Nordallianz legt Namensliste für Interimsregierung vor
Afghanistan-Konferenz erzielt Teilerfolg

Die Teilnehmer der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn haben sich in der Nacht zum Dienstag einen wichtigen Teilerfolg erzielt und sich auf ein Abkommen zur Bildung einer Interimsregierung verständigt. Über die genaue Besetzung der Posten wird noch verhandelt. Das könne noch zwei Tage dauern, sagte ein US-Diplomat.

ap/vwd-afp KÖNIGSWINTER. Vorgesehen ist auch die Stationierung einer internationalen Friedenstruppe in Kabul und anderen Teilen des Landes, die freiwillige Entwaffnung der Kämpfer in Afghanistan sowie die Schaffung eines obersten Gerichtshofs. "Wir haben jetzt einen Text", sagte UN-Sprecher Ahmad Fausi am Dienstagmorgen. Jetzt würden die UN versuchen, auf der Grundlage der von den Delegationen vorgelegten Namenslisten für die Regierung einen Kompromiss zu erzielen. Die Verhandlungen darüber sollen am Mittag wieder aufgenommen werden.

Möglich wurde die Einigung, nachdem die Nordallianz nach langem Zögern ihre Namensliste zur Bildung der Interimsregierung vorgelegt hatte. Die Einigung ist Voraussetzung dafür, dass die internationale Gemeinschaft Milliarden Dollar für den Wiederaufbau des Landes zur Verfügung stellt.

Zuvor hatte der amerikanische Diplomat James Dobbins der Nordallianz vorgeworfen, die Bemühungen um einen erfolgreichen Abschluss zu behindern. Besorgt über die Verzögerung telefonierte am Abend ein US-Diplomat mit Nordallianz-Präsident Burhanuddin Rabbani. Dieser wollte mit seiner anfänglichen Weigerung erreichen, dass die Mitglieder der Interimsregierung nicht in Deutschland, sondern in Kabul bekannt gegeben werden. Rabbani hatte schon am Freitag Einwände gegen Ergebnisse der Konferenz erhoben und die Verhandlungen damit ins Stocken gebracht.

Die 29-köpfige Interimsregierung soll so schnell wie möglich die Macht von der jetzt in Kabul herrschenden Nordallianz (Vereinigte Front) übernehmen. Die vier Delegationen - neben der Nordallianz drei Gruppierungen von Exil-Afghanen - müssen sich jetzt noch auf einen Vorsitzenden und die Ressortverteilung einigen. Die besten Chancen für das Amt des provisorischen Regierungschefs werden dem paschtunischen Stammesältesten Sajed Hamid Karsai eingeräumt.

Die Delegierten hätten sich in der Nacht zudem auf die Entsendung einer internationalen Friedenstruppe unter UN-Mandat geeinigt, sagte UN-Sprecher Achmad Fawzi. Der UN-Sicherheitsrat in New York solle mit der Entsendung einer solchen Truppe beauftragt werden. Die UN-Friedenstruppe solle die Sicherheit "in Kabul und Umgebung" gewährleisten und könne gegebenenfalls auch auf andere Regionen ausgeweitet werden. Der Einigungsentwurf sieht auch die Entmilitarisierung der Hauptstadt Kabul vor.

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