Nordallianz hat Offensive gestartet
Erste Angriffswellen abgeschlossen

Bei den Luftangriffen der USA und Großbritanniens gegen Afghanistan sind nach Angaben der afghanischen Nachrichtenagentur AIP allein in der Hauptstadt Kabul mehr als 25 Menschen getötet worden. Der Generalkonsul der afghanischen Taliban-Regierung in Pakistan, Maulwi Nadschibullah sagte am frühen Montagmorgen, es gebe Opfer sowohl in Kabul als auch in den Städten Kandahar und Dschalalabad.

afp ISLAMABAD/KABUL. Die bewaffnete afghanische Opposition hatte zuvor erklärt, bei den "zielgenauen" Angriffen der USA habe es keine Opfer unter der Zivilbevölkerung gegeben. Die USA hatten mit britischer Unterstützung Stützpunkte des Moslemextremisten Osama Bin Ladens und Einrichtungen der radikalislamischen Taliban-Regierung mit Marschflugkörpern und Flugzeugen angegriffen. Die Militäraktion knapp vier Wochen nach den Terroranschlägen in New York und Washington stieß weltweit überwiegend auf Rückhalt.

Zehn Menschen seien nahe dem Flughafen von Kabul ums Leben gekommen, meldete die in Pakistan ansässige, Taliban-nahe Agentur AIP; mehr als zehn Todesopfer habe es am Sitz des staatlichen Senders Radio Scharia gegeben. Nach Angaben der oppositionellen Nordallianz wurden Taliban-Einrichtungen in Dschalalabad im Osten, in Farah im Westen und in Kundus im Norden des Landes nahe der Grenze zu Tadschikistan getroffen. In der Hauptstadt Kabul seien der Flughafen, der Präsidentenpalast und das Gebäude des nationalen Rundfunks angegriffen worden. In Kundus sei ein Behelfsflugplatz zerstört worden. Laut dem US-Nachrichtensender CNN waren am Flughafen von Kandahar heftige Explosionen zu hören. Die Stromversorgung in Kabul brach immer wieder zusammen.

Großbritannien mit U-Booten beteiligt

"Die Schlacht hat jetzt an vielen Fronten begonnen", sagte US-Präsident George W. Bush in einer Fernsehansprache zu den Angriffen, die sich nach Angaben aus Washington noch mehrere Tage hinziehen werden. Nach den Worten von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wollten sich die USA zunächst die Lufthoheit über Afghanistan sichern. Rumsfeld zufolge wurden auf Schiffen und an Land stationierte Flugzeuge sowie von U-Booten abgefeuerte Raketen eingesetzt. Parallel dazu seien 37 000 Lebensmittelrationen über Afghanistan abgeworfen worden. Großbritannien war laut Premierminister Tony Blair mit Raketenangriffen von U-Booten aus an den Angriffen beteiligt.

Nach Angaben der Taliban überlebten der von den USA als Drahtzieher der Anschläge in den USA gesuchte Osama Bin Laden und Taliban-Führer Mullah Muhammed Omar. Die Taliban riefen zum Heiligen Krieg (Dschihad) gegen die USA auf und kündigten für Montag Angriffe entlang der Nordgrenze zu Usbekistan an. In der ehemaligen Sowjetrepublik haben die USA Soldaten stationiert. Die afghanische Nordallianz erklärte ihrerseits, sie werde im Morgengrauen eine Offensive gegen die Taliban starten.

Deutsche Soldaten waren laut Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nicht an den Angriffen beteiligt. Deutschland werde im weiteren Verlauf der Angriffe jedoch seinen Beitrag leisten, kündigte Schröder an. Nach den Angriffen müsse auch in Deutschland von einer "erhöhten Gefährdungssituation" ausgegangen werden. Es gebe aber keine konkreten Anhaltspunkte für Anschläge in der Bundesrepublik. In Berlin sowie in zahlreichen anderen Großstädten wie New York, Los Angeles und Moskau wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

Europa steht hinter USA

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sagte, Europa stehe "entschlossen an der Seite der Amerikaner und ihrer Alliierten". Zahlreiche weitere Länder stellten sich hinter die USA. Die Führer des US-Kongresses sagten Präsident Bush ihre uneingeschränkte Unterstützung zu. Eine Blitzumfrage von ABC News und der "Washington Post" ergab, daß 94 Prozent der US-Bürger die Angriffe unterstützen. Acht von zehn Amerikanern sprachen sich für die Entsendung von Bodentruppen nach Afghanistan aus, um Bin Laden gefangen zu nehmen oder zu töten. Auch die russische Regierung unterstützte die Angriffe.

In Pakistan demonstrierten in mehreren Städten mehrere tausend Menschen gegen die Militäraktion. Ein indonesischer Islamisten-Führer drohte Angriffe auf US-Einrichtungen und-Bürger an. Das Außenministerium in Washington warnte vor möglichen Gegenschlägen von Terroristen und ihren Unterstützern oder Sympathisanten US-Bürger überall in der Welt. Der katarische Fernsehsender El Dschasira strahlte eine bereits vor den Angriffen aufgenommen Videoaufzeichnung aus, in der Bin Laden den USA drohte, sie dürften sich in Zukunft "nie mehr" sicher fühlen.

Afghanische Opposition startet Offensive nördlich von Kabul

Die afghanische Opposition hat von den US-Angriffen auf Ziele der Taliban profitiert und eine Offensive nördlich von Kabul gestartet. Im Ort Tobdara waren am Montagmorgen Raketenabschüsse der oppositionellen Nordallianz zu hören. Artilleriefeuer erleuchtete den Himmel, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. Der Kommandeur der Nordallianz, Abdul Kassim Fahim, habe der Infanterie den Befehl zum Angriff auf die von den Taliban gehaltenen Städte gegeben, sagte ein Sprecher. Die Oppositionstruppen versuchten nach seinen Worten, den Taliban nach allen Seiten den Weg abzuschneiden.

Der "Außenminister" der Nordallianz, Abdullah Abdullah, sagte auf CNN die baldige Eroberung der Hauptstadt Kabul an: "Die Taliban werden sich an der Front nördlich von Kabul nur noch wenige Tage halten können." Die Oppositionstruppen hatten bereits nach Beginn der US-Angriffe eine Offensive im Morgengrauen angekündigt. Die Taliban hatten ihrerseits damit gedroht, am Montag das Nachbarland Usbekistan anzugreifen, das die USA mit der Bereitstellung von Luftwaffeneinrichtungen unterstützt.

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