Nordallianz: Friedenstruppe nicht notwendig
Afghanistan-Konferenz in schwieriger Phase

Nach der Verständigung in Grundsatzfragen sind die Teilnehmer der Afghanistan-Konferenz bei Bonn am Mittwoch in die schwierigen Detailverhandlungen eingestiegen. Die Nordallianz, die nach dem Sturz des Taliban-Regimes die Macht in Kabul übernommen hat, lehnte die von den UN befürwortete Stationierung einer internationalen Friedenstruppe ab.

ap KÖNIGSWINTER. Der stellvertretende Konferenzleiter Francesc Vendrell äußerte sich zurückhaltend über einen baldigen Abschluss der Konferenz auf dem Petersberg. Die Dauer und das zu erwartende Ergebnis der am Dienstag begonnenen Verhandlungen seien noch offen, sagte Vendrell. Die Gespräche sollten aber auf jeden Fall vor der am 5. Dezember beginnenden Berliner Konferenz über die Afghanistan-Hilfe abgeschlossen sein.

Als Stellvertreter des UN-Sonderbeauftragten Lakhdar Brahimi sprach Vendrell von einer bislang sehr guten Gesprächsatmosphäre, schränkte aber ein: «Dies bedeutet nicht, dass es so bleiben wird.» Über eine konkrete Sitzverteilung im angestrebten Übergangsrat sei noch nicht gesprochen werden. Den Delegierten sei aber bewusst, dass die internationale Gemeinschaft «irgendeine Art von politischem Fortschritt» erwarte, ehe die Hilfe aus dem Ausland in vollem Umfang anlaufen könne.

"Diese Gespräche werden nicht einfach sein", sagte UN-Sprecher Ahmed Fausi. Zu Beratungen der Nordallianz mit der Gruppe des afghanischen Exkönigs Mohammed Sahir Schah sagte Fausi, das drängendste Problem sei die Frage, wie die de facto regierende Nordallianz zu einer Übertragung der Regierungsgewalt bewegt werden könne.

Deren Delegationsleiter Junus Kanuni sagte am Mittwoch: "Wir sehen nicht die Notwendigkeit für eine auswärtige Truppe. Für Sicherheit ist gesorgt." Zu den Gesprächen mit den drei anderen auf dem Petersberg vertretenen Gruppen erklärte Kanuni, dass sich alle grundsätzlich einig seien, eine Übergangsverwaltung unter Beteiligung aller Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Dies gebe Anlass zur Hoffnung, dass auch in den Detailfragen eine Übereinkunft erzielt werden könne. "Wir sind hoffnungsvoll, dass wir in zwei bis drei Tagen eine positive und konstruktive Vereinbarung erreichen werden", sagte Kanuni. Der weitere politische Prozess solle mit einer Großen Ratsversammlung (Loja Dschirga) aus Vertretern aller Bevölkerungsgruppen in Afghanistan fortgesetzt werden.

Exkönig soll Übergangsrat anführen

Alle Konferenzteilnehmer seien sich im Ziel einer breiten Übergangsregierung einig, erklärte am Mittwoch die Beraterin der Peshawar-Gruppe von Exil-Afghanen in Pakistan, Fatima Gailani. Die Mehrheit der Delegierten sei der Überzeugung, dass der ehemalige König Sahir Schah den geplanten Übergangsrat leiten solle - eine Auffassung, die von Vendrell bestätigt wurde. Für die Nordallianz sagte Kanuni jedoch, dass der Exkönig nur dann eine Funktion übernehmen sollte, wenn dies von einer Loja Dschirga gebilligt werde.

Bundeskanzler Gerhard Schröder gab am Mittwoch der Hoffnung Ausdruck, dass die Konferenz über die Zukunft Afghanistans eine Perspektive "für dieses geschundene Land" aufzeigen wird. Die vom Bund für die Konferenz zur Verfügung gestellten zwei Millionen Mark seien eine sinnvolle Investition, erklärte Schröder.

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