Nordallianz stößt erstmals mit direkter US-Hilfe vor
UNO bestätigt weiteren Fehlschlag der USA in Afghanistan

Die Vereinten Nationen haben einen weiteren Fehlschlag der USA bei den Angriffen auf Afghanistan bestätigt. US-Bomben hätten eine Moschee und ein Dorf nahe der Stadt Herat getroffen, sagte UN-Sprecherin Stephanie Bunker am Mittwoch im pakistanischen Islamabad.

afp KABUL/WASHINGTON. Die oppositionelle Nordallianz erzielte nach eigenen Angaben erstmals mit direkter Unterstützung der USA Gebietsgewinne gegen die Taliban-Miliz. In Washington mehrten sich die Anzeichen, dass die Angriffe auch während des islamischen Fastenmonats Ramadan und im afghanischen Winter fortgesetzt werden.

Die Moschee sei in der gleichen Nacht getroffen worden wie das Krankenhaus in Herat, dessen möglichen Beschuss die USA am Dienstag eingeräumt hatten, sagte die UN-Sprecherin weiter. Die Moschee befindet sich demnach in einem Militärlager der Taliban nahe Herat und wurde in der Nacht zum Montag getroffen. Auch ein Dorf in der Nähe der Moschee sei von Streubomben getroffen worden. Die Umgebung der Siedlung sei nun mit faustgroßen Anti-Personen-Sprengkörpern übersät. Dorfbewohner hätten um die Hilfe von Minenentschärfungsexperten gebeten, sagte die UN-Sprecherin. Über Tote und Verletzte lagen der UNO keine genauen Angaben vor.

Oppositions-Kommandeur Mohammed Atta sagte der Nachrichtenagentur AFP, mehrere Wellen von US-Attacken hätten es seinen Leuten ermöglicht, insgesamt vier Dörfer im Dara-e-Suf-Tal einzunehmen. Dabei seien zwischen 70 und 80 Taliban-Kämpfer getötet worden. Es war der vierte Tag in Folge, an dem die USA Frontstellungen bombardierten. Ein AFP-Reporter zählte mindestens 13 Bomben auf Stellungen der Taliban im Norden der Hauptstadt Kabul.

Auf Kabul warfen Kampfflugzeuge in der Nacht nach Angaben eines AFP-Korrespondenten neun Bomben ab. Flüchtlingen berichteten, bei einem Angriff auf ihr Dorf seien mindestens 20 Zivilisten getötet worden. Augenzeugen, denen die Flucht nach Pakistan gelang, gaben an, eine Bombe habe am Sonntag einen Konvoi von Bewohnern der südafghanischen Ortschaft Tirin Kot getroffen. Unter den Toten seien neun Kinder gewesen. Nach Taliban-Angaben wurde am Mittwoch ein zweites Dorf bombardiert, das die US-Streitkräfte demnach fälschlich für ein militärisches Ausbildungslager hielten. Dabei seien zwölf Zivilisten getötet worden. Nach Angaben der UNO trieben die US-Angriffe mindestens 70 Prozent der Bevölkerung in den drei größten afghanischen Städten in die Flucht.

Ein hochrangiger Pentagon-Vertreter sagte, es sei unwahrscheinlich, dass der nahende Winter die Angriffe beenden werde. Die Tatsache, dass sich die Taliban-Truppen nach wie vor bewegen könnten, zeige, dass der Einsatz ein "langer und langsamer Prozess" sei. Ob die Angriffe auf Afghanistan während des Mitte November beginnenden Ramadan fortgeführt würden, stehe derzeit noch nicht zur Entscheidung, sagte US-Außenamtssprecher Richard Boucher am Dienstagabend. Vorrangiges Ziel der Einsätze sei nach wie vor die Verhaftung oder Tötung des mutmaßlichen Terroristenführers Osama bin Laden.

Unterdessen begann im pakistanischen Peshawar eine islamische Konferenz zur Zukunft Afghanistans. Vor hunderten Stammesführern, Islamgelehrter und anderer afghanischer Persönlichkeiten rief der Vorsitzende der Nationalen Islamischen Front Afghanistans (NIFA), Pir Sayed Ahmad Gailani, gemäßigte Taliban-Vertreter zur Zusammenarbeit bei der Bildung einer Regierung nach einem Sturz der herrschenden Taliban auf.

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