfer nicht freiwillig aufgeben. Zu den Verteidigern von Kundus sollen nach Berichten der Nordallianz viele ausländische Söldner aus Arabien, Pakistan, Tschetschenien und Usbekistan zählen. Vor allem diese hätten sich bisher jeder Aufforderung zur Kapitulation widersetzt.

Paschtunen stellten Ultimatum in Kandahar

In der südlichen Taliban-Hochburg Kandahar stellten Stammesführer der Paschtunen den Taliban-Kämpfern nach Angaben des US-TV-Senders CNN ein Ultimatum. Sollten sich die Taliban nicht binnen einer Woche aus der Stadt zurückziehen, müssten sie mit einem Angriff von Stammeskriegern aus sechs südlichen Provinzen rechnen, meldete der Sender unter Berufung auf einen Ex-Kommandeur der Paschtunen. Das Ultimatum sei bei einem Treffen der Stammesführer im pakistanischen Grenzort Quetta gestellt worden, hieß es.

Ein Sprecher von Taliban-Führer Mohammed Mullah Omar wies Berichte zurück, nach denen der Abzug der "Gotteskrieger" aus Kandahar bereits begonnen und sich Mullah Omar nach Pakistan abgesetzt habe. Tausende von Taliban-Kämpfern stünden in und im Umfeld Kandahars bereit, die Stadt und die umliegenden Provinzen "bis zum Tod zu verteidigen", sagte er dem arabischen Nachrichtensender El Dschasira.

Angeblich auf Druck der Paschtunen-Stämme hatte Mullah Omar die Regierungsgewalt über Kandahar an zwei Paschtunen-Führer übergeben, die den Taliban allerdings politisch nahe stehen sollen. Dafür gab es keine unabhängige Bestätigung. Bei US-Luftangriffen auf die Provinz Nangarhar im Osten Afghanistans wurden am Sonntag nach Angaben der Bewohner 30 Zivilisten getötet. Die Taliban hatten die Macht in Nangarhar vor ihrer Flucht an frühere Mudschahedin übergeben.

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