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Nordallianz sorgt sich um ihre Uniformen

Adschemohammed Amin ist stolz auf seine neue grüne Filzkappe. "Wenn die anderen in meiner Einheit die sehen, werden sie alle hierher kommen, um sich auch eine zu besorgen", sagt der Soldat der afghanischen Nordallianz, nachdem er sich in einem Laden in Kabul für 30 000 Afghani (1 ?) die Armeemütze gekauft hat. Nach ihrem Sieg über die Taliban fängt die Nordallianz an, sich über ihre äußere Erscheinung Gedanken zu machen.

dpa KABUL. Amin trägt zwar immer noch seine abgewetzten Turnschuhe und eine beige Zivilhose, aber mit der chinesischen Kampfjacke im Tarndesign und der Kappe sieht er schon eher wie ein Soldat aus. "Während des Krieges waren wir ziemlich deprimiert wegen unseres Aufzugs", sagt Oberst Abdul Samad. Uniformen gab es in Afghanistan kaum. Auch die Taliban trugen Pluderhose und weites Hemd, genau wie die Zivilisten. Allenfalls der schwarze Turban und natürlich ihre Waffen verrieten, dass sie Taliban waren.

Samad ist mit einer Einkaufsliste zu dem Militaria-Laden in Kabul gekommen. Vier Generäle soll er ausstatten mit Schulterstücken, Sternen, Borten und neuen roten Bändern für ihre Kappen. Für Mohammed Akim, der das Geschäft seit mehr als 20 Jahren betreibt, bedeutet das Einnahmen in Höhe von 20 $ (44 DM).

Er macht bessere Geschäfte, seit die Nordallianz die Taliban aus der Stadt vertrieben hat. Unter den Taliban waren es allenfalls deren ausländische Mitkämpfer aus arabischen Ländern, Tschetschenien und Pakistan, die sich schon mal eine Weste mit Munitionstaschen kauften.

Britisches Design gefragt

Vor allem aber freut sich Akim, dass die Taliban-Polizei ihm nicht mehr das Leben schwer macht. Diese Truppe agierte willkürlich und ohne irgend jemanden Rechenschaft zu schulden. Akim erzählt, wie ihm einmal ein Taliban-Offizier eine Pistolentasche für 1,50 Dollar abkaufte und sie später zurückgab. Er wollte den zehnfachen Preis erstattet haben und drohte Akim anderenfalls mit Gefängnis. "Ich habe bezahlt", sagt Akim und grinst.

Das Uniformproblem macht auch General Madschur Saiwolhak von der Nordallianz Kopfzerbrechen. Er hat den Auftrag, eine Polizeitruppe für die Bewachung der Botschaften in Kabul aufzustellen, die, nachdem sie Jahrzehnte lang verwaist waren, nun plötzlich wieder zu neuem Leben erwachen. Saiwolhak sitzt in seinem unscheinbaren Büro mit Heizofen und Glühbirne und fragt sich, wie er die 300 Mann starke Schutztruppe einkleiden soll, damit sie ihren Job vor den internationalen Vertretungen mit Würde erledigen kann. Die Uniformfabriken in Afghanistan arbeiten längst nicht mehr, und alte Vorräte sind aufgebraucht.

"Drei Tage nach unserem Einmarsch in Kabul bin ich zum Innenministerium gegangen und habe gesagt, dass wir ohne richtige Uniformen wie Leute vom Basar aussehen. Aber wir warten immer noch", klagt Saiwolhak. Er selbst trägt eine fünf Jahre alte Uniform, deren Design aus Bulgarien stammt. Ahmed Schah Massud, der im September ermordete militärische Kopf der Nordallianz, hatte sie ihm aushändigen lassen. Saiwolhaks Pläne für künftige Uniformen orientieren sich aber eher an westlichem Geschmack: Er hofft, ein britisches Offiziersoutfit zu bekommen, um es nachschneidern zu lassen.

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